30.03.2021 - 11:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Fahrplan künftig auch mobil: Landkreis Schwandorf prüft Nahverkehrs-App

Die Mobilitätswende gestalten: Das will die SPD im Landkreis Schwandorf mit einem Fünf-Punkte-Antrag erreichen. Sie stößt beim Landrat auf harsche Kritik.

Eine App könnte den Überblick über die Verbindungen und Tarife im Öffentlichen Nahverkehr im Landkreis verbessern. Kosten und Möglichkeiten sollen geprüft werden, beschloss der Ausschuss für Kreisentwicklung.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Wir brauchen ein Verkehrskonzept für die Zukunft", begründete SPD-Sprecher Harald Bemmerl den Antrag seiner Fraktion, der gleich fünf Punkte auf den Tisch des Ausschusses für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik, Sport und Kultur (KUTA) brachte. Der Landkreis Cham könne da als Beispiel dienen, sagte Bemmerl. Landrat Thomas Ebeling (CSU) reagierte zunächst scharf: Der Antrag strotze vor Unwissenheit, die SPD habe offenbar die "Struktur des ÖPNV nicht verstanden."

Mögen es nun Spätfolgen des Wahlkampfs sein, bei dem die SPD das Thema ÖPNV als Schwäche des Landkreises dargestellt hatte oder der Vergleich mit einem ebenfalls CSU-regierten Nachbarlandkreis: Jedenfalls begann die längere Debatte im KUTA in ungewöhnlich scharfem Ton. Bemmerl listete die fünf Punkte auf, die die SPD fordert. Demnach solle das 365-Euro-Ticket möglichst für den ganzen Landkreis gelten, ein preisgünstiger Seniorentarif und ein kostenloses Jugend-Freizeit-Angebot müssten her. Eine Mobilitätszentrale solle die Angebote bündeln und als zentraler Ansprechpartner für die Kunden dienen. Schließlich forderte die SPD eine Bilanz des "Baxi"-Angebots und Auskunft über die künftigen Planungen.

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Schwandorf

Das übergeordnete Ziel, den Öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis voran zu bringen, würde wohl jeder im Kreistag unterschreiben. Aber: Wie so oft liegt auch hier der Fluch im Detail, der den Vergleich mit den Chamern aus Sicht des Landrats "hanebüchen" macht. Denn: Der Nachbarlandkreis habe Junior- und Seniorenticktes nur deshalb eingeführt, weil er nicht in den Genuss einer Förderung des 365-Euro-Tickets durch den Freistaat kommen könne. Dafür sei ein Verkehrsverbund nötig. Ebeling erinnerte daran, dass der Kreistag beschlossen habe, die beiden im Landkreis geltenden Tarifsysteme (Regensburger Verkehrsverbund RVV und Tarif Oberpfalz Nord, TON) zu vereinheitlichen. Das sei aber ein großer Aufwand: Der RVV-Tarif legt ein kreisförmiges Zonensystem, TON eine Wabenstruktur zugrunde. Die Abstimmung beider Systeme sei derzeit Aufgabe von Profis. Erste Ergebnisse erwartet der im Landratsamt zuständige Sachbearbeiter Dominik Hauser erst 2024.

Vergleich "hanebüchen"

"Grenzwertig" nannte Ebeling die Kritik der SPD am "Baxi". Man könne nicht ein Jahr herumlaufen und die Unwahrheit erzählen, sagte Ebeling mit Blick auf die Zahlen, die das Ruftaxi als Erfolg ausweisen - während die SPD das Konzept als Flop darstelle.

Am Ende der Bemühungen könnte ein Beitritt des gesamten Landkreises zum RVV Junior- und Seniortickets obsolet machen, weil dann auch im jetzigen TON-Bereich das 365-Euro-Ticket gelten würde. Die geforderte Mobilitätszentrale sah der Landrat besonders aus Kostengründen skeptisch, da personalintensiv. FW-Sprecher Joachim Hanisch unterstützte Ebeling: "Das läuft unserem Konzept zuwider", der Kreistag habe sich für einen anderen Weg entschieden. Dem pflichtete CSU-Sprecherin Barbara Hanauer bei. Es sei nicht an der Zeit, "jetzt alles umzuschmeißen."

Ulrike Pelikan-Rossmann (Grüne) setzte einen praktischen Ansatz dagegen. Sie habe am Sitzungstag versucht, im Netz eine Verbindung von ihrem Wohnort zum Landratsamt zu finden. Ihr Resümee: "Da fehlt es an Benutzerfreundlichkeit." Der vorliegende Taschenfahrplan - der laut Ebeling gut nachgefragt wird - entspreche nicht dem Anspruch. Sie brachte eine App ins Spiel, die die Angebote bündeln könne - als digitale Mobilitätszentrale. Peter Neumeier (JW) pflichtete ihr bei.

Konzept folgen

Arnold Kimmerl (ÖDP) erinnerte daran, dass der ÖPNV seit Jahrzehnten den Kreistag beschäftige. "Da ist schon einiges geschehen", trotzdem bleibe der Radwege-Ausbau und die S-Bahn-ähnliche Anbindung an Regensburg eine Aufgabe. Nachdem sich die Wogen etwas geglättet hatten, fand sich ein Kompromiss: Auch wenn sich Ebeling zunächst skeptisch zeigte, was die Machbarkeit einer für den Landkreis einheitlichen App oder eines online-Angebots angeht, schlug er vor, dies prüfen und auch die Kosten dafür schätzen zu lassen - bis die RVV-Integration steht.

Das Ergebnis soll in einer der nächsten KUTA-Sitzungen vorgelegt werden. Der Kreistag soll demnächst einen Bericht über das "Baxi" und den Stand der ÖPNV-Planungen hören. Dem schloss sich das Gremium einhellig an. Der SPD-Antrag wurde dagegen vorläufig zurückgestellt.

Hintergrund:

Ein Jahr Baxi im Landkreis Schwandorf

  • Der Baxi-Rufbus wurde im ersten Jahr rund 2600 mal genutzt.
  • Prognostiziert waren 2100 Fahrten. Besonders gefragt waren die Linien Nabburg - Schönsee und Nittenau - Maxhütte-Haidhof.
  • Die Corona-Lockdowns machten sich mit deutlichen Passagier-Rückgängen (bis 30 Prozent im Monatsvergleich) bemerkbar.
  • Die Betriebskosten lagen bei 162000 Euro (Prognose: 133000 Euro).
  • Die Fixkosten lagen mit 37380 Euro unter der Schätzung von 70000 Euro.
  • Im Sommer sollen weitere Linien ausgeschrieben werden.
  • Eine Kooperation mit dem Landkreis Neustadt wird ab April eine Baxi-Verbindung von Schönsee nach Eslarn ermöglichen.

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