26.05.2019 - 11:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Geldpolitik der EZB verteidigt

Sparer, die auf schnell steigende Zinsen warten, müssen sich weiter in Geduld üben. Experte Thomas Schneider geht nicht davon aus, dass sich die Null-Zinspolitik heuer noch ändert.

Thomas Schneider von der bayerischen Bundesbank-Hauptvertretung in München erklärt beim Wirtschaftsfrühstück, die Nullzins-Politik der EZB als Reaktion auf Finanz- und Staatsschuldenkrise.
von Irma Held Kontakt Profil

Volkswirt Thomas Schneider aus dem Stab des Präsidenten bei der Deutschen Bundesbank Hauptverwaltung in Bayern sagte dies und noch viel mehr Finanzpolitisches beim Wirtschaftsfrühstück des Vereins Partner für den Landkreis Schwandorf in der Sparkasse Schwandorf. Thomas Schneider geht zu Beginn auf die Auslöser der Null-Zinspolitik, die Finanzkrise und die europäische Staatsschuldenkrise, ein. "In Deutschland ist die Finanzkrise relativ schwach angekommen", so Thomas Schneider. Mit den Ausläufern habe man aber noch zu kämpfen, befinde sich jedoch bereits in ruhigerem Fahrwasser. "Was wir getan haben, war notwendig, um zu reagieren und die Finanzmärkte nicht an die Wand fahren zu lassen", bricht er eine Lanze für die Entscheidungen der EZB (Europäische Zentralbank).

Sinkende Zinsen seien ein Instrument, Wirtschafts- und Inflationsrate nach oben zu bringen. "Die Inflationsrate von zwei Prozent hat sich als richtig erwiesen." Deshalb seien die Zinsen 2014 runtergegangen. Als dies nicht gereicht habe, habe die EZB weitere Maßnahmen ergriffen, darunter das Ankaufsprogramm von Staatsanleihen und Vermögenswerten. Die Bundesbank habe ein Ankaufsprogramm zur Staatsfinanzierung nicht gut geheißen, sagt er, stuft aber, abgesehen davon, die Geldpolitik als richtig ein.

Wirtschaft ankurbeln

Ziel aller Bemühungen in der Geldpolitik sei es, die Wirtschaft anzukurbeln. "Eine gute Wirtschaft ist tendenziell mit einer hohen Inflationsrate verbunden." Mit dem Pumpen von Geld in den Markt würde sich Zeit erkauft, Reformen in der Politik und Wirtschaft anzugehen. Das Ankaufsprogramm sei inzwischen zurückgefahren worden. Die Wirtschaft vieler Euroländer, darunter Spanien, habe sich wieder erholt, aber Italien schwächelt, liegt nach den Worten des Bundesbankers noch immer nicht auf dem Niveau vor der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren.

Glaubwürdig bleiben

Die USA hätten sich von den von ihnen ausgelösten Verwerfungen schneller erholt, weil es keine Staatsschuldenkrise gegeben habe. An deren Beispiel führt er den Zuhörern aber vor Augen, wie lange es dauere, bis der Leitzins angehoben werde. Im Oktober 2014 seien die Vereinigten Staaten da gestanden, "wo wir Ende 2018 standen". Es seien vier Jahre vergangen, bis der Leitzins in den USA auf 2,5 Prozent angestiegen sei. Das niedrige Zinsniveau werde uns noch in die Zukunft begleiten. Wichtig ist Thomas Schneider, dass "das Geld als Schmiermittel der Wirtschaft seien Wert behält". Und um die Glaubwürdigkeit zu behalten, müsse die EZB "wenn die Zwei-Prozent-Inflationsrate erreicht ist, raus aus der expansiven Geldpolitik". Und in einem ist er sich sicher: "Die Zinsen werden steigen."

Das Wirtschaftsfrühstück, stets an einem anderen Ort und mit anderer Themenstellung, ist zu einem festen Bestandteil der Aktivitäten des Vereins geworden. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Werner Heß, sprach bei der Vorstellung des Referenten in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Alois Hagl von nicht ganz leichten Rahmenbedingungen für Geldinstitute und Banken seit einigen Jahren. Allerdings gelte es, den Blick nach vorne zu richten.

Eine gute Wirtschaft ist tendenziell mit einer hohen Inflationsrate verbunden.

Thomas Schneider, Bundesbank

Thomas Schneider, Bundesbank

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.