Schwandorf
28.12.2020 - 16:07 Uhr

Drogendealer mit krimineller Energie

Wegen seines eigenen Drogenkonsums wurde ein 24-jähriger Schwandorfer schon mehrmals straffällig, war einmal sogar in einen regelrechten Krimi verwickelt. Vor dem Amberger Schöffengericht musste er sich nun erneut verantworten.

Ein 24-jähriger Schwandorfer musste sich wegen mehrerer Drogendelikte vor dem Schöffengericht Amberg verantworten. Symbolbild: Oliver Berg/dpa
Ein 24-jähriger Schwandorfer musste sich wegen mehrerer Drogendelikte vor dem Schöffengericht Amberg verantworten.

Vor dem Amtsgericht Amberg wurde über einen Fall eines alten Bekannten verhandelt. Der gefesselt von Polizisten vor das Amberger Schöffengericht geführte 24-Jährige hatte 2018 schon einmal für Schlagzeilen gesorgt. Damals war er mit dabei, als ein zahlungssäumiger Rauschgiftkunde kurzerhand in ein Auto verfrachtet und in die Nähe von Neunburg vorm Wald gebracht wurde. In einer abseits gelegenen Hütte wurden ihm Fesseln angelegt und darauf gedrungen, 2000 Euro herauszurücken. Das Opfer hatte nur 20 Euro dabei, doch seine Peiniger hörten von ihm, dass es einen Geldgewinn von 65.000 Euro über ein Internet-Casino gebe. Daraufhin wurde der Drogenabhängige freigelassen. Weil der 24-Jährige bis dahin nicht vorbestraft war, bekam er zwei Jahre mit Bewährung.

Kaum wieder auf freiem Fuß, begann der arbeitslose Schwandorfer erneut damit, zur Finanzierung seines Eigenkonsums einen offenbar schwunghaften Drogenhandel aufzuziehen. Die Geschäfte flogen auf, als Polizisten in der Kreisstadt rein routinemäßig zwei junge Männer kontrollierten und Rauschgiftportionen bei ihnen fanden. Die Festgenommenen machten Angaben, nannten ihre Quelle und brachten so ein umfangreiches Verfahren in Gang.

Amberger Kriminalbeamte durchsuchten die Wohnung des 24-Jährgen und schrieben danach in die Sicherstellungsliste: 73 Gramm Kokain, sieben Gramm Crystal Speed, 44 Gramm Marihuana. Das war wohl nur eine Momentaufnahme. Denn es konnte ermittelt werden, dass von der Unterkunft des Mannes aus weitere 50 Gramm Marihuana und sieben Gramm Metamphetamin an Abnehmer veräußert wurden. Allerdings war der 24-Jährige damals auf der Flucht. Als man ihn Wochen später stoppte, gab er sich gegenüber Polizeibeamten als sein eigener Bruder aus.

Das war noch nicht alles, was Staatsanwalt Holger Bluhm dem Beschuldigten vorhielt. In Schwandorf wohnte eine drogenabhängige junge Frau, die heuer im Frühjahr Rauschgiftbestände in ihrer Unterkunft für den 24-Jährigen aufbewahrte und dafür jeweils fünf Gramm Crystal Speed pro Woche gratis von dem Dealer erhielt. 27 solcher "Geschenke" hatte der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift aufgelistet.

"Mein Mandant räumt alles ein", sagte Verteidiger Gunther Haberl. Damit war für das unter Vorsitz von Kathrin Rieger tagende Schöffengericht der Weg frei für einen relativ kurzen Prozess. Wesentlich war dabei, was ein medizinischer Sachverständiger sagte. In seinem Gutachten hieß es: "Der Mann ist therapiebedürftig." Damit kamen die Richter an einer Einweisung in den Drogenentzug nicht vorbei. "Was da in Schwandorf vor sich ging, war keine Lappalie", beschrieb Staatsanwalt Bluhm den Fall. Er nannte den 24-Jährgen einen von krimineller Energie getriebenen Mann und verlangte vier Jahre Haft. Einer beim Angeklagten anzuordnenden Therapie widersetzte sich Bluhm nicht. Darauf zielte auch Verteidiger Haberl ab. Er rief das lückenlose Geständnis seines Mandanten ins Gedächtnis und empfahl den Richtern, bei der Strafzumessung nicht höher als zweieinhalb Jahre zu gehen.

Das Schöffengericht verhängte drei Jahre und zehn Monate Haft. Parallel dazu wurde eine mindestens 18 Monate dauernde Entzugsmaßnahme angeordnet. Nach dieser Entscheidung könnte es sein, dass die noch offene Bewährung zu zwei Jahren Gefängnis, die das Amberger Landgericht in sein Urteil geschrieben hatte, widerrufen wird. Dies hätte zur Folge, dass der Dealer, der offenbar einen größeren Kundenkreis im Raum Schwandorf versorgte, nahezu sechs Jahre hinter den Mauern einer Justizvollzugsanstalt verschwindet.

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