20.08.2019 - 14:38 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dritter Anlauf für Sommer

Rudi Sommer will Landrat werden. Der Kreisrat von Bündnis90/Die Grünen hat das Vertrauen seiner Partei. Neben dem Chefsessel im Amt verfolgt Sommer noch ein weiteres Ziel.

Rudi Sommer (63) aus Bruck tritt am 15. März 2020 für Bündnis 90/Die Grünen als Kandidat für das Amt des Landrats an. Auf den Kreisrat entfielen bei der Nominierungsversammlung alle gültigen Stimmen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ziel ist eine Kreistags-Fraktion, an der niemand mehr vorbeikommt.

Rudi Sommer, Landratskandidat von Bündnis90/Die Grünen

Nach 40 Jahren in der Politik wollte er aufhören. Jetzt aber seien die Zeiten zu bedrohlich, um zu schweigen, sagte Rudi Sommer am Montag in der Schwandorfer Taverne Olympia (Schützenheim). Deshalb trete er als Landratskandidat für die Grünen an, betonte Sommer in seiner Bewerbungsrede. Zum dritten mal. Bezirksvorsitzende Tina Winklmann hatte ihn den 17 anwesenden Mitgliedern vorgeschlagen, weitere Bewerber gab es nicht. Es werde Zeit, dass grüne Politik im Landkreis bestimmend werde, sagte Winklmann.

Schweigen, sagte Sommer in seiner rund halbstündigen Bewerbungsrede, könne er nicht angesichts der Ignoranz, die in anderen Parteien beim Thema Umwelt- und Klimapolitik vorherrsche. Deshalb wolle er mit beständigen Diskussionen, Überzeugungsarbeit und Initiativen für diese Ziele zu kämpfen. Es gelte, die "Lebensgrundlagen für uns und die kommenden Generationen zu erhalten, oder treffender gesagt, zu retten".

"Wenn man sich mit den wissenschaftlichen Fakten beschäftigt, dann müssen wir davon ausgehen, dass wir nur noch zehn Jahre haben, um das 1,5 Grad Ziel einzuhalten. Überschreiten wir diese 1,5 Grad wird es unübersichtlich, sprich unkontrollierbar", sagte Sommer. "Eine Umkehr ist nicht wirklich erkennbar". Immerhin habe ein großer Teil der jungen Menschen erkannt, dass "diese Entwicklung und diese Politik ihre Zukunft zerstört". Es werde dauern, bis die jungen Leute die Verantwortung übernehmen. "Das heißt, dass wir hier, die mehr oder weniger über 20-Jährigen, Verantwortung übernehmen müssen", sagte der 63-Jährige.

Das bedeute konkret, ökologische Notwendigkeiten radikal und schnell umzusetzen. "Das hier im Landkreis mit euch gemeinsam zu machen, sehe ich als meine grundlegende Aufgabe". Vor zwölf Jahren hätten die Grünen im Kreistag endlich Fraktionsstatus erreicht. "Ziel ist eine Kreistags-Fraktion, an der niemand mehr vorbeikommt, die gemeinsam mit zukunftsinteressierten und verantwortungsvollen Mandatsträgern und Parteien zusammenarbeitet", sagte Sommer. Prämisse der Zusammenarbeit sei der Umwelt- und Klimaschutz, "darunter geht nichts". Die ÖDP im Kreistag habe versagt, es sich im Schoß der CSU bequem gemacht, reihenweise Anträge der Grünen abgelehnt und ihre ureigenen Ziele verleugnet. "Ich will nicht, dass die Grünen in sechs Jahren so wahrgenommen werden."

Schulen, Sozialhilfe, Kultur, Tourismus, Öffentlicher Personennahverkehr, Wirtschaft, Müllentsorgung: Die Aufgaben des Landkreises seien vielfältig. Erhalt und Sanierung der Infrastruktur müsse nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet werden. Die Ökologie müsse Vorrang vor der Ökonomie haben, sagte Sommer. Letztlich habe sich gezeigt, dass ökologische Lösungen auch wirtschaftliche Vorteile bringen. "Wir brauchen nicht mehr Straßen, wir brauchen weniger Autos und Lkw, dafür mehr ÖPNV und Güter auf der Schiene". Dazu gebe es Konzepte und Lösungen. Sommert verwies darauf, dass der Anbau des Landratsamts auf seine Initiative hin in ökologischer Holzbauweise entstehe. Es sei fatal und unverantwortlich, wenn Politiker Windkraft- oder Photovolatikanlagen "aus optischen Gründen" ablehnten. Ein Klimaschutzmanager für den Landkreis sei dringend erforderlich. "Die regenerativen Energien sind unser wichtigster Verbündeter im Kampf gegen die Klimakatastrophe und für den Erhalt des Wohlstands"; sagte Sommer. Die Klimakatastrophe sei nicht "irgendwo, weit weg", sondern längst angekommen. Forts- und Landwirtschaft würden schon jetzt unter den Auswirkungen leiden. Der große Zuspruch zum Begehren "Rettet die Bienen" müsse Ansporn sein, diesen Erfolg in parlamentarische Mehrheiten umzumünzen.

Die Nominierung Sommers zum Landratskandidaten war eine Formalie. Sommer erhielt 15 von 17 abgegebenen Stimmen, zwei waren ungültig. Ihre Kreistagsliste wollen die Grünen im Herbst aufstellen.

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