07.09.2018 - 16:01 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ferien neben Kunz

Die zwei Ferienwohnungen erinnern an Toskana-Urlaube. Doch statt auf Zypressen und Olivenhaine fällt der Blick auf den Geburtsort von Konrad Max Kunz. Und der "Kini" schlief auch schon da.

Die Handtücher mit dem Schriftzug „Ferienwohnung am Blasturm“ sind ein Hingucker.
von Irma Held Kontakt Profil

(ihl) Es sind nicht nur die innen angebrachten Fensterläden - typisch für den Süden - die Erinnerungen an Ferien in Italien wachrütteln, es ist Ludwig Weingärtners Gespür für zurückhaltende Eleganz und unaufdringlichen Stil. Diese zunächst unauffälligen Kleinigkeiten lässt er sich einiges kosten, zum Beispiel bei den Lichtschaltern. Gemäß dem Oberpfälzer Ausdruck, "vom Licht aufdrehen", werden Dreh- statt Kippschalter eingebaut. An den beleuchtbaren Schminkspiegeln sind allerdings seine 17-jährigen Töchter "schuld". Das Treppengeländer zur Wohnung im Obergeschoss ist dem im Oberpfälzer Künstlerhaus nachgebaut. Beide Wohnungen haben eigene Eingänge. "Die Idee ist mir in der Bauphase beim Joggen gekommen." Er greift das Modell der Halb- und Drittel-Häuser auf mit den Pluspunkten: Die Gäste begegnen sich nicht und der Verzicht aufs Treppenhaus bringt Wohnraum. "Jahrelang waren wir auf der Suche nach einem geeigneten Objekt für Ferienwohnungen. Das Gebäude sollte verkehrstechnisch gut gelegen und die Innenstadt zu Fuß erreichbar sein", erzählt der Schwandorfer. Die Idee dazu stammt von seiner inzwischen verstorbenen Frau Johanna. Als örtliche Kulturamtsleiterin wusste sie genau, woran es in Schwandorf mangelt: an Unterkünften, speziell an Ferienwohnungen. Doch nach dem Kauf des Gebäudes in Blasturmnähe vergehen noch einmal fünf Jahre Planungszeit, bis gebaut werden kann. Das alte Haus steht zwar nicht unter Denkmalschutz, aber die Denkmalschützer reden in dieser exponierten Lage, genau da, wo die Bomben am Ende des Zweiten Weltkriegs ein Stück Schwandorfer Historie übrig lassen, ein Wort mit.

"Nachträglich wurde das Objekt unter Denkmalschutz gestellt", wundert sich Weingärtner. Denn das, was jetzt auf dem Grundstück steht, ist ein kompletter Neubau, bis auf vermutlich ein Stück Stadtmauer im Bad der unteren Wohnung. Die Umwidmung der Adresse von Blasturmgasse 2 in Böhmische Torgasse 9 geht allerdings auf seine Kappe. Er überlässt nichts dem Zufall und macht sich die Mühe, die ursprüngliche Anschrift ins Navi einzugeben. Er wird so kompliziert geleitet, dass er sich denkt, "das finden meine Gäste nie". Ein weiterer Tipp zur Lage ist: "Das gelbe Haus neben dem Turm."

Keine typischen Urlauber

Der Finanzbeamte arbeitet sich genau ein - in Vorgaben für klassifizierte Ferienwohnungen. Sie müssen komplett abzudunkeln sein, deshalb auch die Fensterläden innen. Die äußeren Lamellen-Läden reichen nicht. Die Regendusche ist barrierefrei begehbar. Der Abstand zwischen Bett und Wand entspricht der Norm. Im Juli 2017 sind die beiden 60 Quadratmeter großen Ferienwohnungen vermietbar. Seine vorher errechneten Prognosen werden übertroffen. Allerdings: "Der typische Urlauber kommt so gut wie nicht."

Damit meint er Fremde, die sich die Felsenkeller anschauen, eine Stadtführung buchen und die Umgebung erwandern oder erradeln. Seine Gäste sind Geschäftsreisende, ehemalige Schwandorfer, die die Heimat wieder besuchen, Leute, die zu Familienfeiern anreisen. "Weihnachten war eine Familie hier, die die Tage bei mit den Großeltern verbracht und in der Wohnung nur geschlafen hat, um die älteren Leute zu entlasten. Ich glaube, die haben den Herd nicht ein einziges Mal benutzt."

Dänische Eintagsfliegen

Eintagsfliegen nennt Weingärtner alle diejenigen, die in Schwandorf ihr Nachtlager aufschlagen, um weiterzureisen. Und das ist keine Seltenheit. Dänen, Schweden oder Niederländer zum Beispiel, auf dem Weg von und nach Kroatien. "Ich sehe die Leute eigentlich nicht. Sie buchen übers Internet." Die Bezahlung von 100 Euro pro Nacht erfolgt über Paypal oder Vorauszahlung. "Per SMS oder E-Mail erhalten sie dann den Türcode." Die Gäste - bis zu vier pro Wohnung - erwartet eine tiptop eingerichtete Küche und als Willkommensgruß Schokolade, eingewickelt in Goldpapier mit der Außenansicht des Hauses, im Kühlschrank Mineralwasser sowie eine Flasche Konrad-Max-Kunz-Weißbier. "Egal, wie viele Leute in den Wohnungen übernachten, die Schokoladen sind immer weg," freut sich Weingärtner, dass dieses "Zuckerl" ankommt.

In dem mehr als einem Jahr des Bestehens gewinnt Weingärtner bereits Stammgäste. Eine Familie aus Verona etwa, die zu internationalen Rennen auf der Kart-Bahn in Wackersdorf anreist. Und kürzlich logierte Helmut Berger mit seinem Manager an der Böhmischen Torgasse. Der österreichische König-Ludwig-Darsteller ist zur Aufführung des Visconti-Klassikers "Ludwig II." im Kino in die Kreisstadt gekommen. www.ferienwohnung-am-blasturm.de

Das Schalfzimmer

Ludwig Weingärtner auf dem Weg zur Wohnung im Obergeschoss. Das Geländer in der Kebbel-Villa stand Pate für dieses Modell.

Vom Essplatz aus blicken die Gäste auf den Blasturm.

Blick auf die Jakobskirche

Die Schokoladen mit der Außenfassade laden zum Naschen ein. Die Besucher machen davon gern Gebrauch.

Außenansicht des GEbäudes

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