(rhi) Aufgeschrieben hat die Erinnerungen der katholische Geistliche Hans Freymüller, der in Schwandorf als Religionslehrer gewirkt und die Erlebnisse an der Westfront in einer Reihe von Artikeln aufgeschrieben hat. Der Historiker Erich Zweck nahm sich der Schriften an, spürte weitere Quellen auf und brachte mit Stadtarchivar Josef Fischer eine zeitgeschichtliche Dokumentation heraus.
Ein Jahr Recherche
In 50 Folgen schrieb Hans Freymüller in einer Beilage des damaligen "Schwandorfer Tagblatts" die Kriegsgeschehnisse nieder. "Erschütternd und packend zugleich" sei es, was darin zu lesen ist, sagte Erich Zweck bei der Buchvorstellung am Donnerstag im Rathaus. Ein Jahr lang hat der pensionierte Studiendirektor recherchiert, Unterlagen im bischöflichen Archiv in Regensburg gefunden, Verwandte des Geistlichen befragt und schließlich Einblick in die Personalakte genommen.
Hans Freymüller ist 1893 in der Nähe von Straubing geboren und war 1914 zum Kriegsdienst eingezogen worden. Er schrieb auf, was er in den Schlachten an der Somme und bei Verdun erlebte. Der Feldwebel und Träger des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse wurde zweimal verschüttet, geriet in einen feindlichen Gasangriff und schließlich in englische Gefangenschaft.
Zum Priester geweiht
Nach dem Krieg studierte Hans Freymüller Theologie und wurde 1924 zum Priester geweiht. 1930 kam er als Religionslehrer nach Schwandorf und begann, seine Fronterlebnisse in Vorträgen und Schriften zu schildern. Daran erinnert sich noch recht gut der pensionierte Berufsschuldirektor und Ehrenbürger Stadtrat Franz Sichler, der den Seelsorger in der "Katholischen Knabenschule" im Religionsunterricht hatte. Hans Freymüller beschreibt sich selbst als "mutigen Soldaten und tiefreligiösen Menschen", für den es eine Pflicht gewesen sei, sein Vaterland zu verteidigen. 1941 bewarb sich der Geistliche um eine eigene Pfarrei und zog weg aus Schwandorf. Am 18. Juni 1967 starb er im Alter von 73 Jahren.
Das Buch von Erich Zweck erzählt auf 146 Seiten die Erlebnisse des Kriegsteilnehmers. Der Autor fertigte die Dokumentation mit Unterstützung "zahlreicher Kontaktpersonen und Archiven" an und bekam sogar Einsicht in die Personalakte des Priesters. "Sehr wertvoll war die Unterstützung des Schwandorfer Stadtarchivs", betonte der Historiker und dankte dabei vor allem Archivar Josef Fischer. Die Berichte Freymüllers übernahm Erich Zweck unverändert aus den einzelnen Beiträgen der Zeitungsbeilage und beließ dabei auch die damalige Rechtschreibung.
Der pensionierte Gymnasiallehrer fasst seine Eindrücke mit den Worten zusammen: "Die Darstellungen Freymüllers sind wirklich packend und ergreifend, ja zum Teil erschütternd. Vor allem, wenn er die schrecklichen Kampfszenen beschreibt". Um den Inhalt zu veranschaulichen, suchte Stadtarchivar Josef Fischer Bildmaterial heraus, das stellvertretend Schützengräben zeigt, die allerdings nicht unmittelbar mit den Schilderungen des Soldaten Hans Freymüller in Zusammenhang stehen.
Fest ohne Gottesdienst
"25. Dezember 1916 - Weihnachten ohne Gottesdienst" schreibt der Soldat Freymüller in seinem Tagebuch. "Alle sehnten sich danach, aber es war nichts zu machen". Dafür betete er: "Et in terra pax hominibus - Friede den Menschen auf Erden".
Ein Jahr lang hat der Historiker Erich Zweck für die Dokumentation über den Schwandorfer Religionslehrer recherchiert. Herausgekommen ist ein 146-seitiges Buch im DIN-A-4-Format. Es ist zum Preis von 12,90 Euro im städtischen Tourismusbüro erhältlich. Der in Regensburg lebende Autor und ehemalige Lehrer am Gauß-Gymnasium hat bereits zahlreiche Publikationen über die NS- und die Kriegszeit in Schwandorf herausgebracht.
Zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl dankte Erich Zweck und dem Stadtarchivar Josef Fischer für die Zusammenarbeit bei der Dokumentation. Die Antwort des Autors: "Sowas macht mir Spaß, da bleibe ich geistig flexibel". Archivar Josef Fischer appelliert an die Bevölkerung, Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg nicht wegzuwerfen, sondern ihm zu überlassen.
![Zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl bedankte sich beim Autor Erich Zweck (rechts) und Archivar Josef Fischer (links) für die gute Zusammenarbeit bei der Dokumentation: „Es war im Sommer 1916 an der Somme“. Bild: Hirsch Hirsch (RHI), Rudolf [RHI] (RUDOLF.HIRSCH@T-ONLINE.DE)](https://www.onetz.de/f/ic/Detailed/articlemedia/2018/06/22/e223c08e-a67d-42e2-8431-db80f93625ed.jpg)












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