09.08.2018 - 18:06 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Fische im Überlebenskampf

Was soll ich tun? Täglich rufen Teichwirte bei Konrad Bartmann, dem Geschäftsführer der Teichwirtschaftlichen Genossenschaft Oberpfalz, an. Hitze, versiegte Wasserzuläufe: Die Situation ist oft dramatisch. Züchter bangen um ihre Bestände.

Beim Pilzbelüfter kämpfen die Fische um die "besten Plätze". Tego-Geschäftsführer Konrad Bartmann und Teichwirt Hans Dobler messen in diesem noch intakten Teich bei Wolfringmühle den Sauerstoffgehalt.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Konrad Bartmann und die Teichgenossenschaft Oberpfalz (Tego) mit Sitz in Säulnhof bei Stulln gehören zusammen. Seit Anfang der 1970er Jahre ist der Tego-Geschäftsführer hier eine feste Größe. Den Vorsitz hat MdL Alexander Flierl. "Es ist gut, die Politik mit im Boot zu haben", so Bartmann mit Blick auf das Aufgabenfeld. Es geht um Bestimmungen, Richtlinien, Förderprogramme. Hier leistet die Tego den Züchtern Hilfestellung. 2700 Mitglieder hat sie in der Oberpfalz, 14 000 Teiche werden betreut. Und das auf 10 000 Hektar, davon 8000 reine Wasserfläche. Über den Daumen gepeilt, sind ein Drittel der Züchter im Landkreis Schwandorf beheimatet.

"So extrem wie heuer war es noch nie", beschreibt der 82-jährige Konrad Bartmann die derzeitige Situation. "Seit drei Wochen führen beispielsweise Fensterbach und Hüttenbach null Wasser. "Da ist es inzwischen auch mit dem Restwasser vorbei". Bartmann erläutert: Teichwirte dürfen nur 50 Prozent Wasser aus den Bächen entnehmen. Der Rest muss im Fließgewässer bleiben. Doch auch das ist nun zu Ende. In zahlreichen Teichen ist viel Plankton. viel Algenblüte, aber wenig Wasser, das sich bis auf den Grund erwärmt: "Je wärmer, umso weniger Sauerstoff."

Teiche belüften

Da hilft nur noch belüften. Es gibt Pilzbelüfter für kleinere, Schaufelradbelüfter für größere Anlagen. "Wer die Toten einmal begraben hat, kauft sich solche Systeme", so Bartmann. Eine weitere Hilfsmaßnahme wäre, Wasser aus den Vorflutern einzuleiten. Doch was tun, wenn sie leer sind? Bartmann bestätigt, dass es zu Notabfischungen kommt. Falls vorhanden, werden die Fische in "bessere" Teiche bei Bekannten oder Verwandten umgesetzt, falls nicht, müssen sie in Hälterungen.

Um zu sehen, wann die Sauerstoffversorgung kritisch wird, empfiehlt Bartmann ein entsprechendes Messgerät und eine Kontrolle in den Morgenstunden. Da Photosyntheseleistung lichtabhängig ist, wird nachts kein Sauerstoff produziert, sondern von Pflanzen und Tieren verbraucht. Dann kann gegen Morgen - die sensible Zeit ist zwischen 4 und 6 Uhr - die Sauerstoffkonzentration unter den Grenzwert sinken. Die Fische hängen nach Luft schnappend an der Wasseroberfläche. Dann muss schnellstens gehandelt werden.

Konrad Bartmanns Sohn Christian bewirtschaftet 60, der Nabburger Hans Dobler 90 Hektar Teichfläche im Landkreis. Konrad Bartmann senior hat morgens gemessen. Normalerweise zeigt das Sauerstoffmessgerät drei bis sechs Milligramm pro Liter an, in einem der Teiche waren es diesmal nur 0,3. Hans Doblers Anlagen befinden sich vorrangig in Fischbach. In einem Teich hat er in dieser Woche über eine Tonne tote Fische geborgen. Seine Temperaturaufzeichnung spricht Bände: "28,7 Grad Wassertemperatur, wo 18 bis 20 Grad normal sind. Das sind zehn Grad darüber".

Verendete Fische

Konrad Bartmann hofft auf einen Witterungsumschwung, "auf einen Landregen." Denn wenn ein zu schneller Luftsturz kommt, "ist das gefährlich", ergänzt Hans Dobler. Dann kippt das Plankton, entsteht Ammoniak. Die Fische sterben. Das Telefon klingelt erneut im Tego-Büro. Eine Frau aus dem Landkreis, die mit ihrem Mann auf fünf Hektar einen Anglerweiher unterhält, ist verzweifelt: Der Weiher ist umgekippt, tausende von Fische sind verendet, der wirtschaftliche Schaden noch nicht abzuschätzen. Sie erkundigt sich nach der nächstliegenden Tierkörperverwertungsanlage.

Ein Weiher bei Wolfring: Trotz waldreicher Umgebung ist der Wasserstand dramatisch gesunken. Die Fische müssen wohl herausgenommen werden.

Schaufelradbelüfter wälzen das Wasser um, sorgen für Sauerstoff.

Karpfen vertragen zwar die Hitze, doch die Wasserknappheit macht ihnen in den Teichen zu schaffen.

Hintergrund:

Diät für Fische und Züchter

Tego-Geschäftsführer Konrad Bartmann kann nur raten, den Zulauf zu erhöhen – wo es denn überhaupt noch möglich ist – Belüfter einzusetzen und im Notfall den „Besatz zu regeln“. Karpfen, Zander und Schleien können in der Hälterung überleben, doch es fehlt dann der Zuwachs bis zum Beginn der Fischsaison. Auch in den strapazierten Teichen kann nicht gefüttert werden. Es gibt eine Diät aus Plankton und Naturnahrung. Fett und Proteine im Fischfutter würden zusätzlich sauerstoffzehrend wirken. Die verordnete Diät für Fische hat wirtschaftliche Auswirkungen: Fischzüchter Hans Dobler blickt auf seine zweijährigen Karpfen. Sie haben 250 bis 300 Gramm statt 600 bis 700 Gramm. Konrad Bartmann prognostiziert, das die wenigen Betriebe, die im Frühjahr genügend Wasserzulauf hatten, durchaus mit 20 Prozent Zuwachs rechnen könnten: „Karpfen vertragen Hitze“. Doch wo die Wasserstände Tag für Tag sinken, fehlen Sauerstoff und Wachstum. Da „braucht sich auch der Graureiher nicht anstrengen.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp