08.09.2020 - 18:29 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bauernverband befürchtet Energiewende ohne Konzept

Der Bayerische Bauernverband fordert eine koordinierte Vorgehensweise bei der Planung von Stromleitungen. Der Kreisvorstand sieht die Interessen der Land- und Forstwirtschaft gefährdet.

von Externer BeitragProfil

In der Sitzung der BBV-Kreisvorstandschaft Schwandorf im Tierzuchtzentrum Schwandorf wurde kritisiert, dass die Projekte für neue Energieleitungen in der Region bisher isoliert betrachtet und entwickelt wurden. Die Vorstandsmitglieder zeigten sich überrascht, dass in laufender Folge immer neue Projekte präsentiert werden. So wurde erst kürzlich bekannt, dass nun auch das Bayernwerk ihr Leitungsnetz ertüchtigen oder einzelne Leitungstrassen neu erstellen möchte. "Es hat den Anschein, als ob einzelne Maßnahmenträger ihre Planungen isoliert von anderen Vorhaben vorantreiben", meinte Kreisobmann Josef Irlbacher (Nabburg) und mahnte eine koordinierte Vorgehensweise an. Es müsse ein intensiver Austausch stattfinden, wo neue Leitungen auf bestehenden oder noch zu errichtenden Masten von anderen Netzbetreibern mitgenommen werden können, so Irlbacher. Als Beispiel nannte er die geplante Bahnstromtrasse und den vorgesehenen Ersatz der Hochspannungsleitung des Bayernwerks von Schwandorf nach Amberg.

Grundsätzlich sei die Frage zu stellen, ob eine geplante Leitung überhaupt notwendig ist und ob sich Alternativlösungen anbieten. Auf jeden Fall müsse von unabhängiger und neutraler Stelle geprüft werden, ob der Bahnstrom aus dem öffentlichen Netz bezogen werden könne, fügte Kreisobmann Irlbacher an. Einer Bündelung des Ostbayernrings im Schwandorfer Westen - sei es als Hochspannungsleitung oder Erdkabel - wurde eine klare Absage erteilt, da im erheblichen Umfang zusätzliche Eingriffe in land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche erfolgen würden. In Verbindung mit bestehenden Energieversorgungsleitungen und weiteren leitungsgebundenen Vorhaben würde in diesem Bereich die Bündelungsvorgabe völlig überzogen.

Artikel zum geplanten Netzausbau des Bayernwerks

Schwandorf

Die Mitglieder der BBV-Kreisvorstandschaft waren sich einig, dass der Bundesgesetzgeber klare Vorgaben machen muss, damit die Maßnahmenträger ihre Projekte zukünftig besser koordinieren und planerisch gemeinsam weiterentwickeln können. Trotz des Zeitdrucks sei unbedingt zu gewährleisten, dass die Rechte von betroffenen Bürgern, Landwirten und Grundstückseigentümern gewahrt bleiben. Angesichts des neuen Plansicherstellungsgesetzes und weiterer Beschleunigungsgesetze bestehe die Gefahr, dass berechtigte Anliegen unter die Räder kommen.

Im Weiteren setzte sich die BBV-Kreisvorstandschaft mit der zwischenzeitlich ausufernden Entwicklung von Solarparks auseinander. Die Errichtung von großen Freiflächenanlagen auf Äckern und Wiesen mit guter Bonität entziehe landwirtschaftlichen Betrieben zunehmend die Erwerbsgrundlage. Die Vorstandschaft spricht sich für die Errichtung von Photovoltaikanlagen in erster Linie auf vorhandenen Dächern aus. "Hier gibt es noch Potenzial", bemerkte Kreisobmann Irlbacher und appellierte an die Politik, eine Sonderinitiative für Dachanlagen in Bayern auf dem Weg zu bringen. PV-Freiflächenanlagen sollten vorrangig auf Flächen mit Bewirtschaftungsauflagen, Grenzstandorten oder Ausgleichsflächen realisiert werden. Um einen sinnvollen Beitrag zur Energiewende leisten zu können sei eine Anpassung der Vergütungsstruktur notwendig. Dies fördere auch die Akzeptanz dieser Anlagen.

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