24.01.2020 - 14:41 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die Crux mit der Dialektverschriftung

Es ist schon ein Kreuz mit der Dialektschreibung. Seit jeher haben Mundartautoren ihre liebe Not damit, ihr gesprochenes Idiom zu Papier zu bringen,

In seiner Dissertation über die Mundart von Eslarn verwendet Armin Bachmann eine wissenschaftliche Dialektschreibung. Diese ist für den Laien nicht nachvollziehbar.
von Autor SLUProfil

Es ist schon ein Kreuz mit der Dialektschreibung. Seit jeher haben Mundartautoren ihre liebe Not damit, ihr gesprochenes Idiom so zu Papier zu bringen, dass einerseits die Laute so adäquat wie möglich wiedergegeben werden und andererseits ein Text auch für einen Unkundigen noch (einigermaßen) lesbar bleibt. Da zwangsläufig kein einheitliches Verschriftungs- beziehungsweise Zeichensystem existiert, handhabt es ein jeder in der Regel so, wie er es für richtig hält.

Das Problem dabei ist, dass gewisse notwendige Richtlinien nicht immer die angemessene Beachtung finden. Diese Richtlinien ergeben sich aus der Tatsache, dass jede Mundart ein in sich geschlossenes Sprachsystem mit spezifischen Eigenheiten und Gesetzmäßigkeiten darstellt. Diese muss man kennen, wenn man den Dialekt mit den Mitteln des Alphabets von der mündlichen auf die schriftliche Ebene verlagern möchte. Ist das nicht der Fall, ist der reflexhaften Willkür Tür und Tor geöffnet, die zu einer inkonsequenten und uneinheitlichen Vorgehensweise führen kann. Das Ergebnis ist dann im Grunde genommen genauso mangelhaft wie ein standardsprachlicher Text, der vor Fehlern strotzt. Mit dem "kleinen" Unterschied, dass der Laie dies nicht merkt, was aber keine wie auch immer geartete "Absolution" für den Verfasser bedeuten kann.

Unter diesen Gesichtspunkten trifft der häufig gehörte Satz "Dialekt kann ein jeder schreiben, wie er möchte", nur bedingt zu. Andererseits hat aber auch der Ausspruch des bekannten Niedermuracher Mundartdichters Alois Gillitzer (1944-2019) "Wenne naoudenk, konne nimmer schreim", durchaus seine Berechtigung. Dieser besagt nämlich, dass es dem Autor an inhaltlicher Spontaneität gebricht, wenn er sich zu sehr mit formalen Aspekten beschäftigt.

Mit einem aktuellen Beispiel soll das Ausgeführte illustriert werden. Es handelt sich um eine Überschrift aus einem Beitrag in einer Verlagsbeilage der Oberpfalz-Medien vom Dezember 2019. Die Überschrift lautet: "Göih, danz ma oin!" Konkret soll im Folgenden die Schreibweise des ersten Wortes einer Betrachtung unterzogen werden.

"Göih" entspricht allem Anschein nach der standardsprachlichen Befehlsform (Imperativ) "geh" des Tätigkeitsworts "gehen". Das nordbairische Pendant dazu wird in der Grundform (Infinitiv) "gej" geschrieben und der Imperativ "gäi". Für den Infinitiv findet man hie und da auch die Variante "göi". Für die Befehlsform dagegen gibt es keine Alternative, denn nur die Buchstabenkombination "äi" bildet den entsprechenden Zwielaut so genau wie möglich ab. Dies gilt übrigens auch für die gebeugten Formen des Verbs "gej" in der Einzahl: I gäi, du gäisd, er gäid. Hier kommt zugleich ein häufiges Phänomen der dialektalen Lautung zum Tragen, nämlich die Mitlautschwächung, in der Linguistik als Lenisierung bezeichnet. Besonders augenfällig ist sie in einsilbigen Hauptwörtern, wie etwa in "Diisch" ("d" am Anfang, im Gegensatz zu "t" in Tisch), "Dreg" ("g" am Ende, im Gegensatz zu "ck" in Dreck) und "Bloz" ("b" am Anfang und "z" am Ende, im Gegensatz zu "p" und "tz" in Platz).

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