02.11.2021 - 17:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bilanz nach den Zwickl-Schwandorfer Dokumentarfilmtagen

Spannende, auch provozierende Dokus, Gespräche mit Filmemachern, eine strahlende Preisträgerin: Die Zwickl-Schwandorfer Dokumentarfilmtage haben Festival-Atmosphäre versprüht, trotz Corona. Die Pandemie hinterlässt trotzdem Spuren.

Das ehemalige Metropol erweis sich einmal mehr als passende Location für die Zwickl-Dokumentarfilmtage.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Erschütternde Bürgerkriegs-Bilder aus Aleppo, Narren in Rottweil, Biobauern auf dem Feld, Obdachlose in La Paz: Die weite Welt des Dokumentarfilms hat ihren Platz in der Großen Kreisstadt, vor allem Dank Anne Schleicher. Die Initiatorin der Zwickl-Schwandorfer Dokumentarfilmtage hat mit ihrem knapp 20-köpfigen, zumeist ehrenamtlichen Team in den vergangenen Wochen wieder jenes Flair in die Spielorte gezaubert, das so typisch ist für das Festival. Erstklassige Dokumentarfilme für die ganze Familie, für zwei Euro Eintritt, das gibt's sonst nirgends.

"Wir wollten den Menschen in diesen Zeiten einen kulturellen Höhepunkt, ein Gemeinschaftserlebnis bieten", sagt Anne Schleicher am Dienstag – einen Tag, nachdem sich das Zwickl aus dem Metropol verabschiedet hat. Das ist gelungen, trotz vieler Widrigkeiten. Eineinhalb Jahre haben sie und ihr Team mit den Veranstaltern in Schönsee, Nittenau, Bad Kötzting, Regensburg, Amberg und beim "großen Finale" in Schwandorf am Zwickl gearbeitet. Das Programm aufgestellt, ohne zu wissen, ob ein Präsenz-Festival überhaupt möglich ist, die wechselnden Corona-Vorschriften gemeistert. "Wir haben es durchgezogen", so die Initiatorin erleichtert, "wir sind froh, dass wir die Zuschauer mit guten Filmen beglücken konnten."

Typisches Flair

In den Ticketverkäufen hat sich die Pandemie niedergeschlagen, rund 1000 Zuschauer zählte das Team. Das Zwickl zieht in "normalen" Jahren locker doppelt so viele Gäste an. Steigende Inzidenzen haben es dem Festival sicher nicht leichter gemacht. Enttäuscht ist die Initiatorin deshalb nicht. "Wir haben alles getan, damit das typische Zwickl-Flair aufkommt", resümiert Schleicher. Die Interviews mit Filmemachern – teils live oder online – gehören dazu, die lockeren Gespräche, die am Rande der Vorstellungen mit den Regisseuren oder Produzenten möglich sind. Das zeichnet die Dokumentarfilmtage aus: Sie sind kein typisches Branchenfestival.

Wenn zum Beispiel Wiltrud Baier und Sigrun Köhler alias "Böller und Brot" ihr Frühwerk live vor der Leinwand vorstellen, eröffnet das Einblicke in die Arbeit Filmschaffender, die dem Publikum sonst verschlossen bleiben. Oder die strahlende Freude von Narges Kalhor, die mit "In the Name of Scheherazade oder der erste Biergarten in Teheran" den Bayerischen Dokumentarfilmpreis "Zett" gewann. Die iranische Regisseurin hat einen provozierenden Streifen gedreht, der die derzeit "moderne" Art, Dokumentarfilme nach Drehbuch zu verwirklichen, ad absurdum führt. Der Film wirft die Frage auf, wie viel "Wahrheit" das Publikum von Dokus (noch) erwarten darf. Dass das "Zett" bei "Fronberg Guss" gefertigt und der hölzerne Sockel von Bernhard Fick aus dem Zwickl-Team stammt, ist auch so eine Besonderheit, typisch für das Festival. Viele Sponsoren – von den Veranstaltern über Freistaat, Landkreis, Stadt und natürlich der Wirtschaft – geben den finanziellen Rückhalt, der für ein solches Festival auch nötig ist. Das ausgegebene Geld landet zu wieder in der regionalen Kultur- und Kreativwirtschaft. Auch das ist ein Aspekt, den das "Zwickl" verwirklicht.

Noch ins "Depo2015"

"Das Konzept der Roadshow ist aufgegangen", sagt Schleicher. Die Reise durch die Spielorte ist noch nicht vorbei: Kommendes Jahr steht noch die Zwickl-Station im "Depo2015" in Pilsen aus. Die Dokumentarfilmtage widmeten sich dieses Jahr auch Tschechien, mit sehr sehenswerten Filmen, auch zu schwierigen Themen wie Flucht, Verfolgung und Vertreibung.

"Wir haben 1001 Ideen für das nächste Zwickl", blickt Anne Schleicher nach vorn. Jetzt atmet das Team erstmal durch, in den nächsten Tagen ist eine Feedback-Sitzung geplant. Das Publikum darf gespannt sein. Denn eines ist sicher: Die Zwickl-Schwandorfer Dokumentarfilmtage erfinden sich wieder neu.

"Zett" geht an iranische Regisseurin

Schwandorf

Die Onetz-Themenseite zum Zwickl

"Das Konzept der Roadshow ist aufgegangen."

Zwickl-Initiatorin Anne Schleicher

Zwickl-Initiatorin Anne Schleicher

 

 

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