10.05.2019 - 15:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bildhaft ausgedrückte Selbstüberschätzung im Dialekt

Wenn jemand aufgrund einer gewissen Selbstüberschätzung zu hochtrabenden Ansprüchen, Ideen, Plänen oder Vorstellungen neigt, die er nicht verwirklichen kann, fällt häufig der Spruch: „Daou isa iwers Gschei àssekumma.“

Mit einem Knochen, d. h. einem „Boi“, hat die Redewendung „Daou fàlds vom Boi wägg.“ nur indirekt etwas zu tun.
von Autor SLUProfil

Einmal mehr zeigt sich in dieser Redewendung die prägnante Bildhaftigkeit des Nordbairischen, indem die Sache kurz und anschaulich auf den Punkt gebracht wird: Mit „Gschei“ wird das bezeichnet, was realistisch und machbar ist, mit „àssekumma“ zum Ausdruck gebracht, dass dessen Grenzen überschritten wurden. Wenn also jemand „iwers Gschei àssekumma is“, dann ist er über das Ziel dessen hinausgeschossen, was in seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten liegt.

Das folgende konkrete Beispiel soll der Veranschaulichung des Ausgeführten dienen: Max Mustermann, der nicht gerade mit Reichtümern gesegnet ist, plant den Bau eines neuen Wohngebäudes. Er scheut weder Kosten noch Mühen, um sein überdimensioniertes und mit allen Schikanen ausgestattetes Traumhaus zu verwirklichen. Einige Jahre nach dem Einzug ist er finanziell so klamm, dass er sein Anwesen wieder verkaufen muss. Ein missgünstiger ehemaliger Schulkamerad, der Max gut kennt, hat dafür – nicht ohne einen Anflug von Schadenfreude und Häme – nur die lapidare Bemerkung übrig: „Daou isa iwers Gschei àssekumma.“

Inhaltlich eng damit verbunden sind die Sätze „Daou fàlds àf Blàtzn.“ und „Daou fàlds vom Boi wägg.“ Wenn nämlich jemand aufgrund von Defiziten zu bestimmten Dingen nicht in der Lage ist, dann sieht er sich mit derartigen Kommentaren konfrontiert. Sie besagen, dass von Haus aus die Grundlagen fehlen. Diese können materieller oder intellektueller Art sein. Häufiger ist gemeint, dass jemand grundsätzlich nicht das Format besitzt, um ein bestimmtes Niveau zu erreichen.

Nicht selten paaren sich bei solchen Menschen Hybris mit Realitätsverlust bzw. mit der mangelnden Fähigkeit der Selbstreflexion sowie mit Hochmut. Dies ist vor allem bei Personen der Fall, die in Machtpositionen gelangen und aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur und ihres Charakters mit der neuen Machtfülle nicht umgehen können und Intrigen spinnen.

Für Untergebene, die einer solchen Situation ausgeliefert sind und darunter leiden, ist es kein Trost, wenn ihnen empfohlen wird: „Doude niad oi (= Mach dir keine Sorgen).“, denn meist kann der Sprecher nicht ermessen, in welch misslicher Lage sich etwa ein Mobbingopfer befindet. Ein solches wird die gut gemeinte Aufforderung eher als nichtssagende Floskel empfinden, die in der Sache keinen Deut weiterhilft. Vielmehr müssen konkrete Schritte unternommen werden, um vielleicht am Ende über den „Peiniger“ sagen zu können: „Daou isa iwers Geschei àssekumma.“

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