21.02.2020 - 18:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dialektgebiete mit besonders auffälligen Merkmalen

Die Kleinräumigkeit von Dialekten ist ein Phänomen, das hinlänglich bekannt ist. Zum Teil unterscheiden sich die lokalen Ausprägungen einer überdachenden Mundart innerhalb weniger Kilometer im Detail deutlich. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Karte 19 aus dem Werk von Adolf Gütter „Nordbairischer Sprachatlas“ aus dem Jahr 1971 zeigt das Verbreitungsgebiet der dialektalen Aussprache von „Heu“ und „gleich“ (grüne Linie im Südosten). Das blau ausgewiesene Gebiet wurde im Rahmen eines Schulprojekts in die Karte eingefügt. Es kennzeichnet die Schulregion der Staatlichen Realschule Neunburg vorm Wald.
von Autor SLUProfil

Die Gründe für die historische Entwicklung dieses Sachverhalts können einerseits geographischer und andererseits politisch-administrativer Natur sein. Zwei exemplarische Orte in der Oberpfalz, die – jeder auf seine eigene Art und Weise – diesbezüglich besonders auffallen, sind Muschenried im Landkreis Schwandorf und Bad Neualbenreuth im Landkreis Tirschenreuth. Sie weisen nämlich dialektale Merkmale auf, die für die Gegend, in der sie sich befinden, sehr spezifisch sind und die sie somit von Nachbargebieten deutlich abheben.

Diese Lautmerkmale sind zum Teil derart stark ausgeprägt, dass ihre Sprecher von anderen Menschen dadurch als Bewohner ihres Ortes bzw. ihrer Region eindeutig identifiziert werden können. Dies geht umgekehrt sogar soweit, dass ganze Sätze zitiert werden, um diese Ortsbewohner zu charakterisieren. Diese Sätze nennt man Schibboleth-Sätze, das heißt Formulierungen, die sprachliche Besonderheiten enthalten, durch die sich ein Sprecher einer sozialen Gruppe oder einer Region zuordnen lässt.

Der für Muschenried allgemein gebräuchliche Satz lautet: Um drä virdl dräi grejggd ’s Käwerl sẽi Hä. Die standardsprachliche Entsprechung dafür ist: Um drei viertel drei bekommt das Kälbchen sein Heu. In Bezug auf Bad Neualbenreuth wiederum spiegelt der folgende Satz den speziellen Klang der Nordoberpfalz wider: Am Buan druam henkt a Huasn varan Mõa, dej haoud a Luach. Auf dem Dachboden droben hängt eine Hose von einem Mann, die hat ein Loch.

Während für Muschenried das prägnante Charakteristikum illustriert wird, dass die standardsprachlichen Zwielaute „eu“ und „ei“ als „ä“ gesprochen werden, ist für Bad Neualbenreuth der nasale Diphthong „õa“ für „a“ vor „n“ typisch. Nun ist es nicht so, dass die beschriebenen Laute nur für die erwähnten Orte allein relevant sind, wie vor allem in Bezug auf Muschenried manchmal gemutmaßt wird. Das Verbreitungsgebiet ist weitaus umfassender, was durch entsprechende Grenzlinien ( Isoglossen) belegt wird. Bei Muschenried ist dies insofern umso erstaunlicher, als sich die Isoglosse für „ä“ bis tief in den Bayerischen Wald erstreckt. Es ist eine interessante Aufgabe zu ergründen, was die Ursachen dafür sind.

Übrigens trifft folgender Satz auf die beiden behandelten Orte zu: A Bou mou dou, wos a Bou dou mou. Ein Bub muss tun, was ein Bub tun muss. Hier wird nämlich ein Lautmerkmal veranschaulicht, das für den gesamten nordbairischen Bereich von Bedeutung ist, nämlich der so genannte gestürzte Diphthong „ou“.

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