11.05.2021 - 14:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Frauenhaus: Mehr Plätze, und oft trotzdem zu wenig

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Frauenhäuser sind oft die letzte Zuflucht für Frauen in Not. Das Schwandorfer Haus bekommt rechnerisch mehr Plätze. Ob das reicht, ist fraglich.

Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus auf einem Bett. Rein rechnerisch steigt die Zahl der Plätze im Frauenhaus im Landkreis Schwandorf.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Je sechs Plätze für Frauen und Kinder als Zuflucht: Das musste jahrzehntelang reichen für die Landkreise Schwandorf, Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg. Zusammen finanzierten sie das Frauenhaus im Landkreis Schwandorf. Träger ist der Verein "Frauen helfen Frauen". Nun baut der Sozialdienst katholischer Frauen im Nachbarlandkreis ein neues Frauenhaus mit fünf Plätzen. Zweifellos erfreulich, wird doch das Hilfsangebot erweitert.

Die Finanzierung wird auf neue Füße gestellt. Der Kreis Schwandorf wird, voraussichtlich ab Ende kommenden Jahres, das Schwandorfer Angebot alleine stemmen. Rund 200000 Euro im Jahr werden dann fällig. Der Kreisausschuss billigte dies einstimmig.

Bedarf erfüllt?

Rein rechnerisch erfüllen sowohl Schwandorf (sechs Plätze) als auch Stadt- und Kreis Amberg (fünf) mit den dann elf Plätzen den nötigen Bedarf. Darauf verwies Landrat Thomas Ebeling im Ausschuss. Das Geschäftsleitungsteam des Frauenhauses, Edith Poguntke und Kerstin Weinrich-Sedlaczek, spricht lediglich von einer "Entschärfung".

Die bislang sechs Plätze für die gesamte Region seien zu wenig gewesen, bestätigen die beiden auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien. Ob das neue Angebot von sechs Plätzen für den Landkreis Schwandorf allein reiche, werde sich in den kommenden Jahren zeigen. Das Team weist darauf hin, dass es immer "besondere Bedarfe" bei den Frauenhausplätzen gebe: "Oftmals kommen Anfragen von Frauen mit mehr als drei Kindern. Wir haben dafür lediglich ein geeignetes Zimmer und wenn dies belegt ist, haben wir keine Kapazität mehr für eine weitere, größere Familie."

Die Auslastung des Frauenhauses lag in den vergangenen Jahren bei über 90 Prozent. Diese Zahl, die auch in der Sitzungsvorlage für den Ausschuss genannt ist, nennen die beiden Leiterinnen des Frauenhauses aber wenig aussagekräftig. "Wichtiger ist es uns darauf hinzuweisen, dass es Zeiten gibt, in denen unser Frauenhaus voll belegt ist und wir Frauen abweisen müssen, und das in sehr hoher Anzahl." Dass kein Platz war im Haus, war kein Einzelfall. "Die durchschnittliche Zahl der Abweisungen lag in den vergangenen fünf Jahren bei 60 Frauen pro Jahr!", betonen Poguntke und Weinrich-Sedlaczek.

Kaum Wohnungen zu finden

Sorge bereitet dem Geschäftsleiterteam noch eine andere Erfahrung: Die Aufenthaltsdauer werde immer länger, da die Frauen nach dem Frauenhausaufenthalt nur sehr schwierig eine neue Bleibe finden können. Der angespannte Wohnungsmarkt zeigt auch hier seine Wirkung.

"Bezahlbare Wohnungen zu finden, ist fast aussichtslos", sagen die beiden. "Die Rückmeldungen, die wir von den Bewohnerinnen unseres Frauenhauses bekommen, sind wirklich erschreckend: In der Tendenz wollen die potenziellen Vermieter ,keine Kinder‘ und auch keine Mieterinnen mit Migrationshintergrund." Darüber hinaus liege die verlangte Miete weit über dem Niveau des Arbeitslosengelds 2 (Hartz IV). Mehr als diese staatliche Unterstützung hätten aber viele Frauen nicht zur Verfügung, die sich ins Frauenhaus geflüchtet haben.

Auch Corona ging nicht spurlos am Frauenhaus vorüber. Allerdings wirkte sich die Pandemie nach Aussagen von Poguntke und Weinrich-Sedlaczek anderes aus, als zu vermuten wären. "Entgegen dem Bundesdurchschnitt gingen die Anfragen während des ersten Lockdowns zurück. Nach Öffnung verzeichneten wir dagegen einen sprunghaften Anstieg von Anfragen, die dann leider nicht mehr zu bewältigen waren", berichtet das Geschäftsführungsteam, "im zweiten Lockdown ist es im Moment ähnlich." Die Anfragen seien verhalten.

Ob auch diesmal ein Anstieg folgt, wird sich also erst zeigen. "Wir hoffen, dass wir den hilfesuchenden Frauen adäquate Unterstützung bieten können", betonen die beiden Vertreterinnen des Schwandorfer Frauenhauses.

Eigenes Frauenhaus in Amberg

Amberg
Hintergrund:

Frauenhaus im Kreis Schwandorf

  • Der Notruf des Schwandorfer Frauenhauses ist unter 09471/7131 Tag und Nacht zu erreichen.
  • Das Haus bietet Frauen und ihren Kindern Schutz, Unterstützung und vorübergehende Wohnmöglichkeit.
  • Aufnahme derzeit nur mit negativem, maximal 48 Stunden alten Covid-Test.
  • Persönliche Beratung ist nach Vereinbarung möglich. Per Mail ist das Haus unter frauenhaus.sad[at]outlook[dot]de zu erreichen.
  • Das Angebot im Netz: www.frauenhaus-schwandorf.de
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