05.12.2019 - 15:08 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ganzjahresbad für Schwandorf?

Das Thema schwirrt schon seit langem immer wieder durch die Schwandorfer Kommunalpolitik. Die Zahlen einer ersten Studie liegen im Bauausschuss auf dem Tisch. Die Investitionen für ein Ganzjahresbad wären enorm.

Das Erlebnisbad ist ein Magnet: Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre suchten dort 220000 Gäste pro Saison Erholung und Spaß. Im Süden des Geländes (im Bild oben) könnte ein Hallenbad entstehen. Die Investitionen dafür wären enorm.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Das Thema schwirrt schon seit langem immer wieder durch die Schwandorfer Kommunalpolitik. Zuletzt brachte sie Oberbürgermeister Andreas Feller ein Ganzjahresbad bei seiner Kandidatur 2014 wieder auf den Tisch. Nur: Wie viel ein Hallenbad-Bau am Erlebnisbad kosten würde, wusste niemand.

Auch die Schätzungen, die Architekt Josef Krautloher - seines Zeichens erfahrener Bäder-Planer aus Vilshofen – am Dienstag auf den Tisch brachte, sind "nach oben offen", wie OB Feller zugestand: "Die Frage ist dann, wie viel ,Fun‘ ist gewünscht". Krautloher legte die Betriebs- und Sanierungskosten der vergangenen Jahre in Erlebnis- und Hallenbad zugrunde, ermittelte den wahrscheinlichen Investitionsbedarf in den beiden Einrichtungen für die kommenden Jahre, zog Besucherzahlen und Personalaufwand ins Kalkül.

Die Besucherzahlen des Erlebnisbads erstaunten Krautloher: Mit rund 220000 im Schnitt der letzten Jahre liegen sie beinahe doppelt so hoch wie die in Bädern mit vergleichbarem Angebot. "Ich kenne kein Bad mit ähnlichen Zahlen", sagte er. Gut 40000 Gäste zählt das Hallenbad pro Jahr. Ein Ganzjahresbad, rechnet der Planer, könnte wegen der kombinierten Öffnungszeiten und des bessren Angebots bis zu 300000 Gäste anlocken.

Das Ganzjahresbad, das Krautloher seiner Kalkulation zugrunde legte, hätte in der Halle ein 25-Meter-Schwimmerbecken, dazu ein Nichtschwimmer- und ein Planschbecken sowie ein Lehrschwimmbecken. Knapp 900 Quadratmneter Wasserfläche (jetzt: 325 Quadratmeter) wären das. Dafür würde das Planschbecken und das Nichtschwimmerbecken im Freibad etwas schrumpfen, insgesamt 2105 Quadratmeter (jetzt: 2560) Wasserfläche blieben dann. Der Personalbedarf würde deutlich von jetzt 20 auf dann 31 Mitarbeiter steigen. In den vergangenen Jahren machte die Stadt mit den beiden Bädern pro Jahr rund 1,7 Millionen Euro Defizit, dazu wurden pro Jahr rund 190000 Euro investiert. Das jährliche Defizit eines neuen Bads würde sich, bei etwas höheren Eintrittspreisen, nach Krautlohers Berechnungen, im bisherigen Rahmen bewegen.

Für das Erlebnisbad rechnete Krautloher wegen notwendiger Beckensanierungen in den kommenden zwölf Jahren mit Investitionen von rund 7,5 Millionen Euro. Ins Hallenbad müsste mindestens eine Million gesteckt werden. Optional rechnete Krautloher noch den Anbau eines Lehr- und Therapiebeckens in Dachelhofen ein, der auf 1,9 Millionen Euro kommen würde.

Für den Umbau des Erlebnisbads hin zum Ganzjahresangebot (ohne besondere Extras) schätzt Krautloher die Kosten auf 15,3 Millionen Euro. Platz wäre sowohl anstelle des bisherigen Gastro- und Umkleidebereichs als auch im südlichen Bereich hin zur Oberpfalzhalle. Selbst ohne weiteren Bau am Hallenbad bliebe eine Gesamtinvestition für die Bäder von knapp 24 Millionen Euro, Preissteigerungen nicht eingeschlossen. Zum Vergleich: Das gesamte Bauprogramm der Stadt (Hoch- und Tiefbau ohne Unterhalt) lag in diesem Jahr bei gut 12 Millionen Euro. Alleine das Hochbauamt hat - ohne Ganzjahresbad - für die kommenden beiden Jahre einen Bedarf von 19 Millionen Euro vor allem für Schulen und Kindertagesstätten angemeldet, die Pläne des Tiefbauamts summieren sich auf über 14 Millionen Euro. Ob angesichts dieser Zahlen noch finanzielle Luft für ein Ganzjahresbad ist, werden sich die Stadträte noch ganz genau überlegen müssen. Fördermöglichkeiten für ein Bad bestehen, das bayerische Bäderprogramm bietet derzeit etwa 25 Prozent Zuschuss, allerdings nicht für Attraktionen wie eine Rutsche oder Sauna- und Wellnessbereiche.

Franz Radlinger (CSU) und Alfred Braun (SPD) wollen die Ergebnisse der Studie nun in den Fraktionen beraten. Dieter Jäger (FW) sagte, auf diese Studie habe er nun "fast sechs Jahre gewartet", nachdem das Ganzjahresbad der "Wahlkampfschlager des OB" gewesen sei. Bis zu einer Entscheidung werde "noch viel Wasser durch die Bäder laufen", sagte der OB. Der Ausschuss nahm die Zahlen zur Kenntnis.

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