21.06.2020 - 13:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bahnstrom-Trasse: Bündelung mit Ostbayernring schafft Probleme

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Die Bahn-Elektrifizierung kommt - doch zuerst muss der Strom ans Gleis. Die Leitungen dazu will die Bahn mit bestehender Infrastruktur bündeln. Auch die Trasse des Ostbayernrings kommt dafür infrage. Oder doch nicht?

So eng wie hier am Umspannwerk Büchelkühn stehen Stromleitungen zwar selten. Dennoch: Dike Bahnstromtrasse wird für zusätzliche Masten sorgen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

In der Region entlang des Naabtals ist jede Menge Infrastruktur gebündelt: Die Autobahn A 93, Landstraßen, Gasleitungen, Stromstrassen wie der Ostbyernring oder bald der Süd-Ost-Link. Und natürlich die Eisenbahnstrecke Hof-Schwandorf-Regensburg. Sie soll elektrifiziert werden, das würde der Region endlich den Anschluss an den Fernverkehr bringen, auch insgesamt bessere Verbindungen. Aber zunächst muss der Strom zum Gleis. Dazu betreibt die Bahn ein eigens Stromnetz. Das soll nun auch in der Region ausgebaut werden.

Das stößt nicht überall auf Gegenliebe. Im Nachbarlandkreis Amberg formiert sich bereits Widerstand. Auch wenn Achim Saßmannshaushausen, Leiter Bahnstromleitungen bei DB Energie, laut einer Mitteilung der Bahn verspricht: "Wir suchen eine möglichst verträgliche Führung, indem wie in vielen Abschnitten unsere Leitung mit vorhandenen Infrastrukturen bündeln." Eine dieser Bündelungsmöglichkeiten im Landkreis Schwandorf wäre der Ostbayernring (OBR), für dessen Ersatzneubau Netzbetreiber Tennet gerade das Planfeststellungsverfahren betreibt. Zum Teil orientiert sich auch ein Leitungsentwurf der Bahn an dieser Trasse. Bei einer möglichen Bündelung drohen hier aber massive Probleme.

Ärger in Amberg

Amberg

Die Bahnstromleitungen einfach mit an die Maste des Ostbayernrings zu hängen, das wird nicht funktionieren. Das ergibt sich aus der Antwort von Tennet-Sprecherin Ina-Isabelle Haffke auf eine entsprechende Anfrage der Oberpfalz-Medien. "Bezüglich des Bahnausbaus in Nordostbayern gab es zwischen der Deutschen Bahn und Tennet ein erstes Informationsgespräch," bestätigte Haffke.

Dabei habe der Netzbetreiber klargestellt: Die Tennet schließt eine Mitnahme der Bahnstromleitung auf demselben Gestänge aus. "Die Maste des Ostbayernrings wurden für die beiden 380-kV-Systeme konzipiert und im Genehmigungsverfahren beantragt. Da die Planungen der Bahn vor Raumordnungsverfahren noch ganz am Anfang stehen, der Ostbayernring sich hingegen kurz vor Abschluss des Planfeststellungsverfahrens befindet, ist eine Planänderung solchen Ausmaßes auszuschließen", so Haffke. Eine Neukonstruktion der Maste hätte laut Haffke erhebliche Auswirkungen auf die Betroffenheit der Grundstückseigentümer, das Genehmigungsverfahren und den Zeitplan des Ostbayernrings.

Info-Veranstaltung für den Bereich Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Laut des aktuellen "Aktionsplans Stromnetz 2018" des Bundeswirtschaftsministeriums erwarten laut Haffke Bund, Länder und Tennet den Planfeststellungsbeschluss für den Ostbayernring Anfang 2021. "Der Baubeginn wird danach 2021 und Inbetriebnahme 2023 sein. Insgesamt steht der Netzausbau auch politisch unter großem Zeitdruck, so dass eine Verzögerung des Ostbayernrings von mehreren Jahren durch die Mitnahme der Bahnstromleitung unverhältnismäßig ist", teilte die Tennet-Sprecherin mit.

Tennet-Sprecherin Ina-Isabelle Haffke.

"Darüber hinaus nimmt der Ostbayernring auf weiten Teilen bereits die 110-kV-Leitungen des Bayernwerks mit", erklärte Haffke. "Ein weiteres Gestänge eines weiteren Netzbetreibers würde die Maste so erhöhen, dass schnell die 100 Meter Grenze erreicht werden kann. Ab 100 Metern müssen Maste für die Flugsicherung befeuert werden. Daher hat Tennet bei der Planung des Ostbayernrings so große Maste immer vermieden. Auch aus Gründen der Versorgungssicherheit schließt Tennet die Leitungskombination von drei Netzbetreibern aus. Bei Wartungsarbeiten am Ostbayernring müssen die anderen Systeme ebenfalls abgeschaltet werden, so dass eine große gegenseitige Abhängigkeit entstehen würde." Demnach ist klar: An den Masten des OBR wird die Bahnstromleitung nicht hängen.

Untersuchung nötig

Theoretisch wäre es aber möglich, die wesentlich niedrigeren Maste einer 110-kV-Bahnstromleitung im Schutzstreifen des OBR zu bauen. Das würde den Flächenverbrauch minimieren. Der Schutzstreifen (überspannter Bereich unter den Leiterseilen plus Sicherheitsabstand) beim OBR ist etwa 70 Meter breit. Aber auch hier sieht Tennet Probleme. Zwischen Freileitungen müssen gewisse elektrotechnische Sicherheitsabstände eingehalten werden. Wie groß der Mindestabstand zwischen dem Ostbayernring und der 110-kV-Bahnstromleitung mit 16,7 Hertz wäre, müsste laut Haffke noch untersucht werden. Die Tennet gibt aber deutlich zu bedenken: "Wir haben im Schutzstreifen des Ostbayernrings zahlreiche Kompensationsmaßnahmen geplant. Unsere umweltfachlichen Ausgleichsflächen haben wir bewusst und in Abstimmung mit zahlreichen Interessensvertretungen im Schutzstreifen des Ostbayernrings geplant, um den zusätzlichen Flächenbedarf in der Region zu begrenzen. Unsere in kürze genehmigten Kompensationsmaßnahmen werden von der Bahn bei ihren Planungen zu berücksichtigen sein." Bedeutet: Auch ein Bau der Bahnstromleitung im Schutzstreifen des OBR wird schwierig.

Bündelung mit der Autobahn

Weiden in der Oberpfalz

Wie die neue Bahnstromtrasse genau verlaufen soll, steht noch längst nicht fest. Der entsprechende Leitungsentwurf ist unter www.bahnausbau-nordostbayern.de einzusehen.

Vorstellung des Projekts mit hochrangigen Bahnvertretern

Schwandorf
Infos zum Bahnstrom:

Video-Schalte zur Bahn

Die Bahn wendet sich - wegen der Corona-Einschränkungen – mit Online-Infoterminen an die Öffentlichkeit und will so nicht nur Fragen beantworten, sondern auch Anregungen mitnehmen. Für den Landkreis sind zwei Termine besonders interessant: Am Dienstag, 23. Juni, ist der Ausbau samt Bahnstromtrasse zwischen Irrenlohe und Amberg Thema, am Dienstag, 30. Juni, dann die Verbindung Wernberg-Schwandorf. Die Online-Termine beginnen jeweils um 18 Uhr. Die Links zu den Plattformen sind unter www.bahnausbau-nordostbayern/infotermine zu finden. Die Videos sind auch noch nach den Terminen online, Fragen außerthalb der Termine können an bahnausbau-nordostbayern[at]deutschebahn[dot]com gesendet werden.

Die Bahnstrecke Hof-Schwandorf-Regensburg (hier bei Schwandorf) soll elektrifiziert werden. Dazu sind nicht nur Oberleitungen, sondern auch eine eigene Bahnstromtrasse notwendig.

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