09.11.2018 - 09:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Faust"-Probe: Es läuft schon fast wie am Schnürchen

Faust hängt sich ganz schön rein. Nicht nur das. Er muss sich am Lesepult festhalten, beim Pakt mit dem Teufel hinsetzen. Bei den ersten Proben der „Schwandorfer Marionettenbühne“ läuft noch nicht alles ganz wie am Schnürchen.

Raimund Pöllmann betrachtet genau das Bühnenbild für den „Faust“.
von Irma Held Kontakt Profil

A propos Schnürchen. Die neun Fäden, die die Puppen in Bewegung setzen, sind für Spieler das geringste Problem, obwohl diese Fingerfertigkeit den Laien fast schwindlig macht, vor allem dann, wenn sich die Figuren auf der Bühne sehr nahe kommen und zwangsweise weiter oben die Spielkreuze. Ein Kreuz mit dem Kreuz im übertragenen Sinne haben sie nicht, aber mit dem echten. Ursula Schiller, die Frau, die über Faust steht, muss sich immer wieder aufrichten.

Die Puppenspieler arbeiten auf einer Art Brücke und bücken sich über eine Brüstung. Sie blicken förmlich auf das Geschehen auf der Bühne. Davor haben im Dachgeschoss des Oberpfälzer Künstlerhauses Christine und Raimund Pöllmann Platz genommen. Er ist der Regisseur, sie die Assistentin. Christine Pöllmann breitet das schriftliche Konzept aus, spielt die Tonaufnahmen ab und macht sich viele Notizen, was noch geändert werden muss, was fehlt. In dem kleinen Team gibt es kein hierarchisches Gefälle. Auch Regina Schneeberger, Sabine Glaab, Yvonne Böckl sowie Ursula und Leo Schiller reden bei der Inszenierung mit, bringen Ideen und Verbesserungen ein. Der 19-jährige Student ist der einzige männliche Puppenspieler und der Novize.

Er übernimmt kleinere Rollen. Rund drei Jahre dauert es, um eine Marionette gekonnt zu führen. „Heuer wurde er ins kalte Wasser geschmissen“, sagt Regina Schneeberger, die Erfahrenste. Bei dieser Probe führt er einen der Geister und darf seitlich auf einer Art Kanzel aufrecht stehen. „Den bösen Geist könnten wir noch rot anstrahlen, das wirkt sicher besser,“ sagt Christine Pöllmann. Der gute bleibt golden. Bis wenige Tage vor der Premiere fehlt die Originalbeleuchtung der Spielfläche, auch die Videosequenzen werden noch nicht eingespielt.

Mehr Bewegung

Raimund Pöllmann ist mit dem Agieren auf der Bühne nicht ganz einverstanden. Es ist ihm zu statisch: „Der Faust soll sich mehr auf der Bühne bewegen. Er soll sich auch mal am Stehpult anhalten.“ Zum Unterzeichnen des Paktes mit dem Teufel gefällt es Raimund Pöllmann besser, wenn Faust sitzt. Sabine Glaab, nicht nur Geisterführerin, sondern an diesem Abend auch Bühnenbildnerin holt aus den Requisiten Tisch und Stuhl, nicht ganz passend, aber für diese Probe ausreichend. Ach ja, noch eines ist dem Regisseur aufgefallen. Faust hat wegen des mit Blut unterschriebenen Paktes einen verletzten Arm. Er schlenkert also nicht so damit rum, hält die Arme anders. Es sind Kleinigkeiten, aber wesentliche, die noch zur Perfektion fehlen. Fausts Haltung wird gleich akribisch verbessert. Was nicht sofort erledigt werden kann, ist bei Christine Pöllmann bestens aufgehoben.

„Du darfst dir alles erlauben“, fordert Pöllmann Regina Schneeberger auf, die gebückt über Mephisto die Fäden zieht und ihn gerade auf die Bühne führt. „Schmeiß de ume“, lautet die Regieanweisung, damit sich die Holzfigur schwungvoll über das Lesepult wirft. Jetzt ist es an der Zeit für eine Rückenpause. Faust tritt ab und mit ihm Ursula Schiller. Sie darf länger ausruhen als er. Es fällt keine Klappe wie beim Film aber Christine Pöllmann sagt: „Akt 2, Szene 1.“ Faust in den Händen von Regina Schneeberger steht auf leerer Bühne.

Leo Schiller, Yvonne Böckl, Ursula Schiller, Sabine Glaab und Regina Schneeberger (von links) sind die da oben. Sie bringen die Marionetten in Bewegung und blicken auf das Geschehen herab.

Christine und Raimund Pöllmann sind bei den Proben die da unten. Sie führen Regie.

Schwandorfer Marionettenbühne

Schwandorfer Marionettenbühne

Faust hängt, wie jede andere Schwandorfer Marionette, an neun Fäden und wird mit zwei Spielkreuzen belebt.

Schwandorfer Marionettenbühne

Vorstellungen:

Die Premiere für „Hänsel und Gretel“ (ausverkauft) beginnt heute, 10. November, um 14.30 Uhr. Weitere Vorstellungen: 18.,25. November, 1.,9. und 15. Dezember jeweils 14.30 und 16 Uhr, 16. Dezember 14.30 Uhr. „Faust“ feiert am 17. November, 19.30 Uhr, Premiere. Weitere Termine: 22., 29. November, 1., 14. Dezember jeweils 19.30 Uhr und 16. Dezember 17 Uhr. Restkarten gibt es noch im Oberpfälzer Künstlerhaus, Telefon 09431/9716. Reservierung unbedingt erforderlich.

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