10.07.2019 - 16:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Berufliches Berufsschulzentrum Oskar-von-Miller Schwandorf: Hans Söllner spielt vor Schülern

Alle guten Dinge sind drei: Hans Söllner gastiert nach 2006 und 2009 erneut am Beruflichen Schulzentrum in Schwandorf. Er präsentiert sich dabei immer noch rebellisch, aber deutlich ruhiger und melancholischer als zu früheren Zeiten.

Lange Haare und Vollbart trägt Hans Söllner noch immer. Auf der Bühne ist der bayerische Rebell etwas ruhiger geworden, wenngleich er nichts von seiner emotionalen Wucht verloren hat.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Hans Söllner braucht nicht viel, um Rebell zu sein. Um genau zu sein eigentlich nur seine Gitarre und ein Mikrofon. Am Mittwochvormittag schlendert der mittlerweile 63-jährige Söllnerhanse in der Aula des Beruflichen Schulzentrums Oskar-von-Miller lässig auf die Bühne und beweist, dass er noch immer nichts von seiner emotionalen Wucht verloren hat. Der Liedermacher ist dank des 2005 erworbenen Titels "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" Pate des Schulzentrums.

Das Lied "Rasenmäher" teasert der Musiker noch genauso an, wie es auf der 1983 erschienenen Platte "Nachdenkliches zum Schmunzeln - Endlich eine Arbeit" zu hören ist. Mit "Mir san no so richtige Bayern" haut der Söllner zum Schluss einen seiner Klassiker raus. Dazwischen spielt er viele melancholische Stücke. Oft schließt er seine Augen und rückt ganz nah ans Mikrofon. Hans Söllner singt mit viel Gefühl.

Proppenvolle Aula

Verbal teilt er nicht so kräftig aus, wie er es bei früheren Auftritten gemacht hat. Dass in Söllner immer noch ein Rebell steckt, beweisen die langen Haare und der Vollbart. So ganz will der Funke auf das junge Publikum am Mittwoch aber nicht überspringen. Die Aula ist zwar proppenvoll. Aber während einige Lehrer frenetisch nach den Stücken applaudieren, sind die Schüler eher höflich-zurückhaltend. Söllner spricht von einem "ruhigen Publikum".

Bei vielen der Jugendlichen ist der Söllnerhanse nicht mehr so bekannt, wie es noch vor einem Jahrzehnt bei seinen beiden anderen Auftritten in der Berufsschule war (siehe Infokasten). Das liegt wohl auch daran, weil es in den vergangenen Jahren recht ruhig um den Liedermacher geworden ist. Erst im vergangenen Oktober meldete sich der 63-Jährige mit dem Album "Genug" zurück.

Selbst wenn Hans Söllner heute leisere Töne anschlägt, auch mit 63 Jahren macht er noch das Maul auf, wie er es wohl selbst formulieren würde. Ob nun in Form einer witzigen Anekdote: "Meine Tochter hat das Klassenziel nicht erreicht - ich habe ihr gesagt, dann bleibst du ein Jahr zu Hause und gehst danach gleich in die siebte Klasse. Die Sechste erreichst du ja eh wieder nicht." Oder aber wenn er gegen die Genitalverstümmelung im Sudan, Rassismus oder Ungerechtigkeit ansingt. Seine Texte lassen sich aber längst nicht auf markige Sprüche reduzieren. Das zeigt ein Lied, in dem er das Tanzen preist und singt: "Des is wie küssen unterm Nussbaum." Hans Söllner ist nicht nur Rebell, sondern auch Mundart-Poet.

Demokratie-Beauftragter Günter Kohl im Interview

Autogramme und Selfies

Das junge Publikum erreicht er bei seinem Auftritt in Schwandorf schließlich doch noch. Als er über die Flüchtlingskrise spricht, lobt er sogar die Bundeskanzlerin für ihren Satz "Wir schaffen das", der 2015 hohe Wellen schlug. Auch Söllner forderte die Schüler auf, gemeinsam die Herausforderungen der Jetztzeit wie Umweltschutz und Flüchtlingswellen anzugehen. "Es gibt definitiv nur eine Welt, und nicht einen Staat oder ein Land." Bei den Jugendlichen brandet Applaus auf. Mehrere Dutzend Schüler bitten den Söllnerhanse nach seinem Auftritt um Autogramme und Selfies. Die Wünsche gewährt der Rebell geduldig, bevor er wieder lässig davonzieht.

Schulpate Hans Söllner:

Hans Söllner ist auf die Einladung der beiden Respekt-Coaches des Jugendmigrationsdienstes, Uschi Maxim und Sylvia Sollfank, sowie des Demokratie-Beauftragten und Berufsschul-Lehrers Günter Kohl, der sich seit vielen Jahren gegen Rassismus und für Toleranz einsetzt, nach Schwandorf gekommen. Der Liedermacher ist nicht zum ersten Mal am Berufsschulzentrum. Nachdem es den Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ 2005 als zweite Schule in der Oberpfalz erworben hat, wählten die Schüler Hans Söllner als Paten. Ein Jahr später und noch einmal 2009 trat Liedermacher in Schwandorf auf.

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