08.02.2019 - 16:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Befehl und Gehorsam im Dialekt

Bekanntermaßen hatte der Bereich der Erziehung und die daraus resultierenden Maßnahmen früher eine weitaus „rustikalere“ Prägung, als dies heute im Zeitalter der „Kuschelpädagogik“ der Fall ist. Dies spiegelte sich in der Wortwahl wider.

Welche ist nun die „schejnere Hent“, die rechte oder die linke?
von Autor SLUProfil

Die prägnante Befehlsform gehörte zum selbstverständlichen Repertoire der Erziehungsberechtigten. Lange Diskussionen zwischen Eltern und Kindern oder gar zwischen Lehrern und Schülern waren nicht an der Tagesordnung; was kurz und knapp angeordnet wurde, musste auch entsprechend umgesetzt werden. Daraus ergaben sich stereotype Formulierungen, die je nach Sachverhalt modifiziert wurden. Das folgende Beispiel möge dies illustrieren: „Dou fẽi schej ben!“ Man hat Mühe, dafür eine adäquate standardsprachliche Entsprechung zu finden. Inhaltlich mag dies mit folgendem Satz gelingen: „Dass du ja so betest, wie es sich gehört!“ Unter dem Aspekt der Ausdrucksweise klingt er jedoch äußerst hölzern und sperrig. Im Dialekt dagegen wird sofort unmissverständlich das wiedergegeben, was der Sprecher beabsichtigt: „Dou“ zeigt den Befehl an, und bei „fẽi“ handelt es sich – sprachwissenschaftlich gesprochen – um eine so genannte Modalpartikel, die eine gewisse Erwartungshaltung des Sprechers impliziert. Im vorliegenden Fall liegt die Absicht in der Betonung des Absoluten: „so gut wie möglich“.

Nicht minder interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Verwendung des Wortes „schej (= schön)“ als Umstandswort und Eigenschaftswort. Es taucht im Dialekt immer dann auf, wenn die Korrektheit bzw. Richtigkeit von etwas betont werden soll. „Dou fẽi schej ben.“ beinhaltet die Erwartung, dass das Kind beim Beten die Hände faltet und keinen Unfug macht. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze, wenn der Mundart sprechende Elternteil zu seinem Sprössling sagt: „Dou fẽi schej ren.“ und damit die Schriftsprache meint, die er selber möglicherweise auch nicht gerade perfekt beherrscht.

Einer für ihn sehr speziellen Situation sah sich so mancher Linkshänder bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts in der Schule ausgesetzt, wenn er mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, er schreibe mit der falschen Hand, indem ihm sein Lehrer bedeutete: „Dou fẽi mid da schejna Hent schreim.“, womit natürlich die rechte gemeint war.

Die Zeiten ändern sich, und heutzutage findet es niemand mehr „anstößig“, wenn ein Kind mit der linken Hand schreibt. Außerdem spielt es in den Zeiten von Handy und Smartphone keine Rolle, mit welchem Daumen banale „messages“ verschickt werden. Sehr wohl aber hat die Unterscheidung zwischen links und rechts noch ihre Gültigkeit bei der Begrüßung per Handschlag. Deshalb hat die Aufforderung der Mutter an ihr Kind, das seinem Gegenüber die linke Hand zum Gruß hinstreckt, nach wie vor ihre Berechtigung: „Dou ’s schejne Hanterl hergemm!“

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