12.07.2018 - 16:27 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Cannabis-Anbau zur Schmerzlinderung

Er leidet nach einem Unfall seit 20 Jahren unter Schmerzen. Deshalb baut ein 42-Jähriger Cannabispflanzen an, raucht aus den Blüten gewonnenes Marihuana und findet Linderung. Doch solche Plantagen sind verboten.

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von Autor HWOProfil

Die Nutzung von Cannabisprodukten zur Schmerzlinderung ist seit einiger Zeit vom Gesetzgeber erlaubt. Mit der strikten Einschränkung: Das muss ein Arzt verschreiben. Wer eigenmächtig zur Tat schreitet, Hanfpflanzen anbaut und mit der Ernte zum Selbstversorger wird, muss mit Ermittlungsverfahren und gerichtlichen Ahndungen rechnen. Das war einem 42-Jährigen, der im östlichen Landkreis wohnt, bewusst. Dennoch kaufte er für 500 Euro Gerätschaften, zog die Cannabis-Keimlinge im Dachgeschoss seiner Hauses auf und stellte die prächtig sprießenden Pflanzen bisweilen vor das Anwesen auf Bierbänke. Das fiel einem Jäger auf, der im Oktober letzten Jahres vorüber kam. Der Waidmann erstattete Anzeige.

Die Oberviechtacher Polizei schritt zur Hausdurchsuchung, stellte die Plantage sicher, nahm ein halbes Pfund aus den Trieben gewonnener Blüten mit. Mehrere Monate später kamen die Beamten abermals, um von dem 42-Jährigen zur Feststellung seiner Abhängigkeit eine Haarprobe zu entnehmen.

Diesmal stießen sie auf einen Brocken Haschisch, ein verbotenes Butterfly-Messer und auf einen Skorpion, den sich der damals Arbeitslose quasi als Hausgenossen hielt. Das Tier stand unter Artenschutz. Allein seinetwegen wurde später eine eigene Akte angelegt. Doch das Verfahren ist heute längst eingestellt.

Vor dem Schwandorfer Schöffengericht gab es nun ein lückenloses Geständnis. Der Mann räumte ein, seit vielen Jahren Marihuana und Haschisch zu rauchen, um quälende Schmerzen irgendwie in den Griff zu kriegen. "Das ist tückisch", gab ihm Staatsanwalt Oliver Wagner zu bedenken. Denn der einzig legale Weg sei, sich den Konsum von Cannabisprodukten von einem Arzt verschreiben zu lassen.

Fest stand: Der heute regelmäßig zur Arbeit gehende Angeklagte hat nie aufgehört, seine Schmerzen mit Marihuana und Haschisch zu betäuben. Das will er aber jetzt endgültig tun, wie sein Anwalt Rouven Colbatz (Weiden) versicherte. Die Richter glaubten das zwar, doch sie setzten im Urteil Hürden, die zur Überprüfung dienen sollen.

Staatsanwalt Wagner sprach in seinem Plädoyer von einem minderschweren Fall, verlangte neun Monate Haft zur Bewährung, 500 Euro Geldauflage und die Weisung, eine ambulante Drogentherapie zu absolvieren. Verteidiger Colbatz hielt sechs Monate mit Bewährung für ausreichend. Das Schöffengericht entsprach der Forderung des Staatsanwalts. Es ordnete außerdem an, dass sich der Mann regelmäßigen Drogentests zu unterziehen hat.

In seiner Begründung sagte Richter Ebensperger, dass der einzige Weg zur legalen Benutzung von Hanfprodukten über einen Mediziner und dessen Rezept führe. "Hören Sie auf mit dem Eigenanbau", wurde dem Angeklagten dringend empfohlen.

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Kommentare

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Wolfgang Ewert

Absolut irre, was hier abgeht - muss im tiefsten Bayern sein:
"Mehrere Monate später kamen die Beamten, um von dem 42-Jährigen zur Feststellung seiner Abhängigkeit eine Haarprobe zu entnehmen." - Häh, was? Anhand von Haarproben weist man eine Abhängigkeit nach?

"Der heute regelmäßig zur Arbeit gehende Angeklagte hat nie aufgehört, seine Schmerzen mit Marihuana und Haschisch zu betäuben. " das ist doch keine Abhängigkeit im Sinne von Zwang zu konsumieren!
StA "verlangte neun Monate Haft zur Bewährung, 500 Euro Geldauflage und die Weisung, eine ambulante Drogentherapie zu absolvieren. " - hallo, der hat Schmerzen und keine Abhängigkeit!
Das Gericht "ordnete außerdem an, dass sich der Mann regelmäßigen Drogentests zu unterziehen hat." - wozu? Konsumieren - hier gezielt gegen Schmerzen - ist nirgends in Deutschland verboten, abstrus!

"der einzige Weg zur legalen Benutzung von Hanfprodukten über einen Mediziner und dessen Rezept führe." - erst einmal einen Arzt bekommen und dann möglichst noch ein Rezept, wo die Krankenkasse die Kosten übernimmt, denn das ist zigmal teurer als Selbstanbau + 500€ Auflage. Hier wird ihm etwas in Bayern fast Unmögliches versprochen.

13.07.2018

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