Josef Irlbacher Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) braucht sich bloß auf seinem Betrieb in Grubhof (Stadt Nabburg) umzuschauen. Hinter Stall und Stadel liegen nur etwa halb so viele Siloballen als normalerweise um diese Zeit üblich. Auch die Kartoffel- und Heulager haben sich sichtlich geleert. Den Viehbestand hat Irlbacher um 20 Prozent verkleinert, vor allem "das Jungvieh, das ich nicht zur Nachzucht brauche. Wer Milchkuhhaltung betreibt, für den ist die Milch eine wichtige Einnahmequelle, deshalb wird er die Milchkühe nicht reduzieren".
Er selbst habe eine Milchkuh, die nicht mehr die Leistung gebracht habe, früher weggegeben als geplant. Im Oktober, November und Dezember habe es leere Plätze im Stall gegeben. Jetzt sei er dabei, den Bestand aufzubauen, in der Hoffnung, dass es wieder mehr Futter gibt. Es heuer besser wird. Allerdings: "Die Angst ist im Hinterkopf da, dass es wieder trocken ist. Bei mir ist es so, dass es reichen wird". Irlbacher meint das Futter. Generell sorgen Landwirte vor und legen Vorräte an, um ein schlechtes Jahr abzufangen. "Es ist aber auch schon Futter zugekauft worden", weiß der Kreisobmann. Zwei oder drei Wochen könnte es zum Winterende hin durchaus eng werden. Das hänge vom kommenden Frühjahr ab. Mitte April seien frühe Gräser da, im südlichen Landkreis oder in Schwandorf. Sie haben laut Irlbacher 14 Tage Vorsprung. "Hier wird es Mai bis vernünftig frisch gefüttert werden kann."
Doch nicht nur die Futteranbauer haben zu leiden, auch die Kartoffelbauern. In diesem Fall ist Josef Irlbacher über die Anbau- und Lieferverträge mit Burgis oder Lorenz Snack World froh. "Wenn der Anbau nicht soviel bringt, haben wir nicht das Problem des Deckungskaufes". Das heißt, sie müssen nicht Früchte einkaufen, um die Verträge zu erfüllen. Irlbacher geht von rund 20 Prozent weniger Ertrag aus. Alles, was weniger geliefert werde, fehle aber letztendlich im Geldbeutel des Landwirts. Die Preise für Kartoffel seien derzeit hoch wie nie. An der Börse habe der Doppelzentner die magische Zahl von 30 Euro überschritten. "Das zeigt, dass die Ware knapp ist." Beim Getreide seien die Preise nicht explodiert. Hier wird anders als bei Kartoffeln global gedacht. Der internationale Markt gleicht schlechte Ernten in Deutschland aus. Bei Kartoffeln sei der Marktpreis auf Europa bezogen. Ist zum Beispiel der Futterknappheit geschuldet mehr Schlachtvieh auf dem Markt, sinken die Preise für den Erzeuger. Es habe zwei Mal Verluste. "Im Großen und Ganzen", fasst Irlbacher zusammen, "werden wir das Jahr überstehen. Es wird nicht das Aus für Betriebe bedeuten". Noch ein solches Jahr gehe aber reichlich an die Substanz.
Die Angst ist im Hinterkopf da, dass es wieder trocken ist.
Bauern nicht die Alleinschuldigen
Aktuell treibt den BBV-Kreisobmann das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ um, wobei er den Insekten-Rückgang nicht leugnen will. Im Gegenteil: Er findet es positiv, dass das Augenmerk auf Artenvielfalt gelegt wird. Seine Kritik konzentriert sich darauf, die Landwirtschaft zum Alleinverantwortlichen für den Rückgang abzustempeln und den Normalbürger zu entlasten. Es gebe mehrere Einflüsse, wie etwa Verkehr, Flächenverbrauch, Stein- oder Schottergärten. Der Klimawandel spielt sicher auch mit eine Rolle.“ Irlbacher nimmt den trockenen Sommer 2018 als ein Beispiel. Stechmücken bräuchten Feuchtigkeit, diese hätten sie im vergangenen Sommer nicht gehabt. Keiner habe die Mücken wirklich vermisst, als Nahrung seien sie dennoch vonnöten. Dagegen seien Stinkwanzen wieder auf dem Vormarsch. Vielleicht wegen des für sie günstigeren Klimas. Es wisse es nicht genau, aber sie seien mehr geworden.(ihl)













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