Schwandorf
07.05.2019 - 19:34 Uhr

Im Geldwäsche-Schlamassel

Es ist ein Fall, der einen bis dahin unbescholtenen 70-Jährigen in die Arme von Krinimellen treibt. Der Mann sucht einen Nebenverdienst, soll auf seinem Bankkonto eintreffende Gelder sofort abheben und in die Türkei überweisen.

"Da sind sie ja in einen ziemlichen Schlamassel geraten", sagt jetzt der Richter. Der 70-jährige hatte sein Leben lang als Bauarbeiter hart gerackert und suchte nach der Verrentung einen Nebenjob. Über Internet kam die Verbindung zu einer Firma zustande, deren Name sich aus vielen einzelnen Großbuchstaben zusammensetzte, vom Lesen her aber keinen Sinn ergab. Real bestand dieses Unternehmen nicht, aber es gab einen gewissen Herrn Wolf, der dann auch per Handy Kontakt zu dem im Kreis Schwandorf lebenden Mann aufnahm und ihm genau erklärte, um was es bei dem lukrativen Nebenverdienst gehen sollte.

Der von einem eher kärglichen Einkommen lebende Rentner hatte folgende Aufgabe: Er sollte sein Bankkonto genau beobachten und darauf eintreffende Beträge unverzüglich per Blitzüberweisung durch "Moneygram" in die Türkei schicken. Das tat er, als nicht lange danach 7020 Euro eintrafen. Wie vom Arbeitgeber zugesagt, behielt der angeheuerte Geldtransporteur 20 Prozent der Summe für sich.

Was der Mann aus dem Raum Schwandorf nicht wusste, war: Die 7020 Euro stammten vom Konto einer Frau in Rheinland-Pfalz. Ihr hatten kriminelle Gauner per Internet vorgegaukelt, dass sie irrtümlicherweise eine Zahlung von der Steuerbehörde erhalten habe und um sofortige Rücküberweisung erbeten - auf die Bankverbindung des 70-Jährigen in der Oberpfalz. Eine üble Masche, die weltweit gestrickt wird.

Bei diesem einen Fall blieb es. Glücklicherweise. Dann tauchte bereits die Polizei bei dem ehemaligen Bauarbeiter auf und ermittelte wegen Geldwäsche. Dass sich der Mann gegen Provison zum Handlanger international operierenden Betrüger gemacht hatte, stellte das Schwandorfer Amtsgericht bei einem Prozess in erster Instanz fest und verurteilte ihn zu 2400 Euro Geldstrafe.

Dagegen in Berufung gegangen, machte der 70-Jährige nun vor dem Landgericht Amberg klar: "Ich hatte in meinem Leben nie etwas mit der Polizei zu tun und bin aus allen Wolken gefallen, als plötzlich Fahnder kamen." Für ihn ein Nebenjob wie viele andere. "Aber stutzig hätten Sie schon werden müssen", tadelte Richter Peter Hollweck.

Freispruch kam nicht in Betracht. Aber eine Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage. 1500 Euro wurden verhängt. Sie gehen auf das Konto der Frau in Rheinland-Pfalz. Denn sie hatte bisher von ihrem Verlust nichts mehr erhalten. Ihr Geld verschwand in dunklen türkischen Kanälen.

 
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