01.10.2018 - 17:26 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Brennende Eifersucht in irrealer Welt

Fernbeziehungen in sozialen Netzwerken mögen virtuell sein ‒ die Eifersucht eines 18-enttäuschten 18-Jährigen ist es nicht. Sie mündet in üblen Beschimpfungen, Bedrohungen. Die bringen den Mann vor das Schöffengericht, im wahren Leben.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Vor Richterin Petra Froschauer sitzt ein junger Auszubildender aus dem westlichen Landkreis Schwandorf, der offenbar Halt und Freundschaften in sozialen Netzen sucht. Im Frühjahr dieses Jahres knüpfte er Kontakte zu einem 19-Jährigen aus Thüringen. Die beiden jungen Männer posteten Herzchen, kamen sich offenbar virtuell näher. "Ich habe auf eine Fernbeziehung gehofft", sagte der Angeklagte vor dem Schwandorfer Schöffengericht, "wir haben hin und her geschrieben". Bis plötzlich im April ein virtueller "Ex" des angehimmelten Thüringers im Chat auftaucht. Dem jungen Mann aus dem Landkreis Schwandorf schwant da offenbar Übles, rasende Eifersucht bricht sich Bahn. Beleidigungen prasseln auf den 19-jährigen Thüringer ein. Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch listete sie in seiner Anklageschrift auf, die Internetprotokolle liegen dem Gericht vor. Zitierfähig sind die Beleidigungen nicht.

"Total ausgetickt"

Der 18-Jährige gab unumwunden zu, was er da geschrieben hat. "Dann bin ich total ausgetickt", erzählte der junge Mann. Gegen den 19-Jährigen und den "Ex" folgten wüste Bedrohungen: Von scharfen Schwertern war da die Rede, von Schusswaffen. "Ich kenne dich, ich finde dich, und das wird dein letzter Tag sein", zitierte die Richterin aus den Protokollen. "Ich wollte ihn einschüchtern, damit er sich auf mich konzentriert", gestand der Auszubildende. Schließlich wechselte der Ton in den Posts, ging es um Erpressung: Wenn er zwischen 1700 und 2000 Euro erhalte, werde er ihn und den "Ex" in Ruhe lassen, setzte der junge Mann aus dem Landkreis nach Thüringen ab. Als eine Art "Entschädigung" für erlittene seelische Schmerzen, ließ der 18-Jährige in seinen Nachrichten durchblicken. Auch von Suizidgedanken war die Rede. Geld floss nicht. "Das wurde mir zu viel", erzählte der junge Thüringer als Zeuge vor Gericht, er zeigte seinen Chat-Partner aus dem Landkreis an. Der wurde kurz darauf abgeholt und wegen der potenziellen Selbstmordgefahr in eine Klinik gebracht. Die Fachärzte stellten eine "abnorme Eifersuchtsreaktion" fest, ließen den jungen Mann nach einer Nacht wieder nach Hause zu seiner Familie. Bei den Ermittlungen der Polizei stellte sich noch heraus: Der angebliche "Ex" des Thüringers, Auslöser der Eifersucht und im Netz unter Männernamen unterwegs, ist in der Realität ein 14-jähriges Mädchen aus Rheinland-Pfalz.

Mit Geldauflage

Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch rückte von seinem ursprünglichen Anklagevorwurf der räuberischen Erpressung ab, Nötigung stand im Raum. Schließlich regte er eine Einstellung des Verfahrens gegen den geständigen Angeklagten an. Das Schöffengericht stimmte zu, legte dem jungen Mann eine Therapie auf, außerdem muss er 1000 Euro in Raten an den Schwandorfer THW-Helferverein bezahlen. Vorsitzende Richterin Petra Froschauer gab dem jungen Mann aus dem Landkreis noch einen Rat mit auf den Weg: "Suchen Sie sich in der realen Welt einen Freund, dem Sie auch ganz real in die Augen schauen können".

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