ONETZ: Über das Ergebnis der Show musste im Vorfeld Stillschweigen bewahrt werden. Ging das überhaupt?
Carolin Brunner: Das Ergebnis kannten tatsächlich nur meine Eltern, mein Mann und die beiden Kinder. Unsere fast 20 Beschäftigten wussten nichts, auch das Personal in der Backstube nicht. Dabei wollten es viele Leute wissen, sogar unsere zwei Kinder im Kindergarten wurden ausgefragt. Aber sie haben das Schweigen gut durchgehalten.
ONETZ: Wie lange waren Sie denn zu den Dreharbeiten in Köln?
Carolin Brunner: Ich bin von Mitte August bis Mitte September 2021 weg gewesen von Schwandorf. Die lange Abwesenheit war zu Hause eine Herausforderung, auch weil im Sommer ein super Geschäft ging. Für mich war beruhigend, dass ich wusste, dass es in der Backstube und im Laden läuft. Zweimal in den vier Wochen bin ich nach Hause gekommen und habe unter anderem die Hochzeitstorten fertig gemacht.
ONETZ: Wie haben Sie die Zeit in Köln empfunden?
Carolin Brunner: Das waren wirklich vier anstrengende Wochen, auch für den Kopf. Ständig steht man unter voller Konzentration, man will nichts Falsches sagen, etwa in den Interviews. Wenn man weiß, dass man weiter ist, heißt es sofort: Umbauen für die nächste Woche! Und schauen, ob die Ware da ist und den Arbeitsplatz wieder einrichten. Man kann kurz durchschnaufen und es geht direkt wieder weiter. So ist das die vier Wochen durch gegangen.
ONETZ: Woher wussten Sie denn, was Sie brauchen würden?
Carolin Brunner: Die Ideen zu den Schaustücken für die verschiedenen Wettbewerbe sind in der Vorbereitungszeit und dem Training in Schwandorf und Haselünne entstanden. Wir haben dann vorher genaue Listen schicken müssen für das Equipment – Bleche, Schüsseln, Messbecher – und Rohstofflisten, was wir alles brauchen.
ONETZ: Vor dem finalen Wettbewerb gab es noch ein Problem, oder?
Carolin Brunner: Ja, unsere Idee für das letzte Schaustück wurde eine Woche vorher nochmals gestrichen, so dass wir ohne Idee für das Finale nach Köln gefahren sind. Die Vorstellung von dem Schoko-Konditor, der die Torten balanciert, ist dann erst in Köln entstanden. Wir haben ja nicht gedacht, dass wir soweit kommen. Wir haben uns gesagt, jetzt schauen wir mal, und wenn sich das abzeichnet, dass wir ins Finale kommen, dann entwerfen wir ein finales Schaustück.
ONETZ: Wie ging es dabei weiter?
Carolin Brunner: Nachts auf dem Hotelzimmer haben wir viel gezeichnet und wir haben uns auch der Jury angepasst. Man bekommt ja Woche für Woche mit, auf was sie Wert legen. Bei Juror René Frank war beispielsweise der Geschmack ganz wichtig und dass es appetitlich aussieht. Wir wollten das finale Schaustück für den Schokoladen-Wettbewerb eigentlich erst komplett weiß sprühen, dass es wie eine Hochzeitstorte aussieht. Das haben wir aber zwei Tage vorher komplett umgeschmissen, weil wir gesagt haben, sonst bemängelt er wieder, dass es nicht schokoladenfarbig ist.
ONETZ: Im Finale musste auch ein Kleid aus Schokolade hergestellt werden, das jetzt im Schaufenster Ihres Cafés in Schwandorf bewundert werden kann.
Carolin Brunner: Man musste das Kleid über den Kopf an- und ausziehen können, deshalb habe ich Tina obenrum eingegipst, denn man musste unter der Modellier-Schokolade etwas haben, also diesen Gips, so dass sie nicht schmilzt. Man hat ja gesehen, was bei den andren passiert ist, die das nicht gemacht haben.
ONETZ: Wie war denn die Bewertung nach den einzelnen Wettbewerben?
Carolin Brunner: Die Produktion hat lange gedauert, auch die jeweilige Bewertung. Die Juroren sind an einem Tisch locker eine halbe Stunde gestanden, die haben alles einzeln probiert und diskutiert, das sieht man im Fernsehen gar nicht. Bis alle durch waren, sind wir bestimmt drei Stunden auf der Stelle gestanden.
ONETZ: Man muss also Zeit mitbringen bei so einer Art von Show?
Carolin Brunner: Pro Tisch gab es zwei Kameras, die die ganze Zeit gefilmt haben, und dann noch drei oder vier Kameras, die das Ganze gefilmt haben, das hat alles ewig gedauert, wobei nur wenig gezeigt wurde. Donnerstags waren dann den ganzen Tag nur Interviews, die sind zweieinhalb Stunden lang noch einmal die ganze Woche mit uns durchgegangen, auch davon hat man nur minimale Sequenzen gesehen. Das ist brutal, was da am Ende herauskommt, im Vergleich zu dem, was alles gefilmt wurde.
ONETZ: Gibt's noch Kontakt zu den Mitstreitern oder den Juroren?
Carolin Brunner: Mit Tina Herzog telefoniere ich in regelmäßigen Abständen, die Menschen in ihrem Heimatort Haselünne haben alle mitgefiebert. Am Samstag treffe ich mich mit den Master-of-Sweets-Kollegen in Berlin, da gehen wir in René Franks Lokal 'Coda' in Neu-Kölln zum Essen, einem Dessert-Restaurant mit zwei Sternen im Guide Michelin.
ONETZ: Sie haben sich die Ausstrahlung der Show bestimmt im größeren Kreis angesehen?
Carolin Brunner: Ja, geschaut wurden die Sendungen mit Familie und Mitarbeitern in der „Stube“ bei Michael Edenharter, bis auf die dritte Sendung mit dem Wettbewerbsthema Eis. Bei der hatten wir uns übrigens fast gedacht, dass wir ausscheiden. Das war schwierig einzuschätzen, weil man auch nicht hörte, was zu den anderen Teams gesagt wurde.
ONETZ: In Schwandorf haben viele Anteil genommen. Wie haben Sie das empfunden?
Carolin Brunner: Sobald man auf die Straße geht, spricht einen jeder an. Jeder freut sich, so viele Menschen haben mir geschrieben, das ist schön. Ich habe jetzt drei Tage lang nur geantwortet, denn ich wollte mich bei jedem bedanken.
- Gedreht wurde die RTL-Show „Master of Sweets“ vier Wochen lang im Spätsommer vergangenen Jahres in einem großen Studio in Köln.
- Für eine sogenannte "Homestory" war bereits Anfang August 2021 ein Kamerateam in Schwandorf gewesen und den ganzen Tag lang Aufnahmen vom Konditorbetrieb gemacht. Am Ende hat man im Fernsehen davon nur ein paar Sekunden gesehen.
- Carolin Brunner kam Mitte September 2021 von Köln als Gewinnerin zurück nach Schwandorf, durfte aber erstmal nicht darüber reden.
- In der ersten der vier Folgen ging es um das Generalthema Zucker, in der Fachsprache "Candy" genannt. Bei dem ersten von zwei Candy-Wettbewerben brach das filigrane Kunstwerk des "Teams Gelb" Brunner/Herzog spektakulär zusammen. Juror René Frank hat danach kommentiert: "Wenn Sie so weitermachen, kommen Sie nicht weiter."
- Carolin Brunner hat auch Erfahrungen im Prüfen: Sie ist in Straubing im Meisterprüfungsausschuss, also prüft sie die Meisterschüler.
"Sobald man auf die Straße geht, spricht einen jeder an. Jeder freut sich, so viele Menschen haben mir geschrieben, das ist schön."
















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