27.10.2019 - 12:09 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bildhaftigkeit im Dialekt: Lizn homm wej a Raoudschimml

Bei einem „Rotschimmel“ handelt es sich um ein Pferd, das keine reine weiße Farbe aufweist und von der „Norm“ abweicht. Diese Definition soll heranzogen werden, um eine Redewendung zu erklären, die auf den ersten Blick seltsam anmutet.

Eine interessante Parallele zu „Lizn“ findet sich in der Steiermark mit dem Namen der Stadt „Liezen“, der slawischen Ursprungs ist.
von Autor SLUProfil

Ein Pferd, bei dem sich farbige Haare mit weißen vermischen, wird als „stichelhaarig“ bezeichnet. Je nach zugrunde liegender Farbe finden sich von daher die Namen „Rotschimmel (oder Fuchsschimmel), Braunschimmel (manchmal ebenfalls Rotschimmel) oder Blauschimmel (Rappschimmel)“. Kurz gesagt, handelt es sich also

Diese Definition soll heranzogen werden, um eine Redewendung im Dialekt zu erklären, die auf den ersten Blick seltsam anmutet und sich zunächst einer klaren Sinndeutung verschließt, nämlich „Lizn homm wej a Raoudschimml“.

Dabei ist das Wort „Lizn“ für einen Dialektsprecher nichts Außergewöhnliches, auch wenn es heutzutage nicht mehr allzu häufig in Gebrauch ist. Es bedeutet „Marotten, Untugenden“ und wird für jemanden verwendet, der in seinem Verhalten eine gewisse Eigenheit an den Tag legt.

Besonders häufig ist davon im Zusammenhang mit Menschen die Rede, die sich zum Beispiel eine bestimmte Körperreaktion angewöhnt haben, etwa das häufige Hochziehen des Naseninhalts oder unmotiviertes Hüsteln. Ein mundartliches Synonym dafür ist „Schbuchtn“, jedoch kann es in der erwähnten Redewendung nicht das Wort „Lizn“ ersetzen.

„Lizn homm wej a Raoudschimml“ ist vielmehr ein stehender Ausdruck, der in seiner Form einzigartig ist. Womit wir wieder beim „Rotschimmel“ bzw. „Raoudschimml“ wären. Unter dem Aspekt des über „Lizn“ Gesagten bietet sich dafür folgende Interpretation an: Ebenso wie ein Rotschimmel von der „Norm“ abweicht, ist ein Mensch, der „sonderbare“ Eigenheiten aufweist, etwas Außergewöhnliches. In diesem Zusammenhang wird also das Wort „Lizn“ durch den Bezug zum „Raoudschimml“ verstärkt.

Die Etymologie als Bestandteil der historischen Sprachwissenschaft befasst sich mit der Herkunft, Geschichte und Bedeutung der Wörter. Dass dies aufgrund der Komplexität mancher Sachverhalte nicht immer einfach ist, versteht sich von selbst. Im vorliegenden Fall erscheint aber die Begründung plausibel.

Dass der Ausdruck „Rotschimmel“ (neben „Blauschimmel“ und „Weißschimmel“) auch als Wortbildungskomponente im Zusammenhang mit Käse verwendet wird, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt.

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