25.03.2020 - 11:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona: Krankenhäuser kritisieren Gesundheitsminister Spahn

Während die Bundesregierung aktuell Milliardensummen für unterschiedlichste Corona-Schutzschirme bereitstellt, fühlen sich die Krankenhäuser in ihrem Kampf gegen Corona trotzdem allein gelassen. Kritik kommt auch aus der Region.

Auch in der orthopädischen Klinik Lindenlohe werden derzeit Intensivbetten für stationäre Coronafälle vorbereitet. Eine Station wurde bereits für die Behandlung möglicher Patienten vorbereitet, eine weiteren Station folgt in den nächsten Tagen.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

So haben sich die Asklepios-Kliniken zu Wort gemeldet, die mit mehreren Standorten im Raum Schwandorf und Regensburg vertreten sind. Franz Hafner, der Geschäftsführer des Asklepios-Klinikums in Bad Abbach, verwies dabei als Beispiel auf die vom Bund geforderte Schaffung zusätzlicher Intensiv-Betten: "Wir rüsten uns aktuell im Katastrophenzustand mit aller Kraft für die Behandlung von CoVid-Patienten, haben seit Tagen keine reguläre Versorgung mehr, sondern räumen Betten und optimieren alle Kapazitäten zur Schaffung neuer Intensiv- und Beatmungsplätze."

Das meldet auch Marius Aach, der Geschäftsführer der Schwandorfer Asklepios-Klinik in Lindenlohe, die auf Orthopädie spezialisiert ist. Die Klinik Lindenlohe bereite sich aktuell auf die Behandlung von CoVid 19-Patienten vor, informierte er. "Bisher wurde bereits eine Station für die Behandlung möglicher Patienten vorbereitet. In den kommenden Tagen folgt die Vorbereitung einer weiteren Station." Die reguläre Versorgung der orthopädischen Patienten wurde mit Blick auf die Entwicklung der Covid 19-Patienten heruntergefahren und es würden nur noch medizinisch dringliche Eingriffe durchgeführt.

Das Problem, das die Geschäftsführer sehen: Der Gesundheitsminister habe zwar öffentlichkeitswirksam zusätzlich 7,8 Milliarden Euro für die Unterstützung deutscher Kliniken angekündigt, die Schaffung neuer Intensiv-Behandlungsplätze werde tatsächlich jedoch auch nach Aufstockung der Beträge mit nur 50 000 Euro pro Bett bezuschusst. Die Kosten für jeden neuen Therapieplatz betragen nach Berechnungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft aber 85 000 Euro.

Auch die bereitgestellten Pauschalbeträge für die freigehaltenen Betten würden nur einen Teil der wirklichen Belastungen für die Kliniken decken. Die Finanzierung der teuren Schutzausrüstung für die Mitarbeiter sei nicht geregel. Selbst der avisierte und dringend notwendige Bürokratie-Abbau, um Ärzten und Pflegern Zeit für die Betreuung der Kranken zu verschaffen, sei bisher nicht erkennbar.

"Die Unsicherheiten und Belastungen führen derzeit zu einer großen Frustration in den Krankenhäusern", klagt auch Ingo Morell, der stellvertretende Vorsitzende des KKVD, also des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands. Der Verband vertritt bundesweit rund 400 Krankenhausstandorte in katholischer Trägerschaft, also auch das Schwandorfer Krankenhaus St. Barbara.

Obwohl die Pandemie-Bekämpfung höchste Priorität habe, müssten die Häuser nun in Budgetverhandlungen für das Jahr 2020 mit den Krankenkassen eintreten - dies angesichts der größten Krise des Landes seit dem zweiten Weltkrieg. "Besser wäre gewesen, den Kliniken in dieser schwierigen Situation für eine begrenzte Zeit durch eine pauschale Vergütung den Rücken frei zu halten."

Pressesprecherin Caroline Kappes vom St.Barbara-Krankenhaus in Schwandorf versichert in diesem Zusammenhang, "dass auch wir in dem Gesetzesentwurf keine ausreichende Sicherheit für die kommende Zeit sehen. Aktuell jedoch steht für uns ganz klar im Vordergrund, uns für die kommenden Wochen weiter vorzubereiten." Auch Martin Baumann, der Geschäftsführer des Schwandorfer Krankenhauses, bestätigt dies. "Unsere tägliche Arbeit ist geprägt von unerschöpflichem Engagement, langen Arbeitstagen und akribischer Sacharbeit. Wir bereiten uns darauf vor, dass wir in den kommenden Tagen und Wochen viele schwerstkranke Patienten mit COVID-19 versorgen müssen", skizziert er die Lage in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter.

Bislang, so Baumann, habe er sich zwar "lobend zu den politischen Maßnahmen geäußert", etwa über die angekündigte Abfederung der Krankenhäuser mit einem Schutzschirm. Doch das Krankenhaus-Entlastungsgesetzt erfülle für ihn nicht die Erwartungen: "Im Ergebnis plant Minister Spahn, dass wir auf einem nennenswerten Teil der Kosten sitzen bleiben und wieder bürokratisch erstickt werden."

Unsere tägliche Arbeit ist geprägt von unerschöpflichem Engagement, langen Arbeitstagen und akribischer Sacharbeit. Wir bereiten uns darauf vor, dass wir in den kommenden Tagen und Wochen viele schwerstkranke Patienten mit COVID-19 versorgen müssen.

Martin Baumann  Geschäftsführer St. Barbara-Krankenhaus Schwandorf

Martin Baumann
Geschäftsführer St. Barbara-Krankenhaus Schwandorf

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.