06.11.2020 - 16:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bahnstromtrasse: Zeit für Vorschläge vorerst vorbei

Wo soll die Bahnstromtrasse verlaufen, die für die Elektrifizierung der Strecke Hof-Schwandorf-Regensburg nötig ist? Die Bahn nimmt Vorschläge der Region auf. So sie denn kommen.

Der Schwandorfer Bahnhof (Bild) wird sein Gesicht durch die Elektrifizierung erheblich ändern. Der Güterverkehr soll wachsen. Vorerst herrscht aber noch die Frage vor: Wie kommt der Strom zum Gleis?
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Das ist ein eindrucksvoller Beweis, dass online-Formate funktionieren", sagte DB-Gesamtprojektleiter Matthias Trykowski angesichts rund 3000 Teilnehmern bei Video-Angeboten. Bei einer Online-Pressekonferenz am Donnerstag versprach er, dass die eingegangenen Verbesserungsvorschläge für die Bahnstromtrasse nach einer Prüfung ins Raumordnungsverfahren eingehen werden. Beispiele dafür legte Achim Saßmannshausen vor, der bei der DB für Bahnstromleitungen zuständig ist.

Bis Ende des Jahres sollen die Vorschläge eingearbeitet sein und veröffentlicht werden. Beim Blick auf das Planungstool fällt auf: Im Kreis Amberg-Sulzbach wimmelt es nur so von Vorschlägen. Die Region sei auch "Schwerpunkt der Kritik" gewesen, sagte Trykowski. Er sieht das keineswegs negativ, sondern als Anregung. Letztlich hilft es auch den Planern, wenn Lösungen gefunden werden, die auf breites Verständnis der Betroffenen stoßen.

Entlang des OBR

Die Bürger und Kommunen im Landkreis Schwandorf scheinen mit dem Trassenvorschlag der DB weitgehend einverstanden. Rund um Schwandorf - wegen des ehemaligen Kraftwerksstandortes Start- und Zielpunkt zahlreicher Stromleitungen - sind nur wenige Vorschläge eingegangen. Einer lässt aufhorchen: Die Leitung soll auf einer freiwerdenden 110-kV-Leitung des Bayernwerks verlaufen. Die 110-kV-Kabel sollen künftig mit am Gestänge des Ostbayernrings (OBR) hängen. Im Stadtgebiet würden so Masten wegfallen - außer, die Bahn würde die Trasse nutzen. Sonstige Vorschläge? Fehlanzeige.

In Irrenlohe soll ein "Unterwerk" für die Einspeisung in die Oberleitung sorgen. Von dort Richtung Norden folgt die Bahnstromtrasse dem OBR. Saßmannshausen bestätigte bei der Pressekonferenz aber, dass die Bündelung mit dem OBR schwierig sei. Einerseits steht der OBR schon in der Planfeststellung. Die Mitnahme auf dessen Gestänge scheint ausgeschlossen, weil sich Masthöhen erheblich ändern würden. Ein Parallelverlauf im OBR-Schutzstreifen birgt auch Probleme: Dort sieht OBR-Bauherr Tennet zahlreiche Kompensationsmaßnahmen vor. Man sei in Verhandlungen, sagte Saßmannshausen.

Externes Gutachten

Vorschläge, die eine Bündelung der Leitung mit der Bahntrasse oder Straßen vorsehen, gingen anscheinend während der Dialogphase nicht ein. Anders im Kreis Amberg-Sulzbach: Dort sind viele Alternativen vorgelegt worden. Die Chance zu Vorschlägen ist aktuell vorbei. Die Bahn will die eingereichten Alternativen jetzt einarbeiten.

Um sich keinen Vorwürfen auszusetzen, soll außerdem ein externes Gutachten folgen, das mögliche Alternativen abklopft - wie Erdverkabelung oder die Versorgung aus dem bestehende Netz. Die genauen Fragestellungen sollen mit der regionalen Politik abgestimmt werden, kündigte Trykowski an.

Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg über Schwandorf ist seit Jahrzehnten politischer Wille, ebenso für die Strecke Nürnberg-Furth. Dazu muss Strom ans Gleis. Die Bahn betreibt aus technischen Gründen ein eigenes Netz. In der Region soll eine Leitung Wiesau über Irrenlohe mit Obertraubling verbinden, eine zweite Irrenlohe über Amberg Richtung Nürnberg führen. Ein Abzweig führt von Hohenstadt (Kreis Nürnberger Land) bis Schnabelweid (Kreis Bayreuth).

Bahn geht auf Alternativen ein

Schwandorf
Kommentar:

Die Nachbarn zeigen, wie's geht

Sind es die Menschen im Naabtal müde, über Stromtrassen zu diskutieren? Der Eindruck drängt sich beim Blick auf die Bahnstromtrasse auf. Während im Kreis Amberg Initiativen und Protest dazu führen, dass die Bahn Alternativen in ihre Pläne aufnimmt, herrscht im Kreis Schwandorf weitgehend Schweigen.
Beim Blick auf den Trassenvorschlag verwundert das. Während etwa für den Ersatzneubau des Ostbayernrings vehement Erdverkabelung gefordert wurde, ist davon hier nichts zu hören. In Amberg gingen zig Verbesserungsvorschläge ein. Im Planungstool der Bahn herrscht dagegen im Kreis Schwandorf weitgehende Leere. An der oft gescholtenen DB liegt's nicht. Möglichkeiten wurden geboten - Online und vor Ort. Darauf kann sich niemand herausreden, wenn es im Raumordnungsverfahren ein böses Erwachen gibt. Kritik wirkt. Das haben die Nachbarn vorgemacht.

Von Clemens Hösamer

 

 

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