22.08.2019 - 13:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gas-Lkw als Diesel-Alternative

„Bei der Diskussion um Klimawandel, CO2-Ausstoß, CO2-Bepreisung und Dieselproblematik läuft vieles falsch“, glaubt MdB Karl Holmeier (CSU). Er meint, „dass die Elektromobilität die Probleme gerade in der Logistik nicht lösen wird“.

Die Expertenrunde vor einem Truck mit LNG-Antrieb. Das Bild zeigt von links: Karl Holmeier, Andreas Feller, Stefan Ziegert, Günther Kreuzhuber, Michael Sattler, Dr. Hendrik Haßheider, Manfred Kuchlmayr und Peter Meyer.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

"Deshalb müssen wir nach alternativen Kraftstoffen suchen", betonte das Mitglied des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag bei einem Expertengespräch mit Spediteuren aus den Landkreisen Cham und Schwandorf am Mittwoch im Konrad-Max-Kunz-Saal der Oberpfalzhalle.

Bezahlbar bleiben

Im Herbst will der Bundestag ein Klimaschutzgesetz mit dem Ziel der Kohlendioxid-Einsparung beschließen. Dies sei für Deutschland, für die Wirtschaft und die Logistik von großer Bedeutung, betonte Holmeier. Ziel müsse sein, die Mobilität für jeden bezahlbar zu erhalten. Dazu seien alternative Lösungen erforderlich.

Der Bund habe im Lkw-Bereich bereits Akzente gesetzt, so der CSU-Politiker. Er fördere alternative Antriebe durch Maut-Befreiung und Subventionierung von LNG-Nutzung. "LNG" steht für "Liquefied Natural Gas", also verflüssigtes Erdgas. Kühlt man Erdgas auf minus 163 Grad Celsius, kondensiert es, und das Volumen reduziert sich um den Faktor 600. Dadurch lässt sich Erdgas in Form von LNG in einem speziellen vakuum-isolierten Kraftstoffbehälter in ausreichender Menge speichern.

Über 99 Prozent des Güterverkehrs auf deutschen Straßen basieren auf Dieselfahrzeugen. Mit LNG komme erstmals eine reichweiten- und leistungsstarke sowie umweltschonende Alternative auf die Straße. "Lastzüge mit Methan-Motoren schonen die Umwelt und rechnen sich wirtschaftlich", sagt Stefan Ziegert, Produktmanager für nachhaltige Transportlösungen bei "Scania Deutschland". Ob komprimiertes oder verflüssigtes Gas spiele dabei keine Rolle. Die CNG- und LNG-Lkw stoßen gegenüber vergleichbaren Diesel-Fahrzeugen bereits bei fossilem Erdgas bis zu 20 Prozent weniger CO2 aus. Mit Biomethan könne die Einsparung bis auf 90 Prozent klettern. "Das macht sich gut in der Klimabilanz der Speditionen", so Stefan Ziegert.

Der Umstieg auf den Erdgasantrieb lohne sich für alle, die weniger schädliches Klimagas, Stickoxide, Feinstaub und Partikel emittieren und gleichzeitig ihre Kosten senken wollen, betonte der Produktmanager. Bei all diesen Kriterien schneide der Gasmotor besser als der Diesel ab. All jenen, die ihren Fuhrpark ohnehin erneuern müssen, rät Stefan Ziegert, den Gasantrieb ernsthaft in Betracht zu ziehen.

Infrastruktur nötig

"Aber solche Lkw's müssen auch tanken können", sagt Karl Holmeier. Er fordert deshalb einen raschen Ausbau der Infrastruktur. In der Oberpfalz gebe es noch keine einzige Gas-Tankstelle für Lkw. Am Rastplatz in Pentling soll jetzt die erste entstehen. "Wenn wir wollen, dass solche Fahrzeuge auf den Markt kommen, dann brauchen wir eine Infrastruktur, dann brauchen wir Tankstellen", fordert Karl Holmeier. Der Schwandorfer Spediteur Josef Beer zeigt sich skeptisch. Er sei mit seinen Fahrzeugen im Nahverkehr unterwegs und müsste zum Auftanken nach Regensburg fahren. "Das ist völlig unrealischtisch", so der Unternehmer. Es müsse ein Tankstellennetz entstehen und die Politik müsse verlässlich dahinterstehen.

An der Veranstaltung nahmen neben MdB Karl Holmeier und Dipl.-Ing. Stefan Ziegert noch Günther Kreuzhuber (Berater für Energielösungen), Michael Sattler (OMV), Dr. Hendrik Haßheider (Bundesverkehrsministerium), Manfred Kuchlmayr (Iveco Nutzfahrzeuge), Peter Meyer (Zukunft Erdgas e.V.), Oberbürgermeister Andreas Feller und stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl teil.

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