10.08.2018 - 16:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Erfolg und Enttäuschung trennt oft nur ein Federstrich

Rudolf Reger geht als dienstältester Wirtschaftsförderer Bayerns in den Ruhestand. Den Aufstieg des Landkreises hat er hautnah begleitet.

Ausgeräumt war das Büro von Wirtschaftsförderer Rudolf Reger an seinem letzten Arbeitstag am Donnerstag noch nicht. Bis zuletzt gab's einige Termine. "Ich muss nochmal reinkommen, in aller Ruhe", sagte Reger.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Es war noch mitten in der Auseinandersetzung um die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA), als Landrat Hans Schuierer ihn 1987 zum Wirtschaftsförderer machte. Da hatte Rudolf Reger gerade ein halbes Jahr seine Ausbildung am Landratsamt abgeschlossen. "Mit Unternehmern, Betriebsleitern, Handwerkern zusammenarbeiten: Das schaut doch gut aus", habe er sich damals gedacht, erzählt Reger. Seit Donnerstag ist der 64-Jährige nun Pensionär.

Beim Gespräch im "Blickpunkt" des Landratsamts wird deutlich: Da sitzt einer, der seine Aufgabe mit Leib und Seele erfüllt hat. Bei allen Enttäuschungen, die es auch gab. Ein bisschen Stolz darf da mitschwingen, wenn Reger auf eine Statistik blickt. 1987 wurden im Landkreis gut 36 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gezählt, 2017 waren es fast 55000. Das schreibt sich Rudolf Reger freilich nicht auf die Fahne. "Ich war der Vermittler zwischen Interessenten, dem Amt, den Gemeinde, den Grundstückseigentümern."

Conrad als Flaggschiff

Gerade aus Grundstücksverhandlungen könnte Reger Romane erzählen. Etwa bei der "Conrad"-Ansiedlung in Wernberg-Köblitz. Für die Fläche lief damals das Flurbereinigungsverfahren. Teils waren die Grundstücke schon neu zugewiesen, verpachtet, der Eigentümerwechsel aber noch nicht verbrieft. "Da brauchst du den Eigentümer, den Besitzer, den Pächter." Die Direktion für ländliche Entwicklung hat ihm damals abgeraten, das anzupacken. "Ich hab's dann probiert", erzählt Reger. Die Eigentümerin der größten Fläche zum Verkauf zu bewegen, hat Zeit gebraucht. Da kam Reger zugute, dass er aus Wernberg-Köblitz stammt. Schließlich konnte Reger den Conrad-Verantwortlichen die Kaufverträge auf den Tisch legen, vor der Konkurrenz aus dem Nachbarlandkreis. "Tempo ist immer wichtig", weiß Reger. Auch, als Conrad die Wernberger Burg in ein Spitzenhotel verwandelte, hatte Reger seine Finger unterstützend im Spiel. Es mussten Bedenken des Denkmalschutzes ausgeräumt werden. Der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair wurde eingeladen - Problem gelöst.

Das WAA-Aus brachte Reger damals Anfragen zuhauf auf den Tisch. Die Entscheidung lag federführend bei der DWK als Eigentümer. Namen wie Gert Wölfel (DWK-Vorstandsmitglied) und Udo Geflitter (BMW), dem "Vater des Innovationsparks", fallen. "Wilden" aus Pfreimd siedelte als einer der ersten an, Sennebogen, Stahl folgten: Start einer Erfolgsgeschichte. Mit "Laepple" fand sich ein Unternehmen, für das die riesigen Hallen des ehemaligen Stahlwerks in Maxhütte-Haidhof genau passten, erinnert sich Reger. Und daran, wie er monatelang mit einem Eigentümer verhandelte, um die Flächen für das Netto-Zentrallager an der A 93 bei Ponholz zu bekommen. "Da musst du Vertrauen aufbauen, ehrlich sein."

Auch Enttäuschungen

Vor seiner Zeit am Landratsamt war Reger Soldat, leistete zwölf Jahre Dienst beim Panzerbataillon 114 in Neunburg vorm Wald. Mit der Kaserne verbindet sich auch seine größte Enttäuschung: "Ein Jahr Arbeit war mit einem Federstrich weg.". Ein großer Baumaschinenhersteller aus den USA wollte hier ein Testzentrum bauen. Alles schien in trockenen Tüchern, dann schlug die Finanzkrise 2008 zu. Der Hersteller legte alle Vorhaben auf Eis. "Ich habe ich mir erst mal ein paar Tage freigenommen," erzählt Reger. "90 Prozent der Arbeit sind nicht von Erfolg gekrönt, das weiß man. Oft geht es den Interessenten auch nur um Vergleichsangebote". Bei einem Treffen der bayerischen Wirtschaftsförderer kürzlich in Ansbach stellte sich heraus, dass Reger der Dienstälteste im Freistaat ist. Seit Donnerstag ist Schluss. "Es hat Spaß gemacht", zieht Reger, der seit 20 Jahren in Nabburg lebt, zufrieden Bilanz. "In ein Loch falle ich sicher nicht." Jetzt geht's erst einmal in Wanderurlaub. Seine beiden Motorräder warten auch auf Ausfahrten.

Nachfolger:

Meyer und Hauser

Die Nachfolge für Rudolf Reger ist natürlich schon geregelt. Die Wirtschaftsförderung liegt in den Händen des Sachgebietsleiters des Büros für Kreis- und Regionalentwicklung, Christian Meyer. Die Aufgabe des Breitbandbeauftragten hat Dominik Hauser übernommen (wir berichteten). Ihm steht Reiner Kolloch zur Seite. Der Posten des zweiten stellvertretenden Pressesprechers, den Reger auch inne hatte, ist noch nicht vergeben. (ch)

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