05.03.2021 - 16:48 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Der erste Corona-Patient im Landkreis Schwandorf: Unternehmer nimmt Warnung ernst

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Diesen Tag wird Unternehmer Christian Wolf nicht vergessen: Am Sonntag, 8. März 2020, bekommt er als vermutlich erster Fall im Landkreis Schwandorf das Ergebnis eines Corona-Tests: positiv. Er zieht die richtigen Konsequenzen.

Unternehmer Christian Wolf traf die Infektion mit Corona im März vor einem Jahr völlig unerwartet. Er war vermutlich der erste bestätigte Fall im Landkreis Schwandorf. Eine Erfahrung, die ihn frühzeitig Vorkehrungen für die Firmengruppe in der Nahrungmittel-Industrie treffen ließ.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Alles begann mit leichten Grippe-Symptomen nach vier Tagen Skifahren in Ischgl. Am 5. März vor einem Jahr ließ sich der Unternehmer Christian Wolf auf das Coronavirus testen. Ein paar Tage später hatte er das Ergebnis, das eine Infektion bestätigte. "Glücklicherweise war ich damals nach dem Skifahren nicht in der Firma", erinnert sich der Schwandorfer, der in vierter Generation den Familienbetrieb mit rund 880 Mitarbeitern allein am Standort Schwandorf führt.

Als das Ergebnis da war, hatte der Chef des Fleisch und Wurst verarbeitenden Betriebs längst hohes Fieber und musste das Bett hüten. "Ich war acht bis neun Tage richtig krank", berichtet der heute 50-Jährige. Er habe keine Spätschäden zu beklagen, auch wenn bei ihm die Lunge angegriffen war, sagt er und fügt hinzu: "Toi, toi, toi".

"Glück im Unglück"

Wenn er heute von "Glück im Unglück" spricht, dann hat er dabei nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Wolf-Firmengruppe im Blick. "Wer hätte damals schon geahnt, wie schlimm es kommen würde: Corona, das war in Wuhan und dann in Tirol, aber nicht bei uns," erinnert er an den Beginn der Pandemie. Doch nach seiner persönlichen Bekanntschaft mit dem Virus begriff Wolf schnell, welche Auswirkungen drohten: "Wir haben als allererste bei uns in der Firma gleich Maßnahmen ergriffen, das hat uns gerettet", ist der Unternehmer überzeugt. Über 50 Prozent der Belegschaft wurden ins Homeoffice geschickt, dazu kamen größere Abstände in den Arbeitsbereichen, Viren-Reinigungssysteme, Trennwände und schließlich sogar ein firmeneigenes Testzentzentrum.

Hotspot Ischgl aus Expertensicht

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Als die zahlreichen Infektionen beim fleischverarbeitenden Milliardenkonzern Tönnies publik wurden, war Christian Wolf entsetzt über den Nestbeschmutzer, der eine ganze Branche in ein schlechtes Licht rückte. "Anders als Tönnies sind wir Lebensmittel-Verarbeiter, kein Schlachtbetrieb", stellt er klar, "aber man hat gemerkt, dass einfach alle in eine Schublade gesteckt wurden."

Immerhin: Die Wolf-Firmengruppe war gut vorbereitet, als sie gleich nach dem Vorfall bei Tönnies in den Fokus des Gesundheitsamts geriet. "Die waren ziemlich überrascht von den Schutzmaßnahmen, die wir getroffen hatten."

Massiv in Tests investiert

"Prävention ist das beste, um einen großen Ausbruch zu vermeiden", sagte sich der Schwandorfer Unternehmer und setzte auf eine umfassende Test-Strategie - mit eigenem Testzentrum. "Jede Woche machen wir hier etwa 2500 Tests", berichtet der Geschäftsführer, das koste die Firma im Monat 200 000 Euro. "Die Mitarbeiter nehmen das an, wer am Montagmorgen mit ein bisserl Halskratzen ankommt, hat schnell Sicherheit." Etwa 30 positive Fälle habe man nun in der zweiten Welle rausgefischt, schätzt der Chef. Seine größte Sorge: die langsamen Fortschritte bei der Impfung. "Solange wir damit nicht schneller voran kommen, werden wir nicht zur Normalität zurückkehren", bedauert er und wünscht sich ein flotteres und unbürokratischeres Vorgehen.

"Wir haben das Glück, dass wir in der Lebensmittelbranche weiter liefern können", weiß Wolf, wenn er sich mit anderen, beispielsweise in der Gastronomie, vergleicht. "Aber die Angst, dass sich Leute anstecken, ist immer da."

Dazu kommt die Stimmung, im Betrieb und nach Feierabend. "Die Leute fühlen sich eingesperrt", stellt er fest und zögert doch, wenn er nach seiner Ansicht zum Ende des Lockdowns gefragt wird. "Wenn man ehrlich ist, sollte man lieber viel geschlossen lassen," gesteht Wolf, aber die Geschäfte täten ihm so leid: "Wir müssen halt ein Mittelmaß finden."

Die Firma Wolf hat sich am Standort Schwandorf ein eigenes kleines Testzentrum eingerichtet, um möglichst viele Infektionen herauszufiltern, bevor sich das Coronavirus unter den Mitarbeitern ausbreiten kann.
Hintergrund:

Vier Standorte, 1200 Mitarbeiter

  • Mitarbeiter: Die Wolf-Firmengruppe ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, ihr Hauptsitz ist in Schwandorf. Gegründet wurde das Unternehmen 1925, seit 2014 wird es in vierter Generation von Christian Wolf geführt. Mittlerweile gibt es 1200 Beschäftigte an den Produktionsstandorten Schwandorf, Nürnberg, Schmölln und Burglengenfeld.
  • Jahresumsatz: rund 300 Millionen Euro, Wolf zählt als Firmengruppe in Deutschland zu den zehn bedeutendsten Wurstwarenherstellern.
  • Standort Schwandorf: rund 880 Mitarbeiter, davon 24 Auszubildende; Herstellung von Fleisch- und Wurstspezialitäten auf rund 25.000 Quadratmetern. Allein beim Produkt "Münchner Weißwurst" kam das Unternehmen 2019 auf rund 13,2 Millionen Stück.

"Die Angst, dass sich Leute anstecken, ist immer da."

Christian Wolf

Christian Wolf

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