02.08.2021 - 16:55 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dritte Corona-Schutzimpfung steht noch in den Sternen

"Wir würden parat stehen, aber die Sache ist noch nicht spruchreif." Manuel Lischka, der stellvertretende Pressesprecher des Landratsamtes in Schwandorf, hält sich beim Thema "dritte Impfung" bedeckt. Aus einem guten Grund.

Für eine dritte Impfung, besonders für Ältere, gibt es einige Gründe. Unter anderem die Beobachtung, dass die Konzentration von Antikörpern gegen Sars-CoV-2 sowohl bei Geimpften als auch bei genesenen Covid-Patienten im Zeitverlauf wieder nachlässt.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die sogenannte dritte Impfung gegen das Coronavirus ist seit einigen Wochen ein Thema, das weltweit kontrovers diskutiert wird. Pfizer und sein deutscher Partner Biontech hatten im Juli angekündigt, vor dem Hintergrund der hochansteckenden Delta-Variante bei den Zulassungsbehörden in den USA und Europa innerhalb der nächsten Wochen die Genehmigung einer dritten Dosis als Booster-Impfung zu beantragen. Hintergrund ist zum einen die generelle Beobachtung, dass die Konzentration von Antikörpern gegen Sars-CoV-2 sowohl bei Geimpften als auch bei genesenen Covid-19-Patienten im Zeitverlauf wieder nachlässt. Zum anderen die Tatsache, dass die Wirkung der Impfstoffe gegenüber neuen Varianten des Coronavirus im Vergleich zur Ursprungsvariante offenbar etwas schwächer ausfällt.

Der Pfreimder Arzt Dr. Richard Bugl vom B.A.D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik Zentrum, der schon zahlreiche Menschen im Landkreis Schwandorf gegen Sars-CoV-2 geimpft hat, weist mit Blick auf eine mögliche dritte Impfung aber darauf hin, dass die US-amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA und die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA der Angelegenheit noch skeptisch gegenüberstehen. "Das deutsche Robert-Koch-Institut wankt diesbezüglich," ergänzt er.

Impfzentrum stünde parat

Wie Manuel Lischka von der Kreisverwaltung dazu sagt, verlangen die Gesundheitsbehörden noch mehr Daten, um eine seriöse Entscheidung treffen zu können. Denn nach Einschätzung der EU-Arzneimittelbehörde ist es für eine mögliche Zulassung mangels Daten aus den laufenden Impfkampagnen noch zu früh. Die EMA zeigte sich aber zuversichtlich, dass das gegenwärtige Programm mit zwei Impfungen ausreiche.

Das deckt sich auch mit Aussagen aus dem Nabburger Impfzentrum, wo es hieß, dass dort zur dritten Impfung noch keine Informationen vorliegen würden. Natürlich hat man sich schon Gedanken gemacht, aber noch keine konkreten Überlegungen entwickelt, wie Manuel Lischka andeutet: "Wir würden parat stehen, aber das ist noch nicht spruchreif." Da noch nichts angeordnet wurde, bleibt das meiste im Bereich des Vagen. Soviel aber scheint laut Lischka klar: "Sollte es zu einer dritten Impfung kommen, dann würde sie mobil in Seniorenheimen erfolgen, wie bei der ersten Impfung".

Nachdem in Amerika die dritte Impfung von der FDA nicht bewilligt wurde, "steht das Thema bei uns in den Sternen". Grundsätzlich gelte es, zu warten, was die Ständige Impfkommission in Deutschland empfehle. "Aber ich gehe davon aus, dass die erst einmal das Datenmaterial auswerten," so Lischka. Derweilen werden auf übergeordneten politischen Ebenen wohl schon Weichen in Richtung dritte Impfung gestellt.

Bayern will handeln

Der Freistaat Bayern bereite sich darauf vor, im Herbst Auffrischungsimpfungen gegen Corona anzubieten, Organisation und Ausrichtung der Impfzentren würden angepasst, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Ihm geht es um alle Hochbetagten sowie Menschen mit Immunschwäche und Pflegebedürftige. Verimpft werden sollen grundsätzlich die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna, unabhängig davon, ob vorher etwa die Impfstoffe von Astrazeneca oder Johnson & Johnson verwendet wurden. Das sollte am Montag, 2. August, auch Thema bei der Gesundheitsministerkonferenz sein.

Johnson & Johnson und Astrazeneca gegen Delta-Variante weniger wirksam

Weiden in der Oberpfalz

"Sollte es zu einer dritten Impfung kommen, dann würde sie mobil in Seniorenheimen erfolgen, wie bei der ersten Impfung."

Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamts Schwandorf

Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamts Schwandorf

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