11.02.2021 - 18:05 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bierbrauer zeigen sich tapfer in der Pandemie

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2020 war nicht das Jahr des Bieres. Durch fehlende Veranstaltungen müssen die Brauereien mit dem Verlust ihres Hauptgeschäfts zurechtkommen. Bisher schlagen sich die Brauer aus dem Landkreis Schwandorf wacker - und gehen ungewöhnliche Wege.

Der Bierkonsum ist 2020 wegen der Coronapandemie stark zurück gegangen.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Das Bier ist für den Bayern - respektive den Oberpfälzer - mehr als nur ein Hopfengetränk. Es ist ein Stück Tradition, Heimat und Lebensgefühl. So manchen wird es persönlich schmerzen, dass die Brauereien im Coronajahr 2020 mit Einbußen zu kämpfen haben. "Es war ein schwieriges Jahr", sagt Wolfgang Rasel, Chef der Schlossbrauerei Naabecker in Schwandorf. "Wir verzeichnen Umsatzrückgänge." Eine Prozentzahl will er nicht nennen, doch er betont: "Es gab einen Totalausfall bei den Festen, und der Fassbierabsatz für die Gastronomie ist weggefallen." Und darin liege auch das größte Problem, denn dass der Privatkonsum von Bier generell zurückgegangen sei, denkt Rasel nicht.

Die Feierabendhalbe im Garten oder auf dem Balkon fällt witterungsbedingt weg. Der Verkauf in Getränke- oder Supermärkten könne die Verluste nicht auffangen. "Was gut läuft, ist der Heimdienst. Der wird von den Kunden sehr geschätzt."

Vorsicht beim Bockbier

Der Februar und März sind eigentlich prädestiniert für Bockbierfeste. Das Bockbier erfordert eine Vorlaufzeit von drei bis vier Monaten, da es besonders lange reift. "Da waren wir vorsichtig. Wir haben nicht daran geglaubt, dass der Lockdown am 10. Januar vorbei ist", erzählt Rasel. Und das Gefühl hat sich bewahrheitet. Statt größerer Mengen in Fässern wurde das Bockbier für 2021 in geringen Mengen und nur in Flaschen abgefüllt. "Das Bockbier in Flaschen wird derzeit auch gerne getrunken", freut sich Rasel. Er stellt klar: "Ja, die Coronakrise trifft uns hart, aber es gibt Branchen, die es weitaus härter trifft." Für seinen 40-Mitarbeiter-Betrieb hat Rasel bereits vor längerem Kurzarbeit angemeldet, "mit dem Ziel durch die Krise zu kommen, ohne dass jemand seinen Arbeitsplatz verliert."

Optimistischer Brauereichef

Positiv blickt Brauereichef Marcus Jacob von der Brauerei Jacob in Bodenwöhr in die Zukunft: "Wir versuchen uns vorzustellen, dass es bald wieder aufwärts geht." Die Bier-Produktion sei sogar schon wieder etwas hochgefahren. Er betont aber auch, dass sein Betrieb 2020 "verheerende Rückgänge" im Umsatz zu verzeichnen habe - "wie vermutlich jede Brauerei", fügt er hinzu. Die Gründe sind die selben: der Verkaufsausfall bei Gastronomie und Fest-Veranstaltungen. Zur Brauerei gehört auch noch ein Gasthof. Damit gilt Jacobs Unternehmen als sogenannter Mischbetrieb und erhält keine für die Gastronomie vorgesehene Coronahilfe, wie er erzählt. Einnahmen generiert Jacob derzeit über verschiedene Verkaufszweige wie den Heimdienst, den Vertrieb über Getränkemärkte und den eigenen Fachhandel vor Ort. Ein Tropfen auf den heißen Stein sei das, aber besser als nichts, so der Brauereichef. "Wir schauen halt, dass wir gut über die Runden kommen." Auch er hat für seine circa 75 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet, so musste er niemanden entlassen.

Ideen verwirklicht

Auch für den 15-Mann-Betrieb des Brauhauses Nittenau ist "ein Haufen weggefallen", erzählt der Inhaber Sebastian Jakob. Er betont aber gleichzeitig, dass seine Brauerei "relativ gut" durch das Coronajahr 2020 gekommen sei. Nach circa zwei Monaten zu Beginn der Pandemie konnte die Kurzarbeit beendet werden und wieder voll produziert werden. "Es musste keiner gehen", freut sich Jakob. Normalerweise beliefert das Brauhaus auch große Feste und die Gastronomie, doch im vergangenen Jahr musste das Team sich etwas anderes einfallen lassen. Mittlerweile finden regelmäßig digitale Biertastings statt, bei denen bis zu sieben Sorten alkoholhaltigen und -freien Bieres per Post nach Hause verschickt werden. Dieses bestellt man bequem über den Online-Shop. Gemeinsam mit Biersommelier Sebastian Jakob können die Leute dann die Biersorten vom Sofa aus probieren und dabei noch Wissenswertes über die Herstellung und die Geschmacksrichtungen erfahren. Danach gibt es eine virtuelle Brauereiführung mit einer mobilen Kamera. Das Event, das einmal im Monat stattfindet, werde sehr gut angenommen, nicht nur von den Einheimischen, sondern auch von Bier-Fans aus ganz Deutschland. Ein Format, das Jakob über die Corona-Pandemie hinaus weiter führen möchte.

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Bierfux-App der Hit

Für Franz Vogl, Chef der Schlossbrauerei Fuchsberger bei Teunz, ist die Situation "nicht schön". "Doch wenn ich uns vergleiche, kommt eine Brauerei sicherlich besser durch das Jahr, als beispielsweise die Wirte oder Friseure", betont Vogl. Denn die Brauer könnten wenigstens durch den Verkauf ihren Betrieb am Laufen halten. Besonderer Beliebtheit erfreue sich der Heimdienst, den die Fuchsberger Brauerei bereits vor Corona weiter ausgebaut hat. Früher seien die Lieferanten von Haus zu Haus gefahren und haben verkauft, was sie eben dabei hatten. Jeder kann jetzt genau bestellen, was er gerne hätte. Bier, Radler, Limo, Spezi, Saft - das alles kann mit der hauseigenen "Bierfux-App" bestellt werden und wird vor die Haustür geliefert, das Leergut wird mitgenommen. Vogl erklärt die weiteren Funktionen: Zum Beispiel immer mittwochs wird ein bestimmtes Gebiet beliefert. Die App erinnert rechtzeitig daran, bis wann bestellt werden muss. Bis heute ist Vogl noch "mit einem blauen Auge" durch die Pandemie gekommen. In Kurzarbeit musste er seine 15 Vollzeitkräfte nicht schicken - im Gegenteil. Im September stellt er den dritten Auszubildenden ein. Wie das Jahr 2021 für das Bier wird, weiß Vogl nicht. "Ich kann mir ein normales Feuerwehrfest wie man's kennt mit Bierzelt und vielen Menschen heuer noch nicht vorstellen." So ein Fest lebe ja von der Geselligkeit, dass man sich zuprostet und mal was ins Ohr des Nebenmanns schreit, wenn die Musikkapelle zu laut ist. "Nicht gerade coronatauglich", wie Vogl zu bedenken gibt. Er ist dafür, lieber kleine Schritte zu machen, bevor man wieder einen Rückschlag erlebt. "Vielleicht beginnt man mit kleinen Gartenfesten, wie es sie früher gab", schlägt er vor. In die Zukunft blickt er optimistisch, auch wenn es noch etwas dauern kann. Er ist sich aber sicher: "G'essn und 'trunken wird immer."

"Ja, die Coronakrise trifft uns hart, aber es gibt Branchen, die es weitaus härter trifft."

Wolfgang Rasel, Brauerei Naabecker

Wolfgang Rasel, Brauerei Naabecker

"Wir versuchen uns vorzustellen, dass es bald wieder aufwärts geht."

Marcus Jacob, Brauerei Jacob

Marcus Jacob, Brauerei Jacob

"Neue Ideen gab es schon länger, doch erst jetzt hatten wir die Zeit, sie weiterzuentwickeln."

Sebastian Jakob, Brauhaus Nittenau

Sebastian Jakob, Brauhaus Nittenau

"Wir sind bisher mit einem blauen Auge durch die Corona-Pandemie gekommen."

Franz Vogl, Brauerei Fuchsberger

Franz Vogl, Brauerei Fuchsberger

Hintergrund:

2020 kein gutes Jahr für das Bier

  • März: Durch den ersten Lockdown fielen die starken Frühlingsmonate für die Bierbrauer und Gastronomen komplett weg.
  • Sommer: Die Lockerungen haben die Lage etwas entspannt. Die Menschen strömten zu den Freiflächen der Gastronomiebetriebe, in Biergärten oder genossen ihre Feierabendhalbe auch gerne im heimischen Garten oder auf dem Balkon. Feste, Kirwa und sonstige Freiluftveranstaltungen mit vielen Besuchern werden abgesagt.
  • November: Gastronomie muss wieder komplett schließen. Der zweite Lockdown in einem Jahr - und er dauert an. Auch das Faschingsgeschäft und die Bockbierfestzeit fällt weg.
  • Umsatz: Den Brauereien im Landkreis Schwandorf geht es wie vielen Betrieben in ganz Deutschland. Laut statistischem Bundesamt wurde 2020 mit 8,7 Milliarden Liter so wenig Bier wie noch nie seit 1993 abgesetzt. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Rekordminus von 5,5 Prozent.

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