05.11.2020 - 16:37 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Bahnstromtrassen: Konstruktive Kritik zeigt Wirkung

Dialog heißt auch Kritik: Die Planer der Bahnstromtrassen der Deutschen Bahn wollen Anregungen aus der Region aufnehmen. Vor allem Bürger und Kommunen im Landkreis Amberg-Sulzbach sind aktiv - mit ersten Ergebnissen.

Die Bahn verspricht, ins Raumordnungsverfahren für ihre Stromtrassen auch die Vorschläge aus der Region einbringen. Für den Abschnitt zwischen Sulzbach-Rosenberg und Amberg etwa sind das die Bündelung mit der Bahnstrecke (blau) oder mit Bundesstraßen (violett).
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Auch wenn Corona Präsenzveranstaltungen fast unmöglich machte: Die Pläne für Bahnstromtrassen in der Region haben Protest nach sich gezogen. Die Kritik werde die Bahn in ihre weiteren Schritte einfließen lassen, versprach Matthias Trykowski, Gesamtprojektleiter für den Bahnausbau in Nordostbayern, bei einem Online-Pressegespräch am Donnerstag.

Sein Eindruck vom Dialogverfahren: Die Region stehe hinter der Elektrifizierung der Bahnstrecken Nürnberg-Amberg-Schwandorf und Hof-Weiden-Schwandorf-Regensburg. Gleichwohl wurde Kritik laut, an den Leitungstrassen, die zur Stromversorgung nötig sind. Die Bahn betreibt aus technischen Gründen ein eigenes Netz. Rund 3000 Zuschauer zählte die Bahn bei Online-Infoterminen, beantwortete rund 1500 Fragen. "Eine Resonanz, die wir analog wohl nicht erreicht hätten", sagte Trykowski. Rund 150 Planungshinweise hat die Bahn bisher registriert. "Alles, was denkbar und technisch möglich ist, wird in die Planung mit aufgenommen", sagte der Projektleiter. "Der Schwerpunkt der Kritik lag im Landkreis Amberg-Sulzbach."

Erste konstruktive Ideen hat die Bahn bereits in ihre Pläne eingearbeitet, die für das Raumordnungsverfahren (ROV) nötig sind. So etwa eine Leitungsvariante im Kreis Amberg-Sulzbach, die Bundesstraßen folgt, statt freie Flächen zu durchschneiden. Das erläuterte der Leiter Bahnstromleitungen der DB Energie, Achim Saßmannshausen. Parallel zur eigenen Expertise gibt die Bahn eine unabhängige Untersuchung bei externen Fachleuten in Auftrag. Sie soll klären, ob es Alternativen gibt: Etwa die Versorgung über das bestehende Hochspannungsnetz oder die Erdverkabelung. Die Inhalte und die Auswahl des Gutachters sollen mit der regionalen Politik abgestimmt werden, sagte Saßmannshausen. Die Bahn will so auch der Kritik den Wind aus den Segeln nehmen, dass nicht alle Alternativen geprüft würden. Die Kosten für die Bahnstromtrasse werden auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Bis Ende des Jahres sollen die Hinweise abgearbeitet sein. "Die optimierten Trassenvorschläge werden veröffentlicht", so Trykowski. Anfang 2021 will die Bahn das Raumordnungsverfahren (ROV) einleiten. Das Gutachten werde bis dahin nicht fertig sein, schätzte Saßmannshausen, solle aber ins laufende Verfahren eingebracht werden. Das ROV schafft noch kein Baurecht. Dazu ist eine Planfeststellung nötig.

Die Pläne und die Kritik daran im Überblick

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