07.08.2018 - 16:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bürger strecken die Waffen

Das Arsenal wirkt bedrohlich. Karabiner, eine Schrotflinte, Revolver, Pistolen, Kleinkalibergewehre. 151 Waffen landen während der einjährigen Amnestieregelung bei der Waffenbehörde am Landratsamt, knapp die Hälfte aus illegalem Besitz.

Vom Schlagstock bis zum großkalibrigen Revolver, von der Sportpistole bis zur Schrotflinte reicht das Waffenarsenal, das während der Amnestie bis zum 30. Juni beim Landratsamt abgegeben wurde.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

(ch) "Am Ende hat es uns fast überrollt", sagt Kurt Kögler von der Waffenbehörde am Landratsamt. Er hat eine Auswahl von Gewehren und Kurzwaffen auf einem Tisch aufgelegt, alle fein säuberlich mit Zetteln beschriftet. Die sind natürlich umgedreht, Datenschutz.

Mitte Juni, erläutert der Pressesprecher des Amtes, Hans Prechtl, waren erst 47 Waffen abgegeben worden, davon etwa ein Drittel aus illegalen Beständen. "Typisch", meint Prechtl, selbst wenn eine Frist ein Jahr lang laufe, werde das Anliegen erst kurz vor Schluss erledigt. Kögler meint, dass auch die Berichterstattung in den Medien von dem "Stichtag" am 30. Juni dazu beigetragen habe, dass der eine oder andere doch noch die Amnestieregelung nutzte, um sein illegales Schießeisen oder Munition loszuwerden. Außerdem hat auch die Polizei Waffen entgegengenommen oder sichergestellt, und jetzt zum Landratsamt gebracht. Im Amt werden sie im Tresor gelagert, bis sie mit einem Transport ins Landeskriminalamt gebracht werden. Dort werden die Waffen gesammelt, geprüft und dann vernichtet.

Viele Kleinkaliber

71 Langwaffen, also Gewehre, wurden abgegeben, davon stammten 37 aus illegalem Besitz. Darunter waren 2 halbautomatische Waffen, 10 Repetiergewehre, 20 Einzellader, wesentliche Teile von Waffen und 3 "sonstige" Gewehre. Kögler zeigt auf ein kleines Kleinkalibergewehr. "Von denen haben wir jede Menge." Die "Spatzengewehre" waren in den 1950er-Jahren noch frei erwerbbar und haben wohl einige Generationen in irgendwelchen Schränken überdauert, bis sie hier gelandet sind.

Von den 80 abgegebenen Kurzwaffen - Pistolen oder Revolver - stammen 34 aus illegalem Besitz. 10 Pistolen, 4 Revolver und 20 "sonstige Kurzwaffen" listet die Waffenbehörde auf. Auf dem Tisch liegt ein großkalibriger Revolver ebenso wie die täuschend echte Schreckschuss-Nachbildung einer Polizei-Dienstwaffe. Daneben liegt eine Pistole P08, Ordonnanzwaffe im ersten Weltkrieg, auf dem Tisch. Sie ist sehr verrostet. Der schlechte Pflegezustand vieler Waffen fällt ohnehin auf. Er lasse darauf schließen, dass die Schießeisen wohl ein vergessenes Dasein in irgendwelchen Schränken oder auf Dachböden führten, sagt Kögler.

Immerhin: Kriegswaffen waren nicht unter den abgegebenen Schießeisen. Dafür jede Menge Munition. Geschätzt 3300 Schuss landeten beim Landratsamt. Davon stammte der Löwenanteil aus illegalem Besitz, laut Auflistung des Amtes rund 2500 Patronen. Dazu addiert werden muss noch nicht zugelassene Munition für Schreckschusswaffen wie Gaspatronen oder Leuchtmunition (750 Stück). Last, not least, zählte die Behörde 34 "sonstige Waffen", darunter verbotene Hieb- und Stichwaffen wie Totschläger oder Butterflymesser.

22 000 Waffen im Kreis

Im Landkreis Schwandorf sind laut Prechtl rund 22 000 legale Waffen registriert, darunter 15 200 Langwaffen, also Gewehre. 46 Pistolen und 34 Gewehre aus legalem Besitz wurden von Juli 2017 bis Ende Juni 2018 abgegeben, außerdem noch 1200 Schuss Munition.

Mit dem Ende der Amnestieregelung ist die Waffen-Annahme am Landratsamt nicht vorbei. Wer beispielsweise durch einen Erbfall in den Besitz einer Waffe oder Munition kommt, muss das zunächst sofort bei der zuständigen Behörde melden, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Er kann eine Waffenbesitzkarte beantragen, die Waffen unbrauchbar machen lassen - was einige hundert Euro kosten kann - oder, wenn er keinen Käufer mit Besitzkarte findet, die Teile bei der Waffenbehörde abgeben. Kögler packt indes die Waffen wieder auf einen Rollwagen, es geht wieder ab in den Tresor. Er lässt sich von einem Kollegen begleiten.

Die Amnestie:

1 Jahr Straffreiheit

Bürger im Freistaat konnten ein Jahr lang - von Juli 2017 an bis 30. Juni 2018 - Waffen bei Polizei oder zuständigen Behörden Waffen und Munition abgeben, die sie illegal im Besitz hatten, ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen. Die Amnestieregelung wurde bei der Änderung des Waffengesetzes beschlossen. Bereits 2009 hatte es, nach dem Amoklauf in Winnenden, eine entsprechende Regelung gegeben. Damals wurden im Freistaat 34000 Waffen abgegeben. Diesmal waren es knapp 13500. (ch)

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