15.10.2019 - 14:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Damit die Mieze im Training bleibt

Wenn es der Mensch zu gut meint, wird die Katze dick. Die Tierärztin Dr. Hildegard Diermeier hat Tipps, wie man das Übergewicht in Griff bekommt, und was sonst noch wichtig ist bei der Pflege des Stubentigers.

von mvsProfil

Knapp 13 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten als Freigänger oder reine Stubentiger. Tipps für Miezen-Freunde hat die Schwandorfer Tierärztin Dr. Hildegard Diermeier.

ONETZ: Welche Katzenkrankheiten sind weit verbreitet?

Dr. Hildegard Diermeier: Grundsätzlich unterscheiden sich die Krankheiten, die bei Freigängern, die mit anderen Tieren und Umwelteinflüssen in Kontakt kommen, und Katzen, die nur in vier Wänden leben.

ONETZ: Was tritt bei Wohnungskatzen häufig auf?

Dr. Hildegard Diermeier: Zu viel kalorienreiche Nahrung in der Kombination mit wenig Bewegung kann schnell zu Übergewicht führen, das sich negativ auswirkt, vor allem auf das Herz. Da können Spiele abhelfen, nicht nur solche, die es zu kaufen gibt. Man kann auch einfach zum Beispiel das Trockenfutter an Orten verstecken, die für eine Katze nicht ganz so leicht zu erreichen sind, wie es der gut gefüllte Napf ist.

ONETZ: Zum Beispiel?

Dr. Hildegard Diermeier: Man könnte so eine Art Straße auf dem Bücherregal neben dem Kratzbaum auslegen, die erst nach einer Suche und durch einen Sprung zu erreichen ist. Aber man muss schon auch sehen, dass viele Menschen dieselben Probleme haben wie ihr Haustier – Übergewicht ist ein gutes Beispiel – und das gar nicht ändern wollen.

ONETZ: Welche Krankheiten sind bei Wohnungskatzen noch verbreitet?

Dr. Hildegard Diermeier: Depressionen können auftreten, aber auch Verhaltensweisen, die Besitzer stören. Beispielsweise können Veränderungen dazu führen, dass eine Katze nicht mehr nur die Katzentoilette nutzt. Mal sind es offensichtliche Veränderungen, beispielsweise die Geburt eines Kindes oder ein Umzug. Mal kleinere Veränderungen wie der Wechsel des Katzenstreus. Speziell beim Urinieren hilft es, nicht zu schimpfen. Man sollte versuchen, keine Distanz zu schaffen zu Neuem. Also die Katze zum Beispiel beim Wickeln zusehen lassen, wenn sie Interesse zeigt, sie mehr zu streicheln als sonst, damit sie sich nicht zurückgesetzt fühlt. Es kann aber auch sein, dass ein medizinischer Grund vorliegt. Das muss man dann prüfen lassen. Bei Umzügen, die die ortsgebundenen Katzen unter Stress setzen, können Bachblüten und Globuli eingesetzt werden. Außerdem sollte man die Tiere langsam Raum für Raum an die neue Umgebung gewöhnen und den Nachbarn vorstellen, damit sie nicht andernorts angefüttert und heimisch werden.

ONETZ: Jede Katze ist anders, und doch gibt es gemeinsame Grundbedürfnisse. Welches Katzenstreu empfehlen Sie?

Dr. Hildegard Diermeier: Ich empfehle keine bestimmte Marke, weil es da meiner Meinung nach keine großen Unterschiede gibt, aber grundsätzlich eines, das klumpt. Die Reinigung ist viel leichter als bei nicht klumpendem Streu. Grundsätzlich sollte die Versorgung regelmäßig sein, das Füttern, Streicheln und der Check beim Tierarzt.

ONETZ: Zuweilen spielen Katzen sehr wild mit ihren Besitzern, und ihre Krallen sind scharf. Was empfehlen Sie?

Dr. Hildegard Diermeier: Auch wenn es anfangs niedlich sein mag, sollte man spielerisches Beißen nicht bestärken, sondern bewusst für Entspannung sorgen – entweder durch ein Lockerlassen oder sogar eine Beendigung der Situation. Andernfalls kann sich eine Aggression entwickeln, die man gar nicht wollte.

ONETZ: Welche Krankheiten treten bei Freigängern auf?

Dr. Hildegard Diermeier: Würmer, Flöhe, Zecken und Ohrmilben sind verbreitet. Da gibt es wenige wirksame Methoden außer einer chemischen Keule in Form von Tabletten – oder zum Schutz vor Zecken als „Spot on“-Flüssigkeit, die aufgetragen wird. Freigänger werden auch oft in Kämpfe verwickelt. Davon können Bisswunden herrühren, die auch eine Virusinfektion nach sich ziehen können, oder Abszesse. Bei Katzen, die auf Bauernhöfen groß werden, tritt auch häufig der Katzenschnupfen auf, eine Virusinfektion, die man zwar versuchen kann zu behandeln, aber immer wieder neu auftreten oder chronisch werden kann. Natürlich lernen Katzen, die aus dem Haus können, mit Autos umzugehen, dennoch leben sie weit gefährlicher als Wohnungskatzen und dadurch im Schnitt auch nicht so lang.

ONETZ: Haben Sie schon eine kuriose Katzengeschichte erlebt?

Dr. Hildegard Diermeier: (lacht) Oh ja. Eine Familie – Vater, Mutter, Neugeborenes - kamen mit ihrer Katze. Große Aufregung, denn deren Bauch war rasiert und eine noch recht frische Sterilisationsnarbe zu sehen. Es stellte sich heraus, dass die Katze sich nach der Geburt des Kindes ein zweites Zuhause gesucht hatte. Und dort, als Fundkatze, ebenfalls sorgfältig entwurmt, geimpft und eben auch sterilisiert worden war. Deshalb ist es übrigens sinnvoll, eine Katze chippen zu lassen.

ONETZ: Wo lebt diese Katze jetzt?

Dr. Hildegard Diermeier: Also wir wissen von diesen zwei Haushalten. Aber vielleicht hört sich auch noch auf einen dritten Namen – nicht.

Hintergrund:

Tierliebe findet einen Weg

Seit 26 Jahren führt Tierärztin Dr. Hildegard Diermeier ihre Kleintierpraxis in Schwandorf. Vor dem Haus halten die Statuen eines blauen Hundes und einer weißen Katze in friedlichem Miteinander Wache. Der dritte im Bunde, ein gut 1,5 Meter großer Elefant, wirkt auf Kinder wie eine Einladung zum Klettern.

Die 56-Jährige Ärztin, die in ihrer Ausbildung Station in Würzburg und Zwiesel gemacht hat, hält selbst keine Haustiere: „Vor einem Hund hätte eines meiner Kinder Angst. Er hat das Down-Syndrom, darauf nehmen wir Rücksicht. Außerdem hätte ich mit der Praxis nicht genügend Zeit, um mich gut zu kümmern.“

Stattdessen eine Katze? „Das wäre mir zu gefährlich“, winkt die erfahrene Ärztin ab, die regelmäßig Unfallpatienten versorgt. „Sie würde den Weg zur Naab dort drüben suchen und müsste dafür über die stark befahrene Frondorfer Straße.“

Wenn auch kein Tier in ihrem Haus ist, so tummeln sich doch viele im schmuck angelegten und doch naturnahen Garten. Er umrahmt die Praxis und das benachbarte Wohnhaus. „Mir ist wichtig, dass Tiere hier Nahrung und Unterschlupf finden. Schauen Sie, wie viele Vögel herum fliegen. Das ist doch herrlich“, zeigt sie auf Obstbäume und Hecken.

Und wie zum Beweis, wie gut es ihm geht, wippt ein pechschwarz glänzendes Amselmännchen auf dem Staketenzaun. (mvs)

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