16.10.2019 - 11:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Falschgeld und jede Menge Drogen

Einen falschen Fuffziger, 25 Gramm Kokain und 60 Gramm Marihuana mit ein paar Mausklicks im Internet bestellen – das Darknet macht's möglich. Weil der Zoll das Falschgeld entdeckt, landet ein 20-Jähriger vor Gericht.

Das Gericht gab einem 20-Jährigen die Chance zur Bewährung.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Es klingt nach einem guten Geschäft. Ein 20-Jähriger aus dem westlichen Landkreis hat sich einen falschen 50-Euro-Schein für 20 Euro im Darknet bestellt. Die Sache kam ihm aber im Nachhinein teuer zu stehen. Der Zoll entdeckte das Falschgeld, kassierte den falschen Fuffziger und schaltete die Kriminalpolizei ein.

Bei einer Durchsuchung im elterlichen Haus schlug den Beamten bereits im Treppenaufgang Marihuana-Geruch entgegen. Der junge Mann zeigte sich bei der Kontrolle immerhin geständig und kooperativ: 8,63 Gramm Kokain und rund 45 Gramm Marihuana hatte er in seinem Jugendzimmer aufbewahrt – und auch gleich verraten, wo er die Drogen versteckt. Bestellt hatte er im Darknet sogar noch mehr: 25 Gramm Kokain und 60 Gramm Marihuana. Alles zum Eigengebrauch, beteuerte der Angeklagte vor dem Amtsgericht Schwandorf.

Tatsächlich konnten die Ermittler und das Gericht nichts Gegenteiliges nachweisen, obwohl ein Kriminalpolizist vor Gericht aussagte: "Eigentlich sind wir bei diesen Mengen von Drogenhandel ausgegangen." Konkrete Hinweise darauf gab es nie. Eine Waage habe laut Angeklagten zur Kontrolle gedient, ob die gelieferten Drogen auch in der richtigen Menge ankommen. "Das Kokain und das Marihuana sind auf alle Fälle besser, als auf der Straße", begründete der 20-Jährige den Umstand, dass er die Drogen im Internet geordert hat.

Bei Drogentests sind dem jungen Mann Kokain-, Ecstasy- und Marihuana-Konsum nachgewiesen worden. Vor Gericht sagte er: "Ich bin weg von Koks und anderen harten Drogen – aber gegen einen Joint ab und zu habe ich nichts." Richterin Petra Froschauer warnte eindringlich: "Wenn Sie kiffen, sehen wir uns gleich wieder. Lieber stecken sie sich ein Stück Schokolade in den Mund oder halten ein Packerl Nüsse bereit."

Über die Anschaffung des gefälschten Geldscheins sagte der Angeklagte, dass er den "dummerweise bestellt" und später sogar "komplett vergessen" habe. "Ich wollte mir das nur einmal anschauen." Die Staatsanwaltschaft und später auch Richterin Froschauer sowie die Schöffen bezweifelten das. Froschauer erklärte in der Urteilsbegründung: "Wir sind absolut der Überzeugung, Sie haben sich die Note als Probe kommen lassen – ob das was taugt."

Letztlich verurteilte das Schöffengericht den 20-Jährigen nach dem Jugendstrafgesetz. Ein Gutachten der Jugendgerichtshilfe und Brüche in der Biografie kamen dem Angeklagten dabei zugute: Klassenwiederholung in der Grundschule, Ausbildungsabbruch, Zeiten ohne Job. Seit Ende August ist der junge Mann schon wieder arbeitssuchend. Wäre er nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt worden – bei den Taten war er 19 beziehungsweise 20 Jahre alt – hätte ihm eine Strafe von mindestens einem Jahr gedroht. Nun sind es sechs Monate auf Bewährung geworden. Der 20-Jährige muss außerdem 80 Arbeitsstunden ableisten und zehn Beratungstermine bei der Suchtambulanz wahrnehmen. Weil der Angeklagte das Urteil am Dienstag angenommen hat, ist es rechtskräftig.

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