08.07.2018 - 16:39 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gummibärchen operativ entfernt

Die Operationssäle, die Intensivstation und die Krankenzimmer sind Tabuzonen. Auch der Rohbau ist gesperrt. Die Besucher des St. Barbara-Krankenhauses bekommen dennoch viel zu sehen.

Beim Tag der offenen Tür simulierte das St. Barbara-Krankenhaus die Vorgänge bei einer Bauchspiegelung.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

(rhi) Der Rundgang begann im Foyer. Dort zeigte Geschäftsführer Dr. Martin Neumann Bilder vom Neubau, bei dem im September das Richtfest ansteht. Auf dem Stand nebenan warb Personalchef Axel Buchheit für die Pflegeberufe. Momentan bildet das Haus 65 Nachwuchskräfte zu Kranken-, Alten- und Kinderpfleger aus. Die Klinik beschäftigt insgesamt 750 Mitarbeiter und bildet neuerdings auch medizinisch-technische Radiologieassistenten aus.

Sarah Brandl befindet sich im ersten Lehrjahr der generalistischen Pflegeausbildung. Sie erklärt den Besuchern die Pneumonie-Prophylaxe zur Vermeidung einer Lungenentzündung. Ihre Tipps: Regelmäßig einen Luftballon aufblasen, Luft mit gespitzten Lippen ausblasen und "Äpfel pflücken" zur Dehnung der Atemmuskulatur.

Träger des Hauses sind die Barmherzigen Brüder Regensburg. Frater Seraphim sprach über die Werte, die sich der Orden gegeben hat: Qualität der Behandlung, Respekt voreinander, Verantwortung gegenüber dem Patienten und dem Personal, Spiritualität und gelebte Gastfreundschaft. Auch wenn es sich um ein "katholisches Haus" handle, spielt für Pflegedirektor Frank Hederer die Konfession der Mitarbeiter keine Rolle: Grundbedingung sei allerdings: "Sie müssen zu den Grundwerten unseres Hauses stehen."

Checkliste und Sorgfalt

Einblick gewährte auch die Gynäkologie- und Geburtshilfeabteilung, die mit gestochen scharfen 3D-Ultraschallbildern bei den Eltern die Freude auf die Geburt des Kindes steigert. Mit Gloria Dollinger und Birgit Hartinger arbeiten in der Abteilung auch zwei Still-Beraterinnen, die über Physiologie, Anatomie, Hygiene, Techniken und Anzeichen aufklären, die die Eltern beachten sollten. Die Abteilung hält auch Zimmer für die werdenden Mütter und deren Partner vor, sollte sich die Geburt hinauszögern. Den "Blick hinter die Kulissen" erlaubte auch die radiologische Abteilung, die die Entwicklung vom analogen Röntgenbild bis zur digitalen Aufnahme zeigte. "Der Patient bekommt die Bilder auf einer CD mit nach Hause", erklärt Assistentin Elisabeth Gruber.

In den Operationssälen wurde auch am Samstag gearbeitet. Deshalb verlegten die Mitarbeiter die Technik in den Vorraum. Konrad Zeitler und sein Team simulierten eine Bauchspiegelung und ließen auch die Besucher "Hand anlegen". Ein Kürbis diente als Bauchhöhle, in die sich kleine Gummibärchen eingenistet hatten. Mit einer Zange ließen sich die Fremdkörper herausholen.

Stichwort "Patientensicherheit": Hier habe sich in den letzten Jahren viel getan, betont Frank Hederer. Die Klinik holte sich Rat in der Flugzeugbranche. So wie der Flugkapitän vor dem Start seine Checklise abarbeite, so gehe auch das Personal nach der Einweisung des Patienten vor, erläuterte der Pflegedirektor. Die gleiche Sorgfalt gelte der Hygiene. Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt sei selbstverständlich. Dafür habe das Krankenhaus die Voraussetzungen geschaffen.

Großen Wert legt der Träger auch auf die Fortbildung der Mediziner. Chefärztin Dr. Elisabeth Bösl nimmt sich zehn Tage im Jahr Zeit für den Besuch von Kongressen und tauscht sich regelmäßig mit ihren Kollegen in Regensburg aus. Wie geht die Klinik mit Schwerstkranken und Sterbenden um? Dr. Elisabeth Bösl rät frühzeitig zu einer "möglichst genauen Patientenverfügung" und zur Benennung eines Betreuers. Dann sei abzuwägen, so die Leiterin der Kardiologie, welche Maßnahmen im Sinne und zum Wohle des Patienten zu treffen seien.

Lebenserhaltende Maßnahmen um jeden Preis lehnt Dr. Elisabeth Bösl ab. Sollten sich Ärzte und Angehörige nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, schaltet sich das Ethik-Komitee des Hauses ein.



Start mit Gottesdienst

In den Räumen der Tagesklinik informierte der Sozialdienst über seine Aufgaben. Die Mitarbeiter kümmern sich um die Versorgung der Patienten nach dem Klinikaufenthalt, stellen Kontakt zu Altenheimen her oder vermitteln Reha-Aufenthalte. Die Rettungsdienste präsentierten sich auf dem Freigelände. Dort befanden sich auch das Verpflegungszelt zum Brotzeitmachen und der Spielplatz für die Kinder. Der Tag der offenen Tür begann mit einem Gottesdienst in der Hauskapelle und endete mit der Verlosung von 25 wertvollen Preisen, darunter ein Wellness-Wochenende im Wert von 700 Euro.

Mit Gloria Dollinger (links) und Birgit Hartinger (rechts) arbeiten in der gynäkologischen Abteilung auch zwei Still-Beraterinnen.
Sarah Brandl (rechts) befindet sich im ersten Lehrjahr der generalistischen Pflegeausbildung. Sie erklärt den Besuchern die Pneumonie-Prophylaxe zur Vermeidung einer Lungenentzündung.
Die Besucher durften in die Rolle des Operateurs schlüpfen und Gummibärchen aus einem Kürbis entfernen.
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