31.08.2020 - 16:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bayernwerk plant: Neue Leitung von Schwandorf nach Amberg

Ostbayernring, Süd-Ost-Link, Bahn-Elektrifizierung: Pläne für Stromtrassen sorgen im Landkreis Schwandorf für Spannungen zwischen Kommunen, Bürgern und Netzbetreibern. Jetzt meldet auch das Bayernwerk Bedarf.

Im Naabtal konzentrieren sich zahlreiche Stromtrassen, wie hier nahe des Umspannwerks Dachelhofen. Das Bayernwerk will in den kommenden Teile seines Hochspannungsnetzes erneuern und Kapazitäten erhöhen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose. Wie er dort hinkommt, haben viele Landkreisbewohner täglich vor Augen: Viele Höchst- und Hochspannungstrassen laufen durch die Region, besonders das Naabtal. Mit dem Ersatzneubau des Ostbayernrings, den Plänen für das Süd-Ost-Link (SOL) und die Energieversorgung für die Bahn kommen Trassen hinzu oder werden ersetzt, begleitet von Protest von Kommunen und Anliegern. Jetzt meldet auch das Bayernwerk Bedarf: Das Unternehmen hat seinen Netzausbauplan für Bayern vorgelegt, und einige Projekte betreffen wieder die Region.

"Wir sind aufgefordert, diesen Plan jährlich vorzulegen", erläutert Christian Martens, stellvertretender Pressesprecher des Konzerns, im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien. Das schreibt der Gesetzgeber vor. Der Ausbauplan listet Projekte für die kommenden zehn Jahre auf - mit unterschiedlichen Prioritäten.

Neue Leiterseile

Den Landkreis betrifft eines, das schon unter "konkrete Planungen" fällt: Die Trasse zwischen dem Umspannwerk (UW) Oberviechtach und dem UW Rötz soll ertüchtigt werden. Die neuen Seile können bei einer Leiter-Temperatur bis 80 Grad betrieben werden - das ermöglicht eine höhere Kapazität. "Es kann sein, dass auch der ein oder andere Mast höher werden muss", so Martens. Grund: Werden die Seile wärmer, hängen sie tiefer durch, und der Abstand zum Boden muss aber gewahrt bleiben.

Weitere fünf Projekte im Landkreis, die das Bayernwerk im Netzausbauplan veröffentlich hat, fallen in die Kategorie "Vorgesehene Maßnahmen". Sie sind weniger hoch priorisiert, stehen erst in der zweiten Hälfte des zehn-Jahres-Zeitraums an, den der NAP umfasst. Die folgenden Maßnahmen betreffen 110-kV-Hochspannungsleitungen in der Region.

  • Ersatzneubau Leitung UW Schwandorf - UW Amberg: Das ist das teuerste Projekt, das den Landkreis Schwandorf tangiert. Die bestehende Leitung soll durch eine neue ersetzt werden. "Ob dies ein Neubau auf der gleichen Trasse oder auf einer neuen Trasse wird oder sich die Bündelung mit einer bestehenden Leitung anbietet, werden die künftigen Detailuntersuchungen zeigen", teilte Martens auf Nachfrage mit. Mit dem Ergebnis der Detailuntersuchung werde auch die Frage den Maststandorten konkret. Bislang sei dem Planungsstand entsprechend keine Entscheidung getroffen, ob Maststandorte unverändert bleiben oder sich Maste an neuen Standorten finden werden und sich damit auch der Trassenverlauf ändert. Taxiert ist das Projekt mit Kosten von 11,5 Millionen Euro. Der Ersatzneubau ist das zweite Projekt Richtung Westen, von Schwandorf aus gesehen: Die Deutsche Bahn plant ebenfalls eine Leitung Richtung Amberg.

  • 46: Leitung UW Schwarzenfeld-UW Rötz. Auf dieserV Trasse ist eine TAL-Beseilung vorgesehen. "Die Abkürzung TAL steht für ein Hochtemperaturleiterseil aus temperaturbeständigem Aluminium", erläuterte Martens. Das Seil könne mit einer Betriebstemperatur von maximal 150 Grad eingesetzt werden. "Üblicherweise sind Leiterseile mit einer Höchsttemperatur von 80 Grad im Einsatz." Durch den Wechsel der Leiterseile steige die Übertragungsfähigkeit zur Versorgung von Kunden, aber auch zur besseren Integration und Verteilung erneuerbarer Energien, um etwa 50 Prozent. Details für diese Maßnahme lägen noch nicht vor, da die Beseilung als „vorgesehen“ kategorisiert ist, so Martens. Die Kosten des Projekts sind mit 4,7 Millionen Euro taxiert.
  • Ersatz der Leitung UW Regensburg - UW Schwandorf auf anderer Trasse, zusätzlicher 110-kV-Stromkreises zwischen UW Regensburg und UW Schwandorf sowie Neuanschluss des UW Ponholz: Diese Leitung schlängelt sich bislang durch das Naabtal, vom Umspannwerk Schwandorf nahe des ehemaligen Bayernwerks Richtung Süden eng an Teublitz vorbei und durch Maxhütte-Haidhof Richtung Regensburg. Die neue Trasse knickt nördlich von Teublitz nach Osten, überquert die Autobahn A 93, führt Richtung Süden an Maxhütte vorbei und stößt nördlich Diesenbach wieder auf die bestehende Trasse. Auf der bestehenden Gemeinschaftsleitung mit TenneT (220 kV und 110 kV Bayernwerk) soll laut Martens ein weiteres Leitungssystem aufgelegt, also mitgenommen werden. Dabei werde die bestehende Trasse genutzt. Das Projekt 229 sieht dann den Abbau der bestehenden Leitung vor. Auch hier liegt laut Martens noch keine detaillierte Planung vor. Eine grobe Kostenschätzung geht von einem Aufwand von 3,7 Millionen Euro für beide Projekte aus.
  • HS-Kopensationsspule für das UW Schwandorf. Kompensationsspulen gleichen Blindleistung im Stromnetz aus und gehören zur Ausstattung von Umspannwerken. Sie gleichen riesigen Trafos. "Die können schon mal 120 Tonnen wiegen", erläuterte Martens. Die Kosten sind auf knapp zwei Millionen Euro taxiert.

Welche der Maßnahmen nun konkret umgesetzt werden, lässt sich laut Martens nicht sagen. Priosrisierungen ändern sich nach seinen Worten immer wieder, das ein oder andere Projekt erweise sich vielleicht sogar als überflüssig. "Es kommen immer wieder Projekte raus, andere dazu", sagte Martens. Allein dieses Jahr wurden 34 Maßnahmen neu aufgenommen. Insgesamt sind in dem Netzausbauplan für Bayern rund 150 Maßnahmen aufgeführt.

Bayernwerk veröffentlicht Ausbaupläne

Amberg

Die Energieversorgung im Lande ist stark im Wandel. Die jährlich vorzulegenden Netzausbaupläne umfassen die Projekte, die in den kommenden zehn Jahren nötig sind, um mögliche Engpässe zu verhindern. Aufgeführt sind deshalb auch nur Maßnahmen, die mit einer Kapazitätserhöhung verbunden sind. Nötige Sanierungen von Leitungen oder Umspannwerken sind nicht aufgeführt.

In seinen Prognosen geht das Bayernwerk von einem leicht steigenden Strombedarf aus. Und davon, dass bis 2030 etwa 15 Prozent des Pkw-Bestandes elektrisch betrieben wird. Langfristig geht das Unternehmen davon aus, dass maximal 60 Prozent des Pkw-Bestandes elektrisch betrieben werden. Zum Vergleich: Anfang 2020 wurden laut Kraftfahrtbundesamt 0,27 Prozent der in der Oberpfalz gemeldeten 730 584 Autos rein elektrisch betrieben. Auch der Zubau von erneuerbaren Energien ist in den Prognosen berücksichtigt. Über alle Pläne hinweg gilt das "Nova-Prinzip": Netzoptimierung vor Netzverstärkung vor Netzausbau. Die Verwendung von Hochtemperatur-Leiterseilen (TAL), wie zwischen Schwarzenfeld und Rötz vorgesehen, sind als Netzverstärkung einzustufen.

"Kompliziertes Eck"

"Das ist ein kompliziertes Eck", sagte Martens zu den zahlreichen Planungen von Stromtrassen in der Region. Auch das Bayernwerk kennt die Planungen der weiteren Netzbetreiber. Entsprechend komplex, so Martens, seien dann die Detailplanungen. Die Bayernwerk Netz GmbH versorgt rund 5 Millionen Menschen in Bayern mit elektrischer Energie. Das Stromnetz des Unternehmens hat eine Länge von etwa 156000 Kilometern. 9100 Kilometer davon sind Hochspannungsleitungen. An das Netz sind nach eigenen Angaben des Unternehmens etwa 296000 regenerative Erzeugungsanlagen angeschlossen.

Der Netzausbauplan für ganz Bayern

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