Selbst tausend Gerüchte ergeben noch kein Körnchen Wahrheit, heißt ein mongolisches Sprichwort. Wir Journalisten hören beinahe täglich irgendwelche Geschichten vom Hörensagen. Sie auf den Wahrheitsgehalt abzuklopfen, ist unser Job.
Etwa, wenn es um einen Unglücksfall im Zusammenhang mit einer Jagd im Landkreis geht, bei dem ein Mensch ums Leben gekommen ist. Nach aufwendigen Ermittlungen der Kriminalpolizei gibt es einen Verdächtigen.
Plötzlich taucht das Gerücht auf, der Verdächtige, angeblich ein Mediziner, habe sich das Leben genommen. Das Gerede erreicht die Redaktion, aus mehreren Richtungen. Namen werden genannt, die die Redaktion aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nie veröffentlichen würde. Schließlich ist der Verdächtige eben das: verdächtig. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Eine Recherche-Aufgabe für die Redaktion also. Anrufe bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft, die sogar noch einmal ermitteln lässt. Das Ergebnis: Nichts. Nachrichtenwert: Null. Die Gerüchte wabern weiter. Das geht so weit, dass Staatsanwaltschaft Amberg und Kriminalpolizei reagieren und am Dienstag wegen der beruflichen und privaten Belastungen des Arztes öffentlich klarstellen: "Bei dem Tatverdächtigen in dem zugrunde liegenden Fall handelt es sich nicht um einen Arzt aus Nittenau. Ein etwaiger Suizid des ermittelten Tatverdächtigen ist der Polizei nicht bekannt."
Für den Mediziner hatte das Gerücht Folgen. Patienten riefen in der Praxis an, ob denn noch geöffnet sei. Ob er in den Todesfall verwickelt sei, wird er gefragt. Tatsache ist: Mit dem Unglück hat der Mediziner überhaupt nichts zu tun, siehe oben. Er ist wegen der fatalen Gerüchte mächtig sauer, erfreut sich bester Gesundheit. Wir haben mit ihm am Dienstag telefoniert. Das darf sich jetzt schnell herumsprechen.















Kann ich nur bestätigen. Ich war heute (Dienstag) bei diesem Arzt in der Sprechstunde.
Das mongolische Sprichwort, das Herr Hösamer eingangs erwähnt, sollte eigentlich für die Nutzungsbedingungen sämtlicher sogenannter "sozialer Medien" verpflichtend sein.
Josef Bodensteiner
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