11.02.2019 - 15:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Griff in die Kasse nach fingierten Rechnungen

Eine GmbH-Buchhalterin sitzt wegen Urkundenfälschung vor Gericht. Sie schrammt knapp an einer Gefängnisstrafe vorbei.

Justitia ahndete die Urkundenfälschung mit einer Bewährungsstrafe.
von Autor HWOProfil

Eigentlich sucht die Kripo nach ganz anderen Unterlagen. Dabei stößt eine Fahnderin auf Rechnungen, die ihr seltsam vorkommen: Absender in Frankreich, Texte auf Deutsch. Die Briefe sind gefälscht und dienen dem Zweck, Geld aus der Firmenkasse zu nehmen.

Nicht ganz einfach, dieses Verfahren. Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Ewald Ebensperger saß eine Frau, für die es möglicherweise um einen längeren Gefängnisaufenthalt ging. Denn vor einiger Zeit hatte die heute 67-Jährige bereits eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von über einem Jahr für ein Delikt im wirtschaftlichen Bereich erhalten. Nun ging es um Urkundenfälschungen. Dazu erfuhren die Richter: Die jetzige Rentnerin arbeitete als Buchhalterin für ein Unternehmen im östlichen Landkreis Schwandorf. Dort fälschte sie zwischen 2014 und 2016 insgesamt sechs Rechnungen und entnahm die darin geforderten Beträge in Höhe von insgesamt 51 000 Euro der Firmenkasse. Die jeweiligen Summen (sie lagen zwischen 6000 und 13 000 Euro) übergab sie ihrem Ehemann, der in dem Betrieb als Gesellschafter tätig war.

Zufällig entdeckt

Im weiteren Prozessverlauf wurde deutlich: Die Firma wurde in Form einer GmbH geführt. Von daher waren Entnahmen aus der Unternehmenskasse nicht gestattet. Es kam hinzu: Die Gelder wurden quasi am Finanzamt vorbei geführt. "Was ist damit geschehen?", fragte Richter Ebensperger und erhielt im Rahmen eines umfassenden Geständnisses die Antwort: "Sie wurden für den Familienunterhalt verwendet."

Ein für die Justiz sehr selten zu verhandelnder Sachverhalt. Im Sitzungssaal erläuterte eine Fahnderin des Betrugskommissariats bei der Amberger Kripo, dass die Aufdeckung der fingierten Rechnungen "eher ein Zufallsprodukt im Verlauf anderer Ermittlungen" gewesen sei. Die Fahnder hatten sich einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss wegen Ungereimtheiten in dem Unternehmen besorgt und filzten die Firma. Bei der Durchsicht beschlagnahmter Unterlagen stieß die Kommissarin auf Rechnungen, die laut Briefkopf von einem in Frankreich ansässigen Betrieb stammten. "Die Texte aber waren in deutscher Sprache", schilderte die Beamtin ihre damalige Verwunderung. Da hakte sie bei der Buchhalterin nach und bekam sofort zur Antwort: "Ich habe die Rechnungen gefälscht."

Parallel dazu lief eine Selbstanzeige, wurden auch fällige Steuern für die insgesamt 51 000 Euro entrichtet. "Das war schon dreist", bewertete Staatsanwältin Franziska Meinl die illegalen Machenschaften. Dafür mochte sie keine Nachsicht walten lassen: Die Anklagevertreterin verlangte angesichts einer im Register stehenden Vorstrafe zwei Jahre und drei Monate Haft zum Absitzen.

Chance zur Bewährung

Dagegen stemmte sich Verteidiger Ulrich Weber (Regensburg). Er hielt 18 Monate mit Bewährung für ausreichend. "Die Frau hat umfassend gestanden", argumentierte er. Das Schöffengericht schickte die 67-Jährige nicht hinter Gitter. Es verhängte ein Jahr und zehn Monate Haft, setzte die Ahndung aber zur Bewährung aus. Die Frau muss 2000 Euro an die Staatskasse und weitere 2000 Euro an den Hospizverein zahlen. "Sie sind gewerbsmäßig vorgegangen", hieß es in der Urteilsbegründung.

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