20.09.2020 - 11:36 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Drogen: Schwandorfer Jugendschöffengericht schickt junge Mutter in Arrest

Wegen ihres Drogenmissbrauchs sind ihre beiden Kinder in einer Pflegefamilie untergebracht. Von Crystal kann eine 21-Jährige dennoch nicht lassen. Jetzt gibt's die juristische Quittung.

Mit rund 4,5 Gramm Crystal Meth in der Handtasche (hier ein Bild aus einem anderen Fall) wurde im Januar eine junge Frau in Schwandorf erwischt.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Es gibt Geschichten, die das Leben wirklich schreibt - und solche, die vor Gericht erzählt werden, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. In die zweite Kategorie stufte das Schwandorfer Jugendschöffengericht am Dienstag unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer die Story ein, die eine 21-Jährige aus dem Landkreis Schwandorf auftischte. Sie musste sich wegen Drogenbesitzes verantworten. Knapp 4,5 Gramm Crystal hatte die Polizei bei einer Kontrolle im Januar bei ihr gefunden.

Unterwegs zur Beerdigung der Uroma will die junge Mutter während der Zugfahrt bemerkt haben, dass sie keine Taschentücher dabei hatte. Da traf es sich gut, dass jemand im Abteil eine Packung Abschminktücher vergessen hatte. Die habe sie eingesteckt, erzählte die junge Frau.

Genau in dieser Packung fanden Polizeibeamte später Rauschgift: Knapp 4,5 Gramm Crystal. Ins Visier war die junge Frau geraten, weil sie als Beifahrerin mit einem Schwandorfer unterwegs war, der als Drogenkonsument bekannt ist. "Ich wusste nichts von den Drogen", sagte die junge Frau. Sie wisse schon, dass das schwer zu glauben sei, bei ihrer Vorgeschichte.

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Haarprobe entnommen

Vor- und Nachgeschichte hätte es besser getroffen. Denn nach der fälligen Festnahme wurde ihr eine Haarprobe entnommen. Ergebnis: Gelegentlicher bis regelmäßiger Konsum von Crystal Meth, auch von Haschisch. Und: Es laufen weitere Ermittlungen wegen Drogen gegen die 21-Jährige, die die Zeit nach dem Januar betreffen. Das Register weist fünf Vorstrafen aus. Dass sie Drogenkonsumentin ist, wissen die Behörden. Die beiden kleinen Kinder der jungen Mutter sind deshalb bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Die Story vom zufälligen, unwissentlichen Drogenfund im Zug verwies Staatsanwalt Holger Bluhm ins Reich der Fabel. Seine Forderung nach acht Monaten Jugendstrafe (die Frau war zum Tatzeitpunkt Heranwachsende) zur Bewährung, samt "Warnschuss-Arrest", Arbeitsstunden und Therapie-Auflage wollte er als Hilfsangebot verstanden wissen: "Sie müssen in die Spur kommen", sagte er zu der jungen Frau. Ohne Druck funktioniere das nicht. "Es ist fünf vor zwölf für die Angeklagte selbst. Sie muss kapieren, dass Sie sonst komplett in die Drogenkarriere abdriftet." Verteidigerin Selina Riemer plädierte dagegen für eine weitere Chance: Die Frau solle einen mehrwöchigen Arrest absitzen, Vorverurteilungen mit einbezogen.

Unentgeltlich arbeiten

"Eine Jugendstrafe sehen wir als noch nicht notwendig an," sagte Amtsgerichtsdirektorin Froschauer in der Urteilsbegründung. Die Eisenbahn-Story wollte auch das Gericht nicht glauben. Das Jugendschöffengericht sprach die junge Mutter wegen Drogenbesitzes schuldig. Drei Wochen Jugendarrest muss sie nun absitzen, außerdem 120 Stunden unentgeltlich arbeiten. Ob das das letzte juristische Wort ist, ist noch offen. Noch schwebt das Damoklesschwert einiger Ermittlungen über der Frau, die sich aktuell um eine Therapie bemüht.

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