Schwandorf
18.11.2018 - 08:33 Uhr

Haftstrafe nach Einbruch über die Katzenklappe

Der Mann braucht Geld für Alkohol und Drogen. Deshalb bricht er in Wohnhäuser ein. Erst in Regensburg, dann in Schwandorf. Jetzt muss er hinter Gitter. Eine Entzugstherapie kommt für ihn nicht in Frage: Er spricht kein Wort Deutsch.

Ein 33-Jähriger muss wegen Einbruchs für zwei Jahre hinter Gitter. Er hatte sich über die Katzenklappe Zugang zu einem Haus verschafft und sich dort mehrere Wertgegenstände unter den Nagel gerissen. Bild: Uli Deck/dpa
Ein 33-Jähriger muss wegen Einbruchs für zwei Jahre hinter Gitter. Er hatte sich über die Katzenklappe Zugang zu einem Haus verschafft und sich dort mehrere Wertgegenstände unter den Nagel gerissen.

Dass eine Katzenklappe als Weg für Einbrecher dient, war den Richtern neu. Natürlich zwängte sich der 33-Jährige nicht durch die Öffnung. Sie wäre zu schmal gewesen. Aber als der Mann am 24. November letzten Jahres an ein Haus im Schwandorfer Stadtgebiet kam, fiel ihm die Klappe sofort auf. Von einer im Garten stehenden Skulptur holte sich der Mann ein längeres Metalleil, bog es und schob die so entstandene Schlinge durch das für die Hauskatze angelegte Loch.

Augenblicke später hakte sich das Drahtstück an einer Türklinke fest und drehte sie um. Dann lief alles ab wie bei Sesam öffne dich: Die Terrassentür ging auf. Aus dem Haus nahm der Dieb einen Laptop, eine Aktenmappe und einen Fotoapparat im Gesamtwert von 400 Euro mit. Dann verschwand er. Einige Zeit später nahm ihn die Polizei fest. Aus der U-Haft vor das Amberger Schöffengericht geführt, offenbarte sich nun:

Durch sein dreistes Vorgehen hatte der 33-Jährige bei der allein im dem Gebäude wohnenden Frau einen psychischen Schaden angerichtet, der bis heute andauert. Das fiel beim Urteil erschwerend ins Gewicht. Andererseits: Er legte ein Geständnis ab und entschuldigte sich. Als der Gerichtsvorsitzende Markus Sand in den Unterlagen blätterte, verdeutlichte sich: Gerade mal einen Monat vor dem Einbruch war der Angeklagte nach längerer Untersuchungshaft und einem Prozess, bei dem es ebenfalls um Einbruch ging, in Regensburg auf freien Fuß gesetzt worden. Die Richter dort gaben ihm 20 Monate zur Bewährung. Für den Katzenklappen-Fall in Schwandorf beantragte Staatsanwältin Franziska Meinl drei Jahre Gefängnis. Verteidiger Alexander Greithaner (Regensburg) hielt ein Jahr und acht Monate für ausreichend. Außerdem sprach er sich dafür aus, den Mann in eine Drogentherapie einzuweisen.

Das Schöffengericht schickte den Einbrecher für zwei Jahre hinter Gitter. Ihm die Möglichkeit eines Rauschgiftentzugs zu geben, hielt Richter Markus Sand für aussichtslos. "Er spricht kein Wort Deutsch", begründete er diese Ablehnung. Aus Regensburg stehen weitere 20 Monate offen. Die dazu noch laufende Bewährung könnte jetzt widerrufen werden.

 
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