18.08.2020 - 09:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wenn der Gastgeber einer Frau zur Zielscheibe wird

Der Kampf wird mit bemerkenswerten Waffen geführt. Die Angreiferin schleudert Glasflaschen auf ihr Opfer und verletzt den Mann mit einem scharf geschliffenen Brieföffner. Der Vorfall kommt in Schwandorf vor Gericht.

Das Strafgesetzbuch
von Autor HWOProfil

Wenn eine Frau wegen gefährlicher Körperverletzung von der Justiz zitiert wird, dann ist das eher ungewöhnlich. Vor der Amtsrichterin Bücherl saß eine 28-Jährige, die sich nicht sehr gesprächig zeigte. So musste dann die Beweisaufnahme ein Bild von dem formen, was sich an einem Nachmittag im September 2019 in einer Schwandorfer Wohnung zugetragen hatte.

Dazu waren folgende Vorkenntnisse notwendig: Ein 41-Jähriger hatte die Angeklagte in seiner Wohnung aufgenommen und ihr, quasi als Untervermieter, ein Zimmer gegeben. Anfangs ging das wohl gut. Doch dann gab es immer mal wieder Zoff zwischen den beiden. So auch im September letzten Jahres. Der Grund ließ sich jetzt nicht mehr exakt ermitteln.

Doch fest stand: Es krachte gewaltig. Auch Alkohol war im Spiel. Die 28-Jährige erschien aufgebracht im Wohnbereich ihres Gastgebers und warf unvermittelt eine Limoflasche in dessen Richtung. Der Behälter verfehlte zwar sein Ziel, doch gleich danach sah sich der 41-Jährige einem weiteren Flaschenwurf ausgesetzt. Der Mann wehrte das gläserne Geschoss mit seinem Arm ab und hatte sich zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits mit einem hölzernen Baseballschläger gerüstet, um Gegenwehr zu leisten.

Die tobende Untermieterin ließ nicht locker. Plötzlich griff sie nach einem scharf geschliffenen Brieföffner und benutzte auch ihn als Wurf-Instrument. Das zweckentfremdete Metallstück brachte dem Opfer zwei kleinere blutende Wunden am Oberschenkel bei. "Sie hinterließen Narben", erfuhr die Richterin.

Weitere Gerichtsberichte aus der Region

Nach ihren Attacken rief die Täterin bei der Polizei an und löste den Einsatz zweier Funkstreifenbeamter aus. Bei ihrer Befragung sagte die 28-Jährige nichts davon, dass angeblich ihre Schwester Augenzeugin der Auseinandersetzung geworden war. Auch der damals verletzte Gastgeber hatte nicht in Erinnerung, "dass sich die Frau damals in meiner Wohnung aufhielt". Also holte man sie. Doch bei ihrer Aussage formte sich der Eindruck: Die 30-Jährige musste an einem ganz anderen Tag zu Besuch gewesen sein. Aber auch da hatte es wohl Streit zwischen den beiden gegeben.

"Was abgelaufen ist, war schon heftig", beurteilte Staatsanwältin Sabrina Fischer die Würfe mit Flaschen und Brieföffner. Angesichts zweier bereits vorhandener Vorstrafen verlangte sie zehn Monate Haft mit Bewährung für die 28-Jährige. Von der Richterin wurden sieben Monate mit Bewährung verhängt. Außerdem muss die von Unterstützung lebende Frau 500 Euro bezahlen. Unterdessen wohnt sie nicht mehr bei dem 41-Jährigen. "Und das", sagte der Mann, "ist gut so."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.