18.09.2018 - 19:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Haft nach Prügel-Attacke auf Kind

Der Richter fragt den Angeklagten: "Wie lässt sich der Alkoholkonsum mit den Regeln des Korans vereinbaren?" Eine Antwort hat der 29-Jährige nicht parat. Er wird zu zweieinhalb Jahren Haft wegen schwerer Kindesmisshandlung verurteilt.

Er hatte zwei Quartiere. Eines im Asylbewerberheim, das andere bei seiner im Raum Nabburg wohnenden Lebensgefährtin. Dort ging der Mann ein und aus. Vor dem Amberger Schöffengericht sagte der Iraker nun, an die Frau gewandt: "Ich mag deine Kinder, und es tut mir auch alles sehr leid." Dabei erhob sich die Frage: Was bereute er? Dass ein Kleinkind auf üble Weise misshandelt wurde? Dass auch die Mutter von vier Kindern offenbar wiederholt geschlagen und bedroht wurde? Was der Frau widerfuhr, wurde später im Prozess nicht weiter verfolgt.

Wohl aber der massive Übergriff auf einen zwölf Monate alten Jungen. Als seine Mutter eines Nachts von einem Lokalbesuch heimkam, war das Kind erheblich verletzt. "Mindestens zwei Schläge ins Gesicht und eine Bisswunde am Bein", attestierte jetzt der Rechtsmediziner Peter Betz aus Erlangen und berichtete vor Richter Markus Sand, dass solche Attacken "durchaus lebensgefährlich sein können."

Das Kind war nach dem Vorfall ins Krankenhaus gebracht worden. Dort sahen Ärzte die Verletzungen und schlugen Alarm. Der 29-Jährige wurde festgenommen und in U-Haft gebracht. Im Verfahren sagte er jetzt sinngemäß, ihm sei die Erinnerung abhanden gekommen, und machte Alkoholgenuss geltend. Tatsächlich hatte er in der Tatnacht 1,4 Promille.

Dass der Mann ein Alkoholproblem hat, bestätigten sowohl zwei seiner Landsleute ("Eine Flasche Wodka am Tag") als auch der medizinische Sachverständige Thomas Lippert (Nürnberg). Ihn aber in eine Therapie einzuweisen, mache wohl wegen akuter sprachlicher Probleme keine Sinn, hieß es. In der Verhandlung wurde auch deutlich, dass der Iraker als Asylbewerber bereits abgelehnt ist und offenbar mit Duldung in Deutschland lebt.

Für die schwere Misshandlung eines Kleinkinds verlangte Staatsanwältin Barbara Tutsch drei Jahre Haft. Das Schöffengericht verhängte zweieinhalb Jahre. Die Attacke, deren Grund völlig im Dunkeln blieb, sei nicht hinnehmbar, hieß es in der Urteilsbegründung.

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