09.06.2021 - 09:26 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Burglengenfelder Künstler als Schlossbewohner auf Zeit

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Sechs Wochen in einem Schloss leben und arbeiten: Auch für einen Künstler kein schlechtes Angebot. Florian Nörl aus Burglengenfeld sagte zu und ließ sich von der Gegend an der polnischen Grenze begeistern. Doch es gab auch Widrigkeiten.

Künstler Florian und Özlem Nörl mit dem sächsischen Landrat Bernd Lange beim Gespräch im Künstlerhaus Schloss Königshain bei Görlitz.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Carl August Gottlob von Schachmann (1725 bis 1789) war ein gebildeter und weit gereister Mann, als er sich auf dem Gelände des väterlichen Rittergutes sein eigenes Schloss erbauen ließ. Nicht protzig, aber doch repräsentativ sollte sie sein, die neue Wohnstatt des Gutsbesitzers. Und so entstand eine im – wie es heutige Kunsthistoriker beschreiben – „schlichten französischen Barockstil“ errichtete dreiflügelige Anlage, die einen markanten Ehrenhof ausbildet. Dieses sächsische "Schloss Königshain" hat sich zwischenzeitlich zu einer Heimstatt für die zeitgenössische Kunst ausgebildet.

Interessant für Künstler aus der Region Schwandorf ist Schloss Königshain vor allem wegen der Partnerschaft der Landkreise Schwandorf und Görlitz, die seit nunmehr 30 Jahren existiert. Die Pandemie hat große Feierlichkeiten des Jubiläums bislang verboten. Umso wichtiger ist der kulturelle Austausch, der im Herbst vergangenen Jahres rund um den "Tag der deutschen Einheit" mit der Reise einer Schwandorfer Delegation in den Landkreis Görlitz neuen Schwung bekommen hat. Einer der Besuchspunkte der Oberpfälzer war dabei Schloss Königshain.

Mit dem Aufenthalt von Florian Nörl und seiner ebenfalls künstlerisch tätigen Frau Özlem in Schloss Königshain bekam der Kulturaustausch frischen Wind. Nörl, 31 Jahre alt, stammt aus der Stadt Burglengenfeld, und ist über Leben- und Studienstationen in Regensburg und Pilsen im oberösterreichischen Linz gelandet. Linz liegt, 400 Kilometer von Görlitz entfernt, wie dieses in einer Art Dreiländereck.

Pech für das Künstlerehepaar Nörl war die Corona bedingte Unmöglichkeit, die Ausstellung ihrer Werke in Schloss Königshain der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Erst gegen Ende des sechswöchigen Aufenthalts, der am 30. Mai vorüber war, konnte noch so etwas wie ein Ausstellungsbetrieb in Gang kommen, da ab dem 28. Mai die Museen wieder zugänglich gemacht wurden. Um das Präsenz-Manko etwas auszugleichen, wurden einige kurze Filme auf Youtube veröffentlicht, in denen die Künstler und ihre Werke vorgestellt werden. Unter anderem hat sich Königshain-Kuratorin Romy Pietsch dieser Aufgabe unterzogen.

Prominentester Besucher in der eher besucherarmen Zeit war der Görlitzer Landrat Bernd Lange. Er schaute den Künstlern aus dem Partnerlandkreis Schwandorf bei einer Visite über die Schulter. Der Titel von Florian Nörls Ausstellung lautet „Textilstein“ und spielt auf die Verwendung des eigens von Nörl entwickelten Materials an, mit dem er die Grenzen des Mediums Textil neu in Szene setzt. Landrat Lange überzeugte sich selbst von den plastischen und visuellen Eigenschaften eines „Textilsteins“. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung und das Atelier ließ er sich vom Stipendiaten die spezielle Bearbeitung und Technik erläutern.

Während ihres Aufenthaltes in Könighain widmeten sich beide Künstler der Malerei. Ihre Inspirationen fanden sie in der unmittelbaren Umgebung von Königshain und bei einem Besuch in der Görlitzer Altstadt, im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau und im Tagebau Nochten. Geplant ist schon heute, die im Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt entstandenen Werke in einer gesonderten Ausstellung im nächsten Jahr zu präsentieren.

Eine Partnerschaft, auch die von Landkreisen, lebt von Menschen, die sich kennen und schätzen.

Schwandorf

Bilderschau in Schwandorf mit Werken des Görlitzers Reinhard Roy

Schwandorf

Interview mit dem Künstlerehepaar Nörl in Königshain

Hintergrund:

Kultur-Partnerschaft

  • In diesem Jahr feiern der Landkreis Schwandorf und der Landkreis Görlitz in Sachsen ihr 30-jähriges Partnerschaftsjubiläum.
  • Insbesondere im kulturellen Bereich gab es in den vergangenen Jahren einen regen Austausch zwischen beiden Kreisen.
  • Daraus ist auch eine langjährige Zusammenarbeit zwischen dem Oberpfälzer Künstlerhaus, der Kebbel-Villa in Schwandorf, und Schloss Königshain bei Görlitz entstanden.
  • Seit 2012 werden im zweijährigen Rhythmus Künstler im Rahmen eines Stipendiums in das Oberpfälzer Künstlerhaus und das Schloss Königshain entsendet.
  • Die Arbeiten des Stipendiaten Reinhard Roy, gebürtiger Görlitzer, hing bis Mitte Mai im Künstlerhaus in Schwandorf
  • Nach dem gebürtigen Burglengenfelder Florian Nörl wird im Herbst 2021 Heiko Herrmann aus Pertolzhofen im Schloss Königshain leben und arbeiten.
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