12.09.2018 - 19:56 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bewährung für Spionage

Der Fall ist hoch angesiedelt. Die für Cyberkriminalität in Nordbayern zuständige Generalstaatsanwaltschaft Bamberg bringt das Verfahren in Gang, Fahnder des Bundes- und Landeskriminalamts ermitteln. Wegen "Flexispy".

Justiz
von Autor HOUProfil

"Flexispy" ist eine Überwachungs-Software, die die Behörden seit 2015 beschäftigt. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden bekam Wind von Leuten, die sich aus dem Internet Programme bestellt hatten, mit denen man die Informationsherrschaft über die Smartphones anderer Personen herstellen konnte - ohne, dass die es merkten.

Spysoftware eingesetzt

Eine tückische Angelegenheit zum Vorteil von Spannern und Spähern auf niedrigem Niveau. Einer von ihnen wohnte damals bei Schwandorf und inzwischen in Franken. Der 49-Jährige hatte drei solcher Software-Pakete geordert. Als Fahnder des Landeskriminalamts (LKA) seine Wohnung durchsuchten, wurde deutlich: Zwei der Programme waren unbenutzt. Das dritte jedoch war auf dem Handy einer Frau installiert worden, die dem Mann beruflich unterstand. Ob die Daten der Frau tatsächlich von dem vor Gericht sehr schweigsamen Mann abgerufen und verwendet wurden, ließ sich nun in einem seit Juni vor dem Amtsgericht Schwandorf laufenden Prozess nicht schlüssig nachweisen.

In seiner Bewertung des Tatkomplexes, zu dessen Aufhellung mehrere Sachverständige beitrugen, war Richter Hans-Christopher Theißen aber überzeugt davon: "Es handelte sich um klassische Trojaner." Illegale Überwachungs-Softwares also und rechtswidrig. Die Frage, wie solche Programme in den Handel gelangen können, blieb unbeantwortet. Zumal es kaum eine legale Anwendungsmöglichkeit gibt. Für "Flexispy" wird bis heute geworben.

Sexuelle Nötigung

Der 49-Jährige bekam acht Monate Haft mit Bewährung und 2000 Euro Geldauflage. Integriert in dieses wegen der Vorbereitung des Ausspähens von Daten ergangene Urteil ist allerdings ein zweiter Anklagepunkt. Der Mann hatte im Internet-Chat eine 13 Jahre alte Österreicherin sexuell bedrängt. Da sich das Mädchen weigerte, als Zeugin nach Schwandorf zu kommen, wurde es protokollarisch von einem Richter in der Alpenrepublik vernommen. Dabei belastete es den Angeklagten schwer.

Der Vorgang "Flexispy", so scheint es, könnte vor dem Amberger Landgericht eine Neuauflage erleben. Darauf deutet hin, dass der Anwalt des 49-Jährigen auf ein Plädoyer verzichtete. Vergleichbare Urteile gegen andere Nutzer dieses hinterhältigen Software-Tools gibt es offenbar bisher nicht.

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