22.09.2020 - 10:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Ein eigenes Frauenhaus für Amberg und Amberg-Sulzbach

Frauenhäuser sind ein Fluchtpunkt für Frauen, die von ihren Partnern bedroht oder misshandelt werden. Der Bedarf ist sogar steigend, wie eine Studie des Sozialministeriums ergeben hat. In Amberg soll jetzt ein Haus gebaut werden.

Ein Stoffteddy sitzt im Kinderbereich eines Frauenhauses. Auch bei uns herrscht ein Bedarf für eine solche Einrichtung. Die soll nun der Sozialdienst katholischer Frauen errichten.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wie im Jahr 2016 eine Studie der Uni Erlangen ergeben hat, existieren im Freistaat Bayern zu wenig Plätze, an denen misshandelte Frauen und ihre Kinder geschützt und untergebracht werden können. Auch in der Amberger Schutzwohnung mussten in der Vergangenheit immer wieder hilfesuchende Frauen abgewiesen werden. Das Sozialministerium hat inzwischen den entsprechenden Schlüssel angepasst, in Bayern sollen die Frauenhausplätze um rund 35 Prozent aufgestockt werden. Offiziell sind Amberg und der Landkreis – noch – am Frauenhausverbund Schwandorf beteiligt, der in Schwandorf ein Frauenhaus mit acht Plätzen unterhält.

Allerdings müssten dort nach dem neuen Schlüssel elf Plätze vorgehalten werden, fünf davon für die Stadt Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach. Dem Träger des Schwandorfer Frauenhauses sei es nun aber nicht möglich, seine Kapazitäten zu erweitern, sagte Sozialreferent Harald Knerer-Brütting am Donnerstag in der Sitzung des Hauptausschusses. Sie sollen daher künftig in Amberg selbst geschaffen und vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) betreut werden, der bereits die hiesige Schutzwohnung unterhält. Stadt und Landkreis sind sich hier absolut einig, betonte Knerer-Brütting, formell aber müssen Stadtrat und Kreistag einen entsprechenden Beschluss fassen, damit das Amberger Frauenhaus aufgebaut werden kann.

Einstimmig empfahl der Ausschuss am Donnerstag dem Stadtrat, sowohl der Errichtung des Frauenhauses mit fünf Plätzen durch den SkF als auch der anteiligen Sach- und Personalkostenübernahme zuzustimmen. "Hier wird schon Geld in die Hand genommen", wies der Sozialreferent die Stadträte auf die anfallenden Kosten hin. Aber leider seien Frauenhäuser auch in der heutigen Zeit unbedingt notwendig. "Wir müssen uns überlegen, wie man das bewirbt", gab Birgit Fruth (SPD) zu bedenken. Denn wenn niemand von der Existenz des Frauenhauses wisse, werde es auch nicht aufgesucht.

Das Frauenhaus-Projekt in Amberg erfährt viel Unterstützung

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Interview mit Marianne Gutwein zum Thema Gewalt gegen Frauen

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Im Blickpunkt:

Corona geht ganz tief in Familien rein

Auch der Lockdown der Corona-Zeit hat sich auf die Gewalt gegen Frauen und Kinder ausgewirkt. Wie Oberbürgermeister Michael Cerny und Sozialreferent Harald Knerer-Brütting im Hauptausschuss übereinstimmend sagten, gab es dabei zwei Phasen. So seien die Zahlen am Anfang des Lockdowns sogar gesunken – parallel zum plötzlich fehlenden Stress, beispielsweise Arbeit und Schule unter einen Hut zu bekommen. "Das war aber nicht von Dauer", stellte Michael Cerny fest. "Je länger der Lockdown gedauert hat, umso mehr sind die Familien unter Stress geraten", sagte Sozialreferent Harald Knerer-Brütting. Mit der Folge "merklich steigender Fallzahlen", wie er anmerkte. "Corona geht schon ganz tief in die Familien rein."

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