01.03.2019 - 09:27 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Auch der Dialektsprecher feiert Fasching

Als sogenannte fünfte Jahreszeit hat der Fasching einen besonderen Stellenwert im Jahresablauf, und, je nach Gegend, zum Teil in sehr origineller Form. Dies spiegelt sich in den Bräuchen, den Veranstaltungen und auch in der Sprache wider.

Im Fasching bietet sich die Gelegenheit, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Im vorliegenden Fall ist es jene des Oberviechtacher Barockpredigers Pater Balthasar Knellinger SJ.
von Autor SLUProfil

Die Fernsehprogramme sind voll von Sendungen, in denen die mundartliche Färbung der Büttenredner in der jeweiligen regionalen Ausprägung zum Markenzeichen gehört. Das Paradebeispiel ist „Fasnacht in Franken“, das jedes Jahr Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme lockt. Im Jahr 2014 führte dies sogar dazu, dass sich Norbert Neugirg von der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ und Sitzungspräsident Bernd Händel in der „tz“ ein Dialektduell lieferten, das Neugirg in der ihm eigenen Art mit folgenden Sätzen begann: „Mia in da Oberpfalz saan frouch, dass mir sua weit vo Minchn weeg saan. Sua hom ma unan Rouh vor dem ganzn Gschwerl, des uns unan Dialekt versaua kannt. Grood in da heidinga Zeid zeigt sa se wieda, dass gscheida is, wenn ma wecha dem Preißngsooch und dem englischn Gwaawl sein Dialekt niat aafgit.“

Der Inhalt dieser Aussagen ist heftig, aber durch den Anlass und den Dialekt wird er dermaßen relativiert, dass er mit einem augenzwinkernden Schmunzeln zur Kenntnis genommen wird. Es ist halt Fasching, und da darf man schon mal verbal über die Stränge schlagen, ohne dass jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird.

Letztes Jahr wäre dieser „Freibrief“ den Altneihauser Spritzenmännern fast zum Verhängnis geworden, als sie die Gattin des französischen Staatspräsidenten, Brigitte Macron, derart durch den Kakao zogen, dass in den Augen mancher Besucher und Zuschauer die Grenze des guten Geschmacks überschritten wurde. Vom Verfasser dieser Kolumne bei einer zufälligen Begegnung darauf angesprochen, meinte ein Mitglied der Truppe lapidar: „Des mous àshaltn!“ – ganz nach dem Motto „Lustig ist die Fasenacht“.

So beginnt ein Vers, der früher bei uns sehr verbreitet war und auf die Tatsache anspielte, dass zu Fasching immer ein typisches Oberpfälzer Gebäck hergestellt wurde, nämlich „Grapfn“ und „Kejchl“ in verschiedenen Variationen. Der gesamte Wortlaut liest sich (in einer individuellen ortsspezifischen Variante) folgendermaßen: „Lustig is die Fosenacht, wàl mei Muader Kejchl bacht. Wenn sie ower koine bacht, dann pfeife àf die Fosenacht.“

Ein anderes Beispiel aus dem Bereich der Bräuche gibt Zeugnis von der rustikalen Derbheit, mit der im Fasching sowohl in Bezug auf die Tätigkeit als auch auf den sprachlichen Ausdruck dafür zu Werke gegangen wurde bzw. wird. Die Rede ist vom „Oaschbaoussn“.

In Band 7/2008 der „Oberviechtacher Heimatkundlichen Beiträge“ schreibt Hubert Teplitzky (S. 117 - 118) zu diesem Brauch: „Nach dem Ende des Tanzens am Faschingsdienstag versperren junge Burschen den Tanzsaal, in dem sich noch alle jungen Mädchen aufhalten. Mit einem Holzbrett und einem Holzhammer stehen sich am Ausgang. Jedes Mädchen wird durch zwei Burschen festgehalten und mit dem Oberkörper nach unten gedrückt. Ein weiterer Gehilfe hält das Brett auf ihr Hinterteil, und der vierte schlägt mit dem Hammer (= „baousst“) dreimal auf das Brett. [...] Bei diesem Akt handelt es sich um ein Fruchtbarkeitssymbol.“ Helau!

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