27.07.2018 - 15:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Was ist ein "G'schnapplmeier"?

Premiere für einen Schmähruf. Er lautet "G'schnapplmeier". Bisher nie gehört. Trotzdem gilt diese Bezeichnung ab sofort als Beleidigung. Weil sich dadurch ein Schwandorfer Polizist in seiner Ehre herabgewürdigt fühlt.

Auf der Richterbank
von Autor HOUProfil

Wenn es nach Staatsanwalt Wolfgang Doblinger gegangen wäre, dann hätte man die Frau auf der Anklagebank drei Monate einsperren müssen. Primär schon wegen ihrer zehn Vorstrafen. Dann allerdings wären zwei Bewährungsahndungen widerrufen worden, hätte die 35-Jährige ein längerer Knastaufenthalt erwartet. "Doch wegen einem solchen Quatsch sperre ich niemanden ein", sagte später Richter Christopher Theißen in seinem Urteil.

Heuer am 14. Januar ermittelten abends mehrere Polizeibeamte wegen einer Körperverletzung im Schwandorfer Hochrain-Viertel. Offenbar ein schwieriger Fall, weil gleich vier Uniformierte anrückten. Da kam dann plötzlich die 35-Jährige, in Kreisen der Ordnungshüter quasi amtsbekannt, in einem Auto vorbei und äußerte beim Vorüberfahren fragend: "Ist der G'schnapplmeier auch schon wieder unterwegs?"

Sie meinte damit offenbar ganz konkret einen der Uniformträger. Er selbst hatte diesen merkwürdigen Satz nicht vernommen. Doch seine Kollegen machten ihn darauf aufmerksam. Und so kam es, dass die Bezeichnung "G'schnapplmeier" erst zur Anzeige und dann in die Akten der Staatsanwaltschaft gelangte.

Was ist nun ein "G'schnapplmeier"? Einer, der womöglich nach bayerischer Redensart "g'schnappig" seine Obliegenheiten verrichtet? Der Staatsanwalt sah das wohl so und setzte zu einer bemerkenswerten Erklärung aus seiner Sicht an: "Eine Subjektivierung des Adjektivs g'schnappig." Das musste man sich fast schon auf der Zunge zergehen lassen. Kam hinzu: Der solchermaßen titulierte Polizist ließ vor dem Richter erkennen, dass er sich mit diesem Wort in seiner Ehre herabgewürdigt sehe.

Richter Theißen hatte im Vorfeld der Verhandlung eigens einen Dialektforscher befragt. Doch der konnte ihm nicht weiterhelfen. Denn selbst dem Experten war "G'schnapplmeier" bei seinen Recherchen noch nie untergekommen. Gleichwohl bezog der Vorsitzende in seine Überlegungen mit ein, dass sich der Anzeige erstattende Ordnungshüter gekränkt fühlte. Von daher mochte er dem Freispruchsantrag von Verteidiger Marc Steinsdörfer (Weiden) nicht entsprechen und verhängte gegen die momentan obdach- und mittellose Frau 200 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung. Sie will zahlen, wenn ihr die Behörden wieder Unterstützung gewähren. Im Prozess hatte sich die 35-Jährige nicht dazu geäußert, ob sie denn nun "G'schnapplmeier" sagte oder nicht.



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