09.08.2019 - 10:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bewährungsstrafe für „verbotene Liebe“

Es mag noch so einvernehmlich gewesen sein: Bei Sex mit Kindern kennt das Gesetz keine Gnade. Dennoch kommt ein 20-Jähriger noch glimpflich davon.

von Autor AHSProfil

Ein heute 22-jähriger Arbeitssuchender musste sich am Donnerstag vor dem Jugendschöffengericht Regensburg, das zugleich als Jugendschutzgericht fungierte, unter Vorsitz von Richterin Cornelia Braun verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen ihn Anklage wegen "schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes" erhoben.

Im Januar 2018 hatte das damals zwölf Jahre alte Mädchen den Angeklagten, den sie ein Vierteljahr vorher kennengelernt hatte, in Burglengenfeld auf seiner Bude in einer Wohngemeinschaft besucht. Es kam zum Austausch von Zärtlichkeit und schließlich landeten beide im Bett, wo es zum ungeschützten Geschlechtsverkehr kam. Der Vorfall blieb nicht lange ein Geheimnis der beiden, denn das Mädchen erzählte es in ihrem Bekanntenkreis herum. Als einer der jungen Freunde des Mädchens den Angeklagten darauf ansprach kam es zu einem Gerangel, bei dem der Freund der Zwölfjährigen eine Nasenbeinfraktur davon trug. Im anschließenden Prozess gegen den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung gab dieser als Zeuge sein Wissen um die Intimitäten des Angeklagten mit der Zwölfjährigen preis. Daraufhin erhob die Staatsanwaltschaft Anklage.

Zu viel Alkohol?

Vor dem Jugendgericht berief sich der Angeklagte auf einen Blackout, da er an diesem Tag viel Bier und Wodka getrunken habe. Er wollte aber nicht ausschließen, dass er mit dem Mädchen geschlafen habe. Er war der Meinung, dass sich das Mädchen in ihn verliebt hätte. Er aber habe ihr aber gesagt, "das geht nicht". Dann habe er über drei Ecken erfahren, dass sie ihm das Leben zur Hölle machen wolle. Auch habe er erst später ihr wahres Alter erfahren. Sie habe sich geschminkt und geraucht.

Das Mädchen erzählte als Zeugin, dass sie den Angeklagten im Herbst 2017 kennengelernt habe, danach habe man sich nahezu täglich getroffen. Die Initiative sei von ihr ausgegangen, da er ihr "gefallen" hat und sie gerne eine Beziehung mit ihm gehabt hätte. Schon damals habe sie ihm ihr wahres Alter genannt. Am besagten Tag hätten sie sich zunächst geküsst und dann gegenseitig ausgezogen. Beide hätten das so gewollt. "Danach war ich keine Jungfrau mehr". Zusammenfassend meinte das Mädchen: "Es ist halt passiert, was menschlich ist".

Von dem vom Angeklagten behaupteten Alkoholkonsum will sie nichts bemerkt haben. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete, dass der Angeklagte inzwischen mit einer zwei Jahre älteren Frau verlobt sei, die zwei Kinder im Alter von drei Jahren und drei Monaten mit in die Beziehung brachte. Schädliche Neigungen könne sie bei ihm nicht feststellen und sprach sich deshalb für die Verhängung eines Jugendarrestes aus.

Ungeschützter Verkehr

Der Staatsanwalt führte in seinem Schlussvortrag aus, dass das Mädchen zum Tatzeitpunkt weit entfernt von der Schutzgrenze gewesen sei. Erschwerend komme hinzu, dass der Geschlechtsverkehr ungeschützt war. Er hielt eine Jugendstrafe von zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, sowie 50 Stunden Sozialarbeit für angemessen. Verteidiger Tobias Töpfer verwies darauf, dass die Initiative von dem Mädchen ausging und es deshalb kein "Opfer" sei. Er stellte die Strafe in das Ermessen des Gerichts. Mit einer zur Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe von acht Monaten und der Auflage, 100 Stunden Sozialarbeit abzuleisten, blieb das Jugendschöffengericht nur knapp unter dem Antrag des Staatsanwalts.

In ihrer mündlichen Urteilsbegründung verwies die Gerichtsvorsitzende darauf, dass beim Angeklagten zwar keine schädliche Neigung festzustellen sei, aber bei der Schwere der Tat nur erzieherische Maßnahmen wie ein Arrest nicht mehr ausreiche.

Dabei hielt sie dem Angeklagten vor Augen, dass - wäre das Ganze zwei Monate später geschehen - er vor dem Erwachsenengericht gelandet wäre. Im Erwachsenenstrafrecht beträgt der Strafrahmen für sexuellen Missbrauch von Kindern zwei bis 15 Jahre Gefängnis.

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