30.09.2020 - 16:04 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ernte im Landkreis Schwandorf "durchschnittlich bis gut"

Die meisten Bauern im Landkreis Schwandorf sind ganz zufrieden mit der diesjährigen Ernte - habe es doch immer genau dann geregnet, wenn es die Felder brauchten. Doch an ein Erntedankfest oder den Markt ist dennoch nicht zu denken.

Josef Witmann, Hubert Piehler, Manuela Pronath, Sabine Schindler, Heike Klein und Josef Irlbacher (von links) werben mit dem neuen BBV-Slogan „Wir sind für euch da“ beim Verbraucher für Vertrauen.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

„Wir wollen uns die Freude trotz Corona nicht nehmen lassen“, erklärt Josef Wittmann. Der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes ermuntert die Verbraucher, die Natur auf sich wirken zu lassen, inne zu halten und „das Zwiegespräch mit dem Herrgott“ zu suchen. Offizielle Feierlichkeiten zum Erntedankfest wird es nicht geben.

Regen kam noch rechtzeitig

„Über die Erträge können wir uns heuer nicht beschweren“, versicherte BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher bei der Erntebilanz am Mittwoch in den Räumen des Tierzuchtzentrums. Mit Ausnahme der Wintergerste, die unter dem späten Frost zu leiden hatte, habe man „durchschnittlich bis gute Erträge“ erzielt. Für den Winterweizen sei noch rechtzeitig Regen gefallen, und auch für den Mais und die Kartoffel habe die Witterung gepasst. „Wir haben immer wieder Regen zum richtigen Zeitpunkt bekommen“, stellte Josef Irlbacher im Rückblick fest.

Die Bauern hätten demnach allen Grund, gemeinsam Erntedank zu feiern. Wäre da nicht die Corona-Pandemie. „Sie entschuldigt zur Zeit alles“, sagt Hubert Piehler, Vorsitzender der „Interessensgemeinschaft Oberpfälzer Bauernmarkt“. Er musste den Erntedankbauernmarkt absagen und hat auch für die Verbrauchermesse vor Weihnachten „wenig Hoffnung“. Der Direktvermarkter aus Irrenlohe meldet zwar mehr Umsatzsteigerungen in den Hofläden, „dafür sind aber die Aufträge für Catering und Gastronomie weggebrochen“. So mancher Verbraucher wolle sich „dem Druck des Supermarktes entziehen“ und kaufe vermehrt bei regionalen Anbietern ein. „Auch die Wochenmärkte laufen gut“, stellt Hubert Piehler fest. Und noch eine positive Veränderung nimmt er wahr: „Die Eltern waren plötzlich mit ihren Kindern zu Hause und begannen wieder zu kochen und gemeinsam zu essen“.

Landfrauen sind enttäuscht

Wen die Absage der Bauernmärkte „schwer trifft“, sind die Landfrauen. „Wir hatten wieder alles so schön geplant“, sagt Kreisbäuerin Sabine Schindler - nun falle alles aus. Sie vermisst die Feier des Erntedankgottesdienstes und den Kontakt zum Verbraucher. Ein Stück bäuerlicher Tradition gehe verloren. Der Landwirt arbeite das ganze Jahr darauf hin, eine gute Ernte einzufahren und die Bilanz auch gemeinsam zu feiern. Das falle nun in diesem Jahr aus, bedauert Sabine Schindler.

BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann will sich die Lebensfreude dennoch nicht nehmen lassen und betont: „Uns geht es gut, wir können trotz Corona das Leben und die Natur genießen“. Diese Botschaft gibt er an den Verbraucher weiter mit dem neuen Slogan des Bayerischen Verbandes: „Wir sind für euch da“. Die Versorgung der Bevölkerung mit „hochwertigen Lebensmitteln“ sei sichergestellt. Wittmann erwartet von der Bevölkerung im Gegenzug mehr Anerkennung für die Leistung der Landwirte.

Die Getreideernte wurde Mitte August abgeschlossen, die Kartoffel- und Silomaisernte laufe derzeit auf Hochtouren, so Josef Irlbacher. Ferner würden die Äcker neu bestellt und die Wintergerste ausgesät. Gerade zum Erntedank werde der ständige Kreislauf von Aussaat, Wachstum und Ernte deutlich, erklärt der Kreisobmann.

Im Sommer wurden Erntehelfer gesucht

Schwandorf
Im Blickpunkt:

Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Landkreis beträgt 57.837 Hektar. Davon entfallen 41.500 Hektar auf Ackerland und der Rest auf Grünland. Hinzu kommen 64.353 Hektar Waldfläche. Auf knapp der Hälfte des Ackerbodens bauen die Landwirte Getreide an, vor allem Wintergerste (7154 ha) und Winterweizen (5277 ha). 27,9 Prozent der Nutzfläche entfallen für den Maisanbau, 12,8 Prozent für Feldfutter (Erdbeeren, Spargel, Hirse und Hanf). Der Kartoffelanbau dagegen ist weiter rückläufig und reduziert sich auf eine Fläche von 1083 Hektar. „Die Kartoffelerzeugung ist aufwändig und witterungsabhängig“, erklärt BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann den Rückgang.

Die Landwirte im Landkreis haben heuer „eine durchschnittlich bis gute Ernte“ eingefahren, wie der Bayerische Bauernverband mitteilt.
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